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Hanau Trainer gibt körperliche Übergriffe auf Jungen zu

Ein angeklagter Kampfsporttrainer legt zum Prozessauftakt Teilgeständnis ab. Der Angeklagte weist den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs aber zurück.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Einen der letzten Übergriffe in seinem Sportstudio in Sinntal soll Holger H. Ende 2017 begangen haben. Der 46-Jährige schlug dem Opfer laut Anklage so heftig aufs Gesäß, dass rote Abdrücke von seinen Fingern zurückblieben. Einmal habe er so fest mit einem Stock zugeschlagen, dass der kaputtging. Staatsanwältin Juliane Thierbach ist überzeugt: Die vielen Taten seien auch „sexuell motiviert“. Als sich ein 15-Jähriger wegen Leistenproblemen physiotherapeutisch behandeln ließ, habe H. die Geschlechtsteile des Jugendlichen angefasst und ihn nach sexuellen Vorlieben gefragt.

Seit Dienstag muss sich H. vor dem Landgericht Hanau verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm 330 strafbare Handlungen zwischen Januar 2012 und Dezember 2017 zur Last: sexuellen Missbrauch, einfache sowie gefährliche Körperverletzung. Der jüngste Betroffene war demnach fünf Jahre alt, der älteste 21. H., der seit 2011 als Kampfsporttrainer und Therapeut in Sinntal tätig war, soll zum einen das Behandlungsverhältnis ausgenutzt haben und die fehlende Fähigkeit der Opfer zur sexuellen Selbstbestimmung. Zum anderen habe er sie im Training für angebliches Fehlverhalten bestraft. Immer wieder habe es Schläge aufs nackte Hinterteil und auf den Hinterkopf gegeben, teilweise Tritte.

Gebeugt betrat Holger H. den Gerichtssaal und hielt sich die Hände vor die Augen, als die Fotografen ihre Aufnahmen machten. Er schwieg während der Verhandlung, sein Anwalt erklärte für ihn aber: H. räume die körperlichen Übergriffe ein und bedauere sie. Sie seien jedoch nicht sexuell motiviert gewesen. Weitere Angaben wolle H. zumindest jetzt nicht machen.

Im Februar hatte die Polizei eine europaweite Fahndung nach H., der die Flucht ergriffen hatte, eingeleitet, im März wurde er auf einem Parkplatz bei Cuxhaven verhaftet.

Richter Peter Grasmück sagte, das Gericht habe einige Zeugen vorerst nicht geladen, weil es sich um Kinder handele. Es könnte für den Angeklagten förderlich sein, solchen Zeugen eine Aussage zu ersparen. H. solle in sich gehen.

Der Trainer ist einschlägig vorbestraft. Mitte der 90er wurde er in Nordrhein-Westfalen wegen sexuellen Missbrauchs, vorsätzlicher sowie gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. H. hatte unter anderem einem Jungen, dem er Nachhilfe gab, aufs Gesäß geschlagen und an dessen Geschlechtsteilen rumgemacht. Das Gericht ordnete an, ihn in der Psychiatrie unterzubringen. Eine schwere „seelische Abartigkeit“, narzisstische und sadistische Züge schrieb ihm ein Gutachten zu. Er sei für die Allgemeinheit gefährlich, heißt es im Urteil. Positiv bewertete das Gericht, dass H. die Taten zugegeben hat, Opfer nicht vor Gericht aussagen mussten und er eine Therapie begann. Dem standen aber zahlreiche Delikte gegenüber, bei „deutlich steigender Intensität“.

H.s ehemalige Ehefrau, die auch in dem Studio in Sinntal arbeitete, sagte am Dienstag aus, sie habe nichts von Schlägen oder anderen Formen von Misshandlung mitbekommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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