Lade Inhalte...

Hanau „Verqueres Bild vom Islam“

Jaoid Darsane vom IIB zu jungen Muslimen und Versuchen zur Entradikalisierung.

Jaoid Darsane, Vorsitzender des Islamischen Informations- und Begegnungszentrums. Foto: Renate Hoyer

Herr Darsane, das Islamische Informations- und Begegnungszentrum (IIB) ist vor rund einem Jahr gegründet worden. Aus welchem Anlass?
Das IIB ist aus der Jugendgruppe des Islamischen Arbeitervereins hervorgegangen. Schon vor der Gründung des IIB wollten wir Projekte initiieren. Wir wollten uns stärker in das gesellschaftliche Leben der Stadt und das Miteinander mit den Christen einbringen. Dabei sind wir jedoch auf ein Generationsproblem in unserem Moscheeverein gestoßen. Hierzu zählt auch die Sprache in der Moschee. Das Marokkanisch oder Arabisch im Freitagsgebet verstehen viele Mitglieder nicht mehr, die als zweite oder dritte Generation in Deutschland leben. Die Sprache war denn auch der Hauptgrund zur Abspaltung, die übrigens im Guten geschah. Freitagspredigt und Vorträge werden in unserem Gebetsraum immer auf deutsch gehalten. Das ist in Hanau noch einzigartig.

Wer hält die Freitagspredigt beim IIB?
Wir bestellen einen Referenten vom Verein Islamische Informations- und Serviceleistungen (IIS) in Frankfurt. Es sind Leute, die in Mainz Islamistik studiert haben. Zum IIS bestand schon früh eine enge Kooperation. Er war auch Vorbild für uns bei der Gründung des IIB.

Kommen nun auch junge Leute in den IIB?
Ja. Zurzeit sind es ungefähr 30 Mitglieder, Jugendliche und junge Erwachsene. An den Freitagsgebeten nehmen bis zu 60 junge Menschen teil.

Auch weil Sie den Koran weniger streng auslegen, vielleicht kein Kopftuch für Frauen fordern?
Wir leben schon nach dem Islam, aber nicht in der Kulturtradition der Herkunftsländer, sondern so wie er sich mit dem Leben in der deutschen Gesellschaft verträgt. Das heißt, wir halten unser Freitagsgebet und feiern unsere religiösen Feste. Eine Komplettverschleierung der Frau lehnen wir hingegen ab. Das Tragen des Kopftuchs ist dagegen religiöse Pflicht. Wir werden aber keine Muslimin kritisieren, die es sich nicht umbindet.

Vermittelt der IIB auch das Leben in der hiesigen Gesellschaft?
Zum einen versucht der Verein, aktiver Teil der hiesigen Gesellschaft zu sein, beispielsweise mit Projektbeteiligungen, mit einem Stand beim Bürgerfest oder am Runden Tisch der Religionen. Überdies bieten wir in unseren Räumen Vorträge wie zuletzt zum nachbarschaftlichen Zusammenleben und zum Umgang mit behinderten Menschen.

Wird auch die aktuelle Lage in Nahost thematisiert?
Die Lage dort ist in jeder Moscheegemeinde ein Thema. Für uns hier in Hanau ist es wichtig, dass junge Menschen sich nicht wegen eines wirren Islamverständnisses radikalisieren und nach Syrien in den Krieg ziehen.

Gibt es in Hanau Jugendliche, die fundamentalistische, radikale Tendenzen zeigen?
Es gibt in der Tat einige Jugendliche, die sind nicht nur uns bekannt.

Wie erkennen Sie die, wenn nicht an Äußerlichkeiten?
Einige von ihnen kommen nach dem Freitagsgebet zu uns und wollen mehr über den Islam wissen. Hierbei zeigt sich schnell, dass sie ein verqueres Bild vom Islam haben, das ihnen offenbar über das Internet von irgendwelchen selbst ernannten Muftis, den höchsten Glaubensgelehrten, eingebläut worden ist.

Welche Möglichkeiten hat das IIB diesen jungen Menschen zu begegnen?
Anders als andere Moscheevereine wenden wir uns von ihnen nicht ab. Das Gespräch mit den zur Radikalisierung neigenden Jugendlichen ist eine wichtige Chance, um sie zurückzuholen. Im IIB gibt es drei Mitglieder, die ausgebildete Sozialarbeiter sind und hierzu Unterstützung leisten können.

Und die betroffenen Jugendlichen zeigen sich nach einem Gespräch einsichtig und geläutert?
Einfach ist es nicht, diesen Jugendlichen das richtige Verständnis zum Islam zu vermitteln. Es gibt auch in Hanau – ich bezeichne sie mal so – Sekten-Scouts, die versuchen, junge Muslime zu Fundamentalisten zu machen, sie zu radikalisieren. Diese Scouts gehen durch alle Moscheevereine, um anzuwerben. Das IIB ist hier sehr wachsam. Aber Jugendliche neigen dazu, der lautesten Stimme zu folgen.

Kann Ihre Stimme nicht lauter ertönen?
Das IIB kann niemanden zwingen, Vernunft anzunehmen. Die betroffenen Jugendlichen zurückzugewinnen ist zudem oft ein langer Prozess, der aus Seminaren und Einzelgesprächen bestehen kann. Doch die Ressourcen des IIB sind begrenzt. Für mehr Prävention bräuchte man Jugendzentren, die religiös-sensibel arbeiten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum