Lade Inhalte...

Hanau Wundersame Waldlandschaft

Die Rote Lache mit ihrem Ried ist von zu nehmender Trockenheit bedroht. Trocken ist auch der Erlenbruch, der mit seinen weit aus dem Boden ragenden Wurzeln eine urwaldartige Stimmung hervorbringt.

Er regt die Phantasie an und lässt an ein Trollheim denken: Der knorrige Stamm, der sich aus zahllosen Einzelsträngen ergibt, die zu einem verschmelzen. Es braucht geschätzt drei Menschen, die Ulme zu umgreifen – und sie ist selten geworden im Naturschutzgebiet Rote Lache.

Das 65 Hektar große Gebiet liegt südlich in der Großen Bulau. Warum die Rote Lache so heißt wie sie heißt, könnte an der Einfärbung der Wasserfläche liegen. Sie weist Vegetationsformen auf, die in Hessen immer weniger zu finden sind, wie den natürlichen Erlenbruch oder das Ried, dessen Ufersegge in guten Zeiten bis an Brusthöhe heranreicht.

Seit Jahrenzehnten werden die guten Zeiten jedoch immer seltener. „Der Doppelbiergraben war vor 15, 20 Jahren zu dieser Zeit immer voll Wasser, seit einigen Jahren ist das nicht mehr so“, sagt Revierförster Volker Ahrend. Dass der Graben mit dem eigentümlichen Namen viel Wasser aufnehmen kann, zeigt seine breite, von Menschenhand geschaffene Rinne, die von hohen Erdwällen gesäumt wird. „Manch ein Spaziergänger verwechselt sie mit dem Limes, der hier auch in der Nähe verläuft“, sagt Ahrend. Sogar eine kleine gemauerte, aber über die Zeit teilweise zusammengebrochene Brücke gibt es über den Doppelbiergraben, nur eben kein Wasser mehr. Staubtrocken zeigt sich der Graben vor allem in diesem Sommer, sagt Ahrend.

Immer mehr Trockenperioden

Trocken ist auch der Erlenbruch, der mit seinen weit aus dem Boden ragenden Wurzeln eine urwaldartige Stimmung hervorbringt. Die Stelzwurzeln der Erlen sind für Ahrend kein gutes Zeichen. „Wegen der häufigeren und längeren Trockenperioden sackt der Torfhorizont immer tiefer, zum Vorschein kommen die Wurzeln“, erläutert der Forstexperte. In regenreichen Wochen kann der Erlenbruch bis zu gut einem halben Meter unter Wasser stehen. „Im Jahr 2003 sah es so ähnlich wie in diesem Sommer im Erlenbruch aus“, sagt Ahrend. Das Areal ist mit der Ernennung zum Naturschutzgebiet vor gut 30 Jahren aus der Forstwirtschaft herausgenommen worden. Den vor mehr als 100 Jahren gezogenen Gräben zur Entwässerung wurde Wirkung genommen.

Es gibt nicht mehr viele Gebiete in Hessen, die der Roten Lache ähneln, sagt Ahrend. Markant sei die Höhenstufenzone. Auf den höchsten Ebenen stehen Birken und Eichen, tiefer folgen Eschen und Erlen. Der Erlenbruch bietet zudem einen selten gewordenen Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten.

Eine Besonderheit stellt hierbei das baumlose Ried dar, mit großen Mengen Schilf und Ufersegge. „Dort ziehen sich gerne die Wildschweine zurück“, sagt Ahrend. Das Gelände ist unwegsam. In einem gewöhnlichen Sommer steht die Ufersegge brusthoch und der Boden ist morastig mit zum Teil knöcheltiefen Wasserlachen. Der Eindruck, ein Stück Dschungel zu durchqueren, wird von bluthungrigen Stechmückenschwärmen verstärkt.

Aber auch dem Ried droht Trockenheit. Schon vor 30 Jahren wurde in einem vegetationskundlichen Gutachten registriert, dass die Überschwemmungen in der Rote Lache abgenommen haben. Für Forstmann Ahrend sind die Hauptgründe ein sinkender Grundwasserpegel und niederschlagsarme Jahre. Letzteres sei vermutlich auf den Klimawandel zurückzuführen. Über lange Sicht – sollte diese Witterungstendenz anhalten – werde dies die Vegetation in der Roten Lache ändern, sagt Ahrend.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen