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Hanau Jugendplenum zu Gewalt

Beim Jugendplenum mit dem provokativen Titel "Abgerippt, aufs Maul gehauen, dumm angemacht" treffen in Hanau unterschiedliche Ansichten auf einander. Gefordert werden mehr Angebote für Jugendliche.

Gefragter Gesprächsgast auf dem Podium, Polizeijugendkoordinator Randolph Schwenke (links). Foto: Renate Hoyer

Stress mit Gleichaltrigen auf der Straße und Mobbing in der Schule bildeten die Themenschwerpunkte am Samstag im Jugendplenum. Rund 80 vorwiegend junge Besucher kamen zu der Veranstaltung in das Jubikuz Hans-Böckler-Haus. „Abgerippt, aufs Maul gehauen, dumm angemacht“ lautete der Titel provokativ. Nach einem schleppenden Start nahm die Diskussion an Fahrt auf.

Auf dem Podium saßen Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD), Randolph Schwenke, Jugendkoordinator der Polizei, und Präventionsbeauftragte Andrea Pillmann sowie Hasan-Ahmed Özenc, Initiator der Aktion „Hanau sagt Hallo“ und Mehmet Seyitoglu, der als Rapper Azzi Memo in der Stadt bekannt ist. Dominique Marci moderierte.

„Der Veranstaltungstitel klingt mir zu plakativ und macht Hanau schlimmer als es ist“, kommentierte Schwenke die Situation. Die Kriminalitätsrate sei in den vergangenen Jahren um 20 Prozent geschrumpft. Der Mann in der Uniform bemerkte: „Im Vergleich zu Offenbach und Frankfurt lernt man Hanau schätzen.“ Seit mindestens fünf Jahren sei es in der Grimmstadt zu keiner schweren Körperverletzung bei Auseinandersetzungen unter Jugendlichen gekommen. In diesem Zusammenhang berichteten junge Besucher über ihre persönliche Deeskalationsstrategie, wenn Gleichaltrige provozieren oder ältere Leute argwöhnisch werden.

Mehr Angebote für Jugendliche gefordert

„Statistik ist Statistik, die Wahrheit sieht anders aus“, hielt Rapper Mehmet Seyitoglu entgegen. „In Hanau passieren viele Dinge, die verschwiegen werden“, sagte er in der aufkommenden Alles-ist-gut-Stimmung. Der Musiker berichtete hierzu von seiner Biografie: Wie er und seine Familie „direkt vom Asylantenheim in einen Hochhausblock“ in der Schwarzenburgstraße zogen; wie Mehmet als ältestes Kind die Verantwortung tragen musste, eine Zeit lang als Dolmetscher für die Eltern bereit zu stehen und wie er danach als Schüler in eine Leere fiel und deshalb „Scheiße baute“.

Er forderte wie einige Personen im Publikum mehr Angebote, wie sie etwa im Lamboypark mit dem Spielhaus gemacht werden und Musikprojekte wie die des Internationalen Bundes (IB). Ohne solche Programme könnten Jugendliche die falschen Bekanntschaften machen, die nicht selten die Gewalt in ihrem Elternhaus selbst ausüben, so Seyitoglu. Özenc schlug zudem vor, für Projekte Menschen mit entsprechenden Hintergrund und Sprachkenntnissen einzustellen.

Wenige städtische Musikprojekte und kein Raum dafür wie die einstige Schweinehalle lautete die Kritik von Gästen an Sozialdezernent Weiss-Thiel. Der betonte zwar, dass es Musik-Workshops wie beim IB im Jubikuz gebe, die ruhten jedoch wegen Mutterschaftsurlaub zweier Mitarbeiterinnen. „Die Stadt tut was, aber wahrscheinlich nicht genug“, sagte er.

Dass mussten die Besucher auch in Sachen Investition für Minderjährige feststellen. Ein junger Mann bat, die Stadt solle endlich den Spielplatz im Freigerichtviertel bauen. Fünf Jahre warteten die Anwohner darauf. Weiss-Thiel räumte ein, Hanau habe auf Geld vom Bund gesetzt, vergeblich. Jetzt soll mit Geld von der Kathinka-Platzhoff-Stiftung der Platz gestaltet werden.

Im Plenum kam auch zutage, dass sich Gewalt unter Jugendlichen verstärkt auf das Mobbing verlagert hat. Acht Gäste gaben zu, schon gemobbt worden zu sein. Einige Betroffene berichteten, dass es mit Körperverletzung vergleichbar sei. Ob man sich als Opfer an die Polizei wenden könne, lautete eine Frage. „Wir kommen in die Schule und drohen den Tätern mit einem Strafverfahren. Dann ist das Mobbing beendet“, sagte Polizeikoordinator Schwenke.

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