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Hanau Zur Erinnerung an Bismarck

Die Bismarcksäule in Hanau steht bereits seit 110 Jahren. Das Bauwerk ist eines von 240 monumentalen Säulen oder Türmen, die seinerzeit als eine Kette quer durch ganz Deutschland gebaut worden sind.

Das 110 Jahre alte Wilhelmsbader Monument für den Reichskanzler und Sozialreformer Otto von Bismarck. Foto: Monika Müller

Plump und massig wie ein Elefantenfuß steht sie da zwischen der Wilhelmsbader Kurparkpromenade und dem kostspieligen Wohnviertel Hohe Tanne. Um sie herum teilt und schließt sich die Kreisstraße 872 scheinbar ehrfurchtsvoll.

Die Bismarcksäule markiert seit 110 Jahren diese Stelle. Das Bauwerk ist eine von 240 monumentalen Säulen oder Türmen, die seinerzeit als eine Kette quer durch ganz Deutschland gebaut worden sind.

Die Deutsche Studentenschaft hatte dieses Vorhaben angeregt, um den ersten Reichskanzler und Urheber einer fortschrittlichen Sozialgesetzgebung, Otto von Bismarck, nach seinem Tod zu ehren. Durch das Land sollte sich so an bestimmten Tagen eine Lichterkette aus Feuern durch das damalige Reich ziehen. Bismarck wäre damals 100 Jahre alt geworden, in drei Wochen, am 1. April 2015, wären es 200 Jahre geworden.

Das besonders erwähnenswerte der Hanauer Säule ist ihr 1873 in Eltville geborener Architekt Wilhelm Kreis. Nach seinem Entwurf „Götterdämmerung“ sollen 47 Feuersäulen gebaut worden sein, drei davon in Hessen. Die Nazis missbrauchten diese Bauwerke schon bald für ihre Ideologie, für Sonnenwendfeuer und Hilter-Geburtstage. Der Wilhelmsbader Turm sollte vielleicht auch deshalb in den 1970er-Jahren angeblich wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Dagegen wehrten sich Heimatkundler. Wie es heißt, mit einem Feuer in der Schale auf dem Säulendach.

Nie als Aussichtsturm konzipiert

Dass Wilhelm Kreis, der der Legende nach Bismarck einst als Student die Hand geschüttelt haben soll, nicht nur klassizistische, martialische Baukunst beherrschte, zeigte er am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden, das von einer schlichten, zeitlosen Moderne geprägt ist.

Nach Plänen von Kreis wurden auch 1911 das Kaufhaus Tietz in Wuppertal und das im gleichen Jahr von einer wuchtigen Architektur geformte Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle gebaut. Später erstellte er die Erweiterungsbauten an der Dresdner Semperoper.

Aber das war schon 1938, Kreis hatte sich bereits von den Nationalsozialisten vereinnahmen lassen. Er arbeitete etwa im Stab von Hitlers Baumeister für Nazi-Architektur, Albert Speer. Kreis soll sich nach 1945 auf seine kritische Lebenssituation nach 1933 berufen haben, wegen der Verwandtschaft seiner Frau mit der Familie der verfemten Schriftstellerin Ricarda Huch. Vermutlich endete für Wilhelm Kreis nach dem Krieg auch aus diesem Grund das Schaffen im öffentlichen Raum nicht. Die Dortmunder Filiale der Landeszentralbank hat er beispielsweise 1950 noch entworfen. Wilhelm Kreis verstarb dann im Jahr 1955.

Die Wilhelmsbader Feuersäule, die heute unter Denkmalschutz steht, ist zwar von innen besteigbar, sie war jedoch nie als Aussichtsturm konzipiert. Überdies wird die Plattform weitgehend von einer 2,5 Meter großen Feuerschale vereinnahmt, in der Kolophonium entzündet worden sein soll.

Weit sehen kann man allerdings von der Säulenspitze. Das Gebäude ist immerhin 18 Meter hoch. Es besteht aus Basalt, der unweit im Wilhelmsbader Steinbruch und Steinheim gebrochen worden ist. Fast fünf Jahre musste damals mit dem Bauen gewartet werden. Solange dauerte es, bis über Spenden die Baukosten von 28 000 Mark zusammengekommen waren, heißt es in einer Chronik zur Bismarcksäule.

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