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Hanau Kicken gegen rechts

Der Ausländerbeirat initiiert ein Turnier und benennt die Veranstaltung nach dem verunglückten Mustafa Alptug Sözen.

Hallenfußballturnier
Der Siegerpokal trägt das Bild des verunglückten 17-jährigen Mustafa Alptug Sözen. Foto: Michael Schick

Plötzlich war es mucksmäuschenstill in der Halle des Fußballparks. Die Schweigeminute vor dem Turnierankick am Samstag sollte nicht das einzige Gedenken an Mustafa Alptug Sözen bleiben. Zuvor hatte der Ausländerbeirat der Stadt Hanau bereits beschlossen, das erstmals von diesem Gremium ausgetragene Hallenfußballturnier dem 17-jährigen Hanauer mit türkischen Wurzeln zu widmen.

Mustafa Alptug Sözen ist auf dem Heimweg von seinem Praktikum in der Frankfurter S-Bahn-Station „Ostendstraße“ am 13. November ums Leben gekommen, als er einen hilflos im Gleisbett liegenden Obdachlosen retten wollte. Weil in der Station mutmaßlich kein Nottelefon und keine Videoüberwachung installiert sind, konnte ein einfahrender Zug nicht rechtzeitig gestoppt werden. Der Hanauer war auf der Stelle tot, ein zweiter Helfer erlitt Verletzungen.

„Auch den Wanderpokal haben wir nach Alptug benannt, für immer und ewig“, sagt Mustafa Kaynak, Mitglied des Ausländerbeirats. Auf dem Deckel des gewaltigen Pokals ist ein Foto von dem jungen Mann aus dem Freigerichtviertel in ein Medaillon eingearbeitet worden. Mustafa Alptugs Eltern überreichten dem Turniersieger den Pokal.

Die Idee für ein Hallenturnier ist im Sommer aufgekommen, sagt Kaynak. Mit dem Turnier sollte ein Zeichen gegen Fremdenhass und Rassismus gesetzt werden, der in dieser Zeit vor allem von der AfD und rechten Organisationen geschürt werde. „Kick gegen rechts“ war schnell als Titel gefunden. Als Kooperationspartner für die Organisation fand sich der Fußballverein Türk Gücü Hanau. Zwölf Hobbyteams aus dem Rhein-Main-Gebiet meldeten sich. „In den Mannschaften spielen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen“, sagt Hüsamettin Darici, Pressesprecher von Türk Gücü.

Kick gegen rechts

Nachdem das Turnier nach dem verunglückten 17-Jährigen benannt worden ist, soll „Kick gegen rechts“ dennoch im Untertitel erhalten bleiben, sagt Kaynak. „Ich verstehe nicht, dass die AfD bei der Landtagswahl im Herbst in Hanau mehr als 16 Prozent der Stimmen erhalten hat“, sagt Kaynak.

In Hanau gebe es ein normales Zusammenleben vieler Nationen. „Wir leben oft in vierter Generation in der Stadt und wollen auch weiterhin friedlich hier miteinander leben. Dazu müssen aber alle Bürger beitragen“, sagt Kaynak. Menschen mit Migrationshintergrund seien in Hanau zudem längst nicht mehr nur Arbeitnehmer, sondern auch zu Arbeitgebern geworden. „Wichtig ist doch nicht die Herkunft eines Menschen, sondern seine Taten.“

Die selbstlose Hilfe von Mustafa Alptug Sözen habe dies auf traurige Weise verdeutlicht, so Kaynak. An den Getöteten soll nicht allein in Frankfurt in einer noch nicht festgelegten Form dauerhaft öffentlich erinnert werden, sondern auch in Hanau. „Es soll ein zentraler Ort sein.“ Den im Sommer eröffneten Limespark, der in der Nähe des Wohnhauses von Mustafa Alptug Sözen liegt, umzubenennen, sei möglich. Aber der befindet sich am Rande der Innenstadt.

Der Ausländerbeirat begrüßt auch den Vorschlag der Politik und von Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), die berufliche Ludwig-Geißler-Schule umzuwidmen. Es laufen noch Gespräche, heißt es. „Letztlich sollen die Eltern von Alptug entscheiden, wo und wie ihres Sohns gedacht wird.“ Sicher ist bereits: Der Hanauer Ausländerbeirat wird sich der Initiative des Frankfurter Gremiums anschließen, um Mustafa Alptug Sözen für das Bundesverdienstkreuz vorzuschlagen.

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