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Hanau Viel Geld für Basketball

Die städtische Beteiligungsholding und ihre Tochterfirmen haben in den vergangenen vier Jahren insgesamt etwa 1,27 Millionen Euro an Sponsorengeld ausgeschüttet.

Die White Wings – hier Jonathan Mesghna (rechts) – haben kürzlich den vorzeitigen Einzug in die Playoffs geschafft.

Die städtischen Unternehmen haben in den vergangenen vier Jahren insgesamt etwa 1,27 Millionen Euro an Sponsorengeld und Spenden ausgeschüttet. Im Jahr 2011 förderten die Beteiligungsholding und ihre Tochterunternehmen Hanauer Vereine, Einrichtungen und Veranstaltungen mit rund 337 000 Euro, 2012 mit 328 000 Euro, 2013 mit 303 000 Euro und 2014 mit 301 000 Euro. Besonders stark profitiert die in der 2. Bundesliga ProB spielende Basketballmannschaft der White Wings. Sie erhielt in den vier Jahren insgesamt etwa 250 000 Euro. Zwar fließt auch Geld für karitative Zwecke, aber so gut wie keine großen Beträge.

Das geht aus den Antworten der Stadt auf eine Anfrage der FR zu Sponsoring und Spenden durch Firmen hervor, die überwiegend oder zu 100 Prozent im Besitz der Stadt sind.

Ewald Desch, Geschäftsführer der Beteiligungsholding, sagt zu den aktuellen Zahlen und zu den hohen Beträgen für die Basketballer: „Die White Wings sind das sportliche Aushängeschild der Stadt, sie sollen das Freizeitangebot in Hanau bereichern. In der Liga, in der sie spielen, geht es nicht ohne finanzielle Unterstützung.“

Bei jedem Sponsoring, ob für Basketballer oder Handballer, würde ein Vertrag Leistung und Gegenleistung, etwa in Form von Bandenwerbung, regeln. Die Aufsichtsräte der Holding und ihrer Tochterunternehmen würden über das Sponsoring wachen. In der Regel kämen die Vereine und Einrichtungen auf die Unternehmen zu, um ein Sponsoring zu vereinbaren. Die Beteiligungsholding selbst habe keine schriftlich formulierten Richtlinien oder Kriterien für Spenden und Sponsoring. Über „die Größe der Füllhörner“ und die Empfänger lasse sich trefflich streiten, so Desch, mehr wolle er dazu nicht sagen.

Im Jahr 2012 schlug das Thema Sponsoring hohe Wellen in der Brüder-Grimm-Stadt. Wie bekannt wurde, hatte die Baugesellschaft mit ihrem Geschäftsführer Jens Gottwald von 2010 bis 2012 vier Tischtennis-Profis der Turngemeinde Hanau (TGH) für Wohnungen die Kaltmiete erlassen. Zudem vermittelte Gottwald Wohnungen an White-Wings-Basketballer, für die fünf öffentlich nicht genannte Personen die Miete zahlten. Die White Wings waren damals noch keine eigenständige GmbH, sondern gehörten zur TGH. Gottwald war bereits Manager der Basketballer und ist es nach wie vor. Nach dem Bekanntwerden dieses Sponsorings wurde beschlossen, dass er auch kleinere Projekte, die die TGH beziehungsweise die White Wings betreffen, mit dem Aufsichtsrat der Baugesellschaft abstimmen muss.

Andreas Kowol (Grüne), Aufsichtsratschef der Hanauer Straßenbahn (HSB), sagt, die White Wings seien überaus erfolgreich und würden in der Stadt die meisten Zuschauer anlocken. Das Sponsoring sei eine sinnvolle Investition, weil die HSB mit Hilfe der White Wings Image-Werbung betreiben könne. Die 10 000 Euro Sponsorengeld für die Basketballer fielen beim Millionendefizit der HSB so gut wie gar nicht ins Gewicht. „Der öffentliche Nahverkehr lässt sich nun mal nicht kostendeckend betreiben“, so Kowol. Schriftlich fixierte Grundsätze für die finanziellen Engagements gebe es bei der HSB nicht, sie würden aber im Aufsichtsrat besprochen.

Bei den Stadtwerken Hanau – dem insgesamt größten Sponsor – gibt es genaue Richtlinien. „Die Stadtwerke haben zum Beispiel festgelegt, dass möglichst viele Hanauer direkt oder indirekt von einem Sponsoring profitieren sollen“, sagt Katrin Lotz vom Marketing der SWH.

Zudem werde über jedes Sponsoring jedes Jahr neu entschieden, müssten die Begünstigten exakt nachweisen, wofür das Geld verwendet wird. Auch Lotz sagt, dass die White Wings eine „große Reichweite“ hätten.

"Dankbar für die Unterstützung"

BGH-Geschäftsführer und White-Wings-Manager Gottwald sagt, die Basketballer seien sehr dankbar für die Unterstützung der städtischen Firmen. Das Geld sei wichtig für das Projekt White Wings. Im Gegenzug bekämen diese dank der Sportler eine „bundesweite Reklame“. Den eigenen Zuschauerschnitt bezeichnet der Manager als „gut“. Auch durch die Werbung in der Halle habe die Baugesellschaft neue Mieter gewonnen.

Gottwald betont, dass die White Wings nicht am Tropf der Stadt hängen würden: „Wir haben viele andere, größere und kleinere Sponsoren, die uns unterstützen.“ Die städtischen Firmen wiederum würden neben den White Wings viele andere Aushängeschilder Hanaus fördern, zum Beispiel die Grimm-Festspiele.

Claus Kaminsky (SPD), Oberbürgermeister und Aufsichtsratschef der Beteiligungsholding, sieht in den Summen für die White Wings ebenfalls kein Problem: „Die White Wings haben eine große Strahlkraft, weit über die Stadtgrenzen hinaus.“ Ihr Konzept sei faszinierend und überzeugend, das zeigten die sportlichen Aufstiege und die Zuschauerzahlen.

Die städtischen Unternehmen würden die Basketballer nur zu einem kleineren Teil finanzieren. Ihr Engagement sei ein wirkungsvolles Signal für die heimische Wirtschaft gewesen, sich ebenfalls zu engagieren. Gleichzeitig verweist Kaminsky darauf, dass das Sponsoring den städtischen Unternehmen steuerliche Vorteile bringe. Im Hinblick auf die Zukunft sagt Kaminsky: „Wer uns ein ähnlich gutes Konzept präsentieren kann, wird genauso unterstützt wie die White Wings. Dann müssten die Kuchenstücke eventuell etwas kleiner geschnitten werden.“

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