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Hanau Sorgen bereitet der Lärmschutz

Bürgen informierten sich bei Bahnexperten über den Bau der Nordmainischen S-Bahn. Derzeit läuft das Offenlageverfahren des Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, das der Baugenehmigung für den zweigleisigen Ausbau vorgeschaltet ist.

Mit dem Streckenausbau in Kesselstadt sollen künftig hohe Lärmschutzwände Siedlung und Gleise trennen. Foto: Monika Müller

Hanspeter Geibel hat sich gleich seinen Juristen in das Technische Rathaus mitgenommen. Geibel besitzt den historischen Fürstenbahnhof in Wilhelmsbad, und das „Einzelkulturdenkmal von 1848“ möchte er sich nicht mit einer bis zu vier Meter hohen Schallschutzwand zubauen lassen. Der Immobilienbesitzer gehörte zu den Bürgern in Hanau, die jetzt das persönliche Informationangebot der Deutschen Bahn zum Bau der Nordmainischen S-Bahn nutzten. Derzeit läuft das Offenlageverfahren des Regierungspräsidium (RP) Darmstadt, das der Baugenehmigung für den zweigleisigen Ausbau vorgeschaltet ist.

„Die Schallschutzwand würde das Erdgeschoss auf ganzer Höhe verdecken und überdies wegen des geringen Abstandes zum Gebäude von drei Metern eine stark abschattende Wirkung haben“, sagt Geibel. Gleichwohl die Südseite des ehemaligen Bahnhofsgebäudes nicht die Schauseite sei, müsse sie sichtbar bleiben, so der Besitzer. Das denkmalgeschützte Gebäude beherbergt seit mehr als zehn Jahren Gastronomie. Geibel will deshalb Einwand gegen die Planung an seiner Immobilie eingelegen.

Erschütterungen befürchtet

Einwand wird auch ein Paar im mittleren Alter beim RP erheben. „Einfach um unsere Ansprüche nicht zu verlieren“, sagt er. Nach dem mehr als viertelstündigen Gespräch mit den Bahnexperten stehen die beiden vor der Reihe von 18 Aktenordnern und studieren noch einmal einen Bauplan, der einen Streckenabschnitt im Bereich des Westbahnhofs zeigt, wo das Haus des Paares steht, dass seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

„Offenbar wird es mit dem Lärmschutz zum Ausbau für uns leiser. Aber dafür gibt uns keiner Brief und Siegel“, sagt der Mann. Beim Ausbau des Flughafens hätten die Verantwortlichen die Bürger ja auch nicht vorab über das wahre Ausmaß an zusätzlichem Fluglärm informiert, begründet er seine Skepsis.

Er befürchtet auch, dass mit dem Bahnausbau der Güterverkehr und die Erschütterungen steigen könnten, die derzeit noch gering seien. Der Bahnberater habe zwar gesagt, dass nicht mehr Frachtzüge rollen werden, deshalb sind auch bei diesem Thema die Zweifel des Paares nicht gewichen. Knapp 50 Meter liegt ihr Haus von der Bahnstrecke entfernt. Mit dem Ausbau werde sich der Abstand verringern. Die zwei Gleise würden auf der zum Haus zugewandten Seite der Strecke verlegt. Seit zehn Jahren wohnt das Paar dort. „Wir sind immer davon ausgegangen, dass es mit der Nordmainischen S-Bahn doch nichts mehr wird“, sagt sie.

Wer putzt die Scheiben?

„Die Dimensionen waren uns vorher nicht so bekannt. Wir werden uns erst einmal hinsetzen und das Gehörte verarbeiten“, sagen nach der ausführlichen Besprechung mit einem Bahnexperten zwei Frauen aus Kesselstadt, die ebenfalls ungenannt bleiben möchten. Bei dem Gedanken an die bis zu vier Meter hohen Schallschutzwände beschleicht sie das Gefühl „von der Stadt abgeschnitten zu werden“. Aber auch die Optik stimmt die Frauen kritisch: „Das Bauwerk kann nicht begrünt werden.“ Wenig tröstlich sei auch die Zusage, dass die Wände immerhin verglast würden. „Wer putzt die Scheiben?“ Durch eine dreckige Wand zu sehen, sei keine Lösung.

Unbehagen äußern die zwei Interessentinnen auch bei der Vorstellung, dass die ebenerdigen Gleisquerungen mit Schranken an der Frankfurter Landstraße und am Salisweg bald Geschichte seien werden. Bei Dunkelheit werde man die Unterführungen dort nicht gern benutzen, sagt die eine Frau. Sie habe schon in den 70er Jahre Einwand gegen eine Unterführung an diesen Stellen erhoben, bemerkt sie.

Im Technischen Rathaus am Hessen-Homburg-Platz können die Planungsunterlagen bis zum 7. Oktober zu den üblichen Öffnungszeiten eingesehen werden. Nur wer bis zum 21. Oktober begründet Einwand gegen den Ausbau erhebt, sichert sich laut Stadt Hanau einen späteren Rechtsanspruch.

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