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Hanau Jagdschlösschen mit Pflegebedarf

Das historische Forstamt im Wald von Hanau-Wolfgang wird für 750.000 Euro komplett saniert.

Forsthaus Wolfgang
1715 erbaut: Das einstige Jagdschloss, denkmalgeschützt, wird saniert. Foto: Renate Hoyer

Ein Scheppern in kurzer Folge durchbricht die Ruhe. Handwerker werfen treffsicher die roten Dachschindeln aus dem zweiten Obergeschoss in einen Container. Der wohl mithin schönste Arbeitsplatz auf Hanauer Gemarkung wird saniert, das Jagdschlösschen im Wolfgänger Wald. Die Forstverwaltung hat derweil ein Ausweichquartier in Erlensee auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts aufgeschlagen.

Forstamtsleiter Christian Schaefer hofft, dass seine Dienststelle, zu der auch mehrere Revierförstereien gehören, spätestens in einem Jahr wieder in das Gebäude zurück kann. Der Waldladen ist von der Instandsetzung nicht betroffen.

Reinhard Philipp III. ließ das Gebäude 1715 errichten, das nur wenige Hundert Meter von dem im Bauernkrieg zerstörten Kloster steht. Der letzte Hanauer Graf lud bei der Jagd in der Bulau die Gesellschaften zur Rast in das Schlösschen ein. Obwohl das Gebäude heute noch adrett zwischen Waldlichtung und Forstsiedlung steht, hat die lange Nutzung als Verwaltungssitz ihre Spuren hinterlassen. 1868 wurde dort unter preußischer Verwaltung eine Oberförsterei eingerichtet. Heute ist es die Dienststelle des Forstamts Hanau-Wolfgang. Wie oft das Haus seitdem umgebaut und saniert worden ist, lässt sich laut Schaefer nicht mehr feststellen. Vor knapp 30 Jahre wurde es letztmalig modernisiert, neue Fenster und Heizungstechnik sowie an die Wände geschraubte Kabelschächte kamen hinein. 

Was an historischer Substanz im Inneren vorhanden ist, soll erhalten oder wiederhergestellt werden - nach Übereinkunft mit dem Denkmalamt. Der neuzeitliche Holzfußboden wird herausgerissen. „Dann werden wir sehen, ob sich darunter noch ein schöner alter Dielenboden befindet, der wieder aufbereitet werden kann“, so Schaefer. Auch die Stufen der Originaltreppe sollen von ihrer nachträglichen Beplankung befreit werden, die selbst schon so schief liegt wie vermutlich die ursprünglichen Trittbretter darunter. Verschwinden soll zudem die irgendwann angebrachte Gipsverschalung an der Unterseite der Treppe.

Auf jeden Fall erhalten bleiben die Türen mit ihren Rippelglaseinsätzen, den Kassetten im Rahmen und dem hölzernen, mehreckigen Blendsturz darüber. Vermutlich wurden die Türen zur Zeit des Jugendstils eingebaut. Ebenso soll der Terrazzo-Boden im Eingangsbereich wiederhergestellt werden.

Wann das Fenster im ersten Stock an der Nordfassade zugemauert wurde, ist unbekannt. Es soll nun geöffnet werden. Entdeckt wurde es bei der Bauuntersuchung in einem Raum, dort ist alles bis auf das Fachwerk und dessen Füllung entfernt worden. Laut Schaefer war es einst üblich, dass der Förster über seiner Dienststelle wohnte. Der um ein Fenster reduzierte Raum war offenbar das Schlafzimmer.

Ob das Schlösschen auch künftig im blassen Gelb neben hohem Blatt- und Nadelgehölz stehen wird, soll im Zuge der Sanierung festgelegt werden. „Bei der Untersuchung der vielen Farbschichten auf der Fassade kann der einstige Farbton zum Vorschein kommen“, sagt Schaefer. Persönlich findet er jedoch das Blassgelb sehr passend.

Die Raumaufteilung bleibt mit der Sanierung weitgehend beibehalten. Im Parterre wird jedoch bei zwei Zimmern die Trennwand herausgenommen, um einen Besprechungsraum zu schaffen, der barrierefrei erreicht werden kann. Die Büros im ersten Obergeschoss und unter dem Mansardendach werden auch weiterhin nur über Stufen zu erreichen sein. Ein Aufzug – ein- oder angebaut – sei aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich, so Schaefer. Aber auch die Kosten sprächen dagegen. Hessen-Forst hat für die Sanierung rund 750 000 Euro in den Etat gestellt. Trotz Bauvoruntersuchungen seien Überraschungen nicht auszuschließen, heißt es.

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