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Hanau Mit 50 darf gefeiert werden

Die Weststadt feiert am 18. Juli ihr 50-jähriges Bestehen. Was damals auf dem Reißbrett geplant wurde, um die Wohnungsnot zu beseitigen, entwickelte sich zu einem Quartier mit wechselvoller und nicht immer einfacher Geschichte. Heute leben hier Menschen aus 40 Nationen.

Der Kurt-Schumacher-Platz ist das Zentrum der Weststadt. Foto: Monika Müller

Wo sich vor mehr als 50 Jahren Kornfelder und Kartoffeläcker an der Peripherie Hanaus bis nach Dörnigheim ausdehnten, stehen heute Hochhäuser, Wohnblocks und Eigenheime. Weststadt nennt sich das Quartier, das westlich von Kesselstadt auf dem Reißbrett entworfen worden war, um mit 3000 neuen Wohnungen für 10 000 Menschen die Wohnungsnot „endgültig“ zu beseitigen, wie der damalige Oberbürgermeister Herbert Dröse (SPD) selbstbewusst behauptete.

Die Hoffnung, dass die Mischung von gutbetuchten Eigentümern und Mietern mit schmalem Geldbeutel zu einem guten sozialen Miteinander führen würde, erfüllte sich zwar in der Anfangszeit. Doch später gab es Probleme, auch weil Familien fortzogen und sich geballt nicht besonders integrationswillige Spätaussiedler aus dem ehemaligen Ostblock in der Weststadt niederließen.

Der Ruf des Viertels litt. Angesichts dieser wechselhaften Entwicklung wird ein wenig verständlich, dass es fünf Jahrzehnte dauerte, bis die Weststädter fanden, es sei nun mal Zeit für ein Jubiläumsfest, um „diese erfolgreiche Zeit gebührend zu feiern“, wie die Organisatoren schreiben.

Gefeiert wird am 18. Juli in der Grünanlage zwischen Dresdener Straße und Memeler Weg unter dem Motto „Gemeinschaft und Vielfalt = Zusammenhalt“. Das Logo mit diesem Slogan haben Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Schule konzipiert. Besser und treffender könne man dieses Ziel auch für die Zukunft des Stadtteils nicht formulieren, sagte der stellvertretende Ortsvorsteher Hans Burster (CDU) am Montagabend bei einer Pressekonferenz.

Ortsvorsteher Reinhold Schreiber (SPD) sagte, er sei froh, dass fast alle Vereine und Institutionen aus Kesselstadt sich beteiligten. Offensichtlich gilt das auch heute noch nicht als Selbstverständlichkeit, obwohl die Weststadt Bestandteil des Stadtteils Kesselstadt ist. Immer noch scheint zwischen beiden Quartieren eine unsichtbare Trennlinie zu existieren. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) sagte, er hoffe, dass zum 75. Jubiläum der „mentale Riegel“, den die Burgallee darstelle, dann nicht mehr existiere.

Das Festprogramm am 18. Juli reicht von Live-Musik, Tanz und Sportdarbietungen bis hin zu Kinder-Mitmachangeboten und der Ausstellung „50 Jahre Hanau Weststadt“. Vereine und Organisationen werden an Ständen über ihre Arbeit informieren. Auch bei den Speisen soll sich die Internationalität der Weststadt, in der heute 8 000 Menschen aus 40 Nationen leben, widerspiegeln.

Der Ortsvorsteher meinte, die Weststadt sei heute auch dank der Arbeit des Stadtteilbüros und des Jugendzentrums auf einem guten Weg. Er bedauerte, dass die einst so negativen Darstellungen über das Viertel bis heute in den Köpfen der Menschen seien. Schreiber, der selbst in der Weststadt wohnt, sagt, er lebe gerne dort. Wenn er abends über den Kurt-Schumacher-Platz gehe und Jugendliche im Weg stünden, habe er noch nie etwas Negatives erlebt. „Ich sage denen, sie sollten den alten Mann mal durchlassen. Und das funktioniert“, sagt er.

Aber Schreiber räumt auch ein, es bleibe eine „Mammutaufgabe“, alle Nationalitäten unter einen Hut zu bringen. Er findet, dass das heute ganz gut gelingt. Schreiber wünscht sich ebenfalls, dass beide Quartiere ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln. Doch das wird wohl noch dauern. Als der Ortsbeirat einen Vorstoß in dieser Richtung unternahm, bekam er zu hören: „Habt Ihr was gegen die Weststadt?“ Vielleicht liegt Kaminsky mit seiner Prognose nicht falsch, dass es 25 Jahre dauern wird, bis sich alle als Kesselstädter verstehen.

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