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Hanau „Organisches Wirrwarr“

Merja Herzog-Hellstén ist mit einer Rauminstallation bei den 19. Großauheimer Kunststationen am 18. Juni in Hanau beteiligt. Drei Galerien im Stadtteil machen bei der Veranstaltung mit.

Merja Herzog-Hellstén in ihrer Rauminstallation "Circuit" im Museum Großauheim. Foto: Renate Hoyer

Wie Knoten im Gehirn wirken die kugelförmigen Gebilde aus grauen und roten Kunststoffschläuchen. Ein übergroßes quallenartiges Gebilde mit kraftlos herunterhängenden, verhedderten Tentakeln dominiert die Szenerie. Alles und jedes ist mit eben diesen Schläuchen verbunden, die sich wie krakelige Linien durch den Raum ziehen. „Circuit“ heißt die Installation der finnischen Konzeptkünstlerin Merja Herzog-Hellstén, die von heute an in der Maschinenhalle des Museums Großauheim bis 21. August zu sehen ist – auch als Gegenposition zu der dortigen realen Technik aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. „Circuit“ gehört aber auch zur 19. Großauheimer Kunststationen am Samstag, 18. Juni, an der sich drei Galerien im Stadtteil beteiligen.

„Die Installation stellt ein lebendiges organisches Wirrwarr dar“, sagte gestern die in Hanau lebende Herzog-Hellstén bei der Vorstellung des Kunstwerks. Die aus Kabelschutzschläuchen bestehenden Gebilde symbolisieren die Verwirrungen um die Frage mit welcher Energie wir künftig leben wollen, genauso wie das für die Installation verwendete Material. „Ohne Kunststoffe können Zivilisationen heute nicht mehr überleben. Die Menschen wissen aber auch, wie gefährlich Kunststoffe sind. Wir leben somit in einer extrem schizophrenen Situation“, erläutert Herzog-Hellstén. Allerdings merkte sie an, mit ihren Arbeiten keinen Ausweg aus dem Dilemma bieten zu können. „Ich bin keine Energieexpertin, sondern Künstlerin“, sagte sie.

Gefordert war die Finnin, die ähnliche Installationen bereits 2015 im Kunstverein Gelsenkirchen präsentierte, mit der Räumlichkeit Maschinenhalle des historischen E-Werks. In der Regel platziert Herzog-Hellstén ihre raumgreifenden Installation in leerer Umgebung. Sie habe sich bei der Konzeptionierung für die Großauheimer Installation nicht sicher gefühlt, inwieweit die gewaltige Dampfmaschinentechnik gegen zeitgenössischen abstrakte Kunst konkurriert.

Malerei, Skulpturen und Fotografie

Nach dem Einbau der begehbaren Installation habe sich eine Wechselwirkung zwischen der historischen Technik und der Kunst in Bezug auf das Thema eingestellt. Das Durchschreiten von „Circuit“ ist von Herzog-Hellstén ausdrücklich erwünscht, um diesen Dschungel aus Schläuchen intensiver zu erleben, auch damit Fragen aufblitzen.

Ein Anspruch, den offenbar auch das Kunsthaus Neunauge mit seiner Ausstellung „Open Mind“ zu den Kunststationen erhebt. Dusan Radan und Yochen Schwarz zeigen unter diesem Titel Malerei und Skulpturen. Es handelt sich um zeitgenössische Kunst, die sich zwischen abstrakter und expressionistischer Formensprachen bewegt.

Letzteres präsentiert auch die Galerie Kunstraum 69 mit Malerei von Jutta Winterheld. „Lust auf Landschaft“ lautet der Titel. Die Auflösung der Gegenständlichkeit in ihren Bildern in zumeist kräftigen Farben, öffnet den Raum für eigene Vorstellungen und Gefühle.

Farbe ist hingegen bei der Galerie Fototreppe 42 verpönt, erst Recht bei Andreas Wellmann, der zum drittel Mal dort seine Arbeiten ausstellt. Auch er zeigt Landschaften und betitelt die 30 Schwarzweiß-Fotografien mit „Wales – Der Süden“. Fineart-Photography nennt sich das Genre, in dem Wellmann sich künstlerisch zu Hause fühlt. Tonwerte der Grauskala und analoges Arbeiten bestimmen seine Aufnahmen. Damit der Perfektionist auch alles bis zum finalen Bild unter Kontrolle hat, fertigt er die chemischen, großformatigen Abzüge selbst an.

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