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Hanau Homosexueller kämpft gegen seine Abschiebung

Adnan aus Pakistan sucht in Deutschland Asyl. In seiner Heimat droht ihm Verfolgung wegen seiner Homosexualität. Doch das Verwaltungsgericht in Frankfurt kommt zu einem anderen Urteil.

Der Mullah aus Adnans Dorf hatte ihn in einer Predigt für vogelfrei erklärt: Ein Mann liebt einen Mann - für den Geistlichen eine Todsünde. Spätestens ab da wurde Adnans Leben von „Angst und Ausgrenzung“ erstickt, erzählt er. Sein Vater sagte: „Wir wollen nicht mehr mit Dir an einem Tisch sitzen.“ Und sein Bruder, ein Polizist, richtete eines Tages seine Waffe auf Adnan. Die Mutter ging dazwischen und wurde an der Schulter verletzt. Sie hatte sich noch nicht erholt, da gab sie Adnan Geld für die Flucht. Er ging nach Deutschland - und will nie mehr zurück nach Pakistan: „Wenn ich abgeschoben werde, weiß ich nicht, wie ich weiterleben soll.“

So schildert der Mann, der nun in Hanau wohnt, die Zeit vor seiner Flucht und seine jetzige Gefühlslage. In Wirklichkeit heißt er anders, der Name Adnan soll ihn schützen, weil es auch in der städtischen Gemeinschaftsunterkunft Leute gibt, für die Homosexualität ein Verbrechen ist. Dort muss er sich ebenfalls verstellen, genauso wie er es in Pakistan getan hatte, bis seine Beziehung zu einem Mann bekannt wurde.

Adnan kämpft gegen seine Abschiebung und wird dabei vom Verein Queer Hanau und der Frankfurter Gruppe Rainbow Refugees unterstützt, die sich für homosexuelle Geflüchtete einsetzen. Weil ihm in seiner Heimat Verfolgung und Tod drohen, hat Adnan 2015 einen Asylantrag gestellt.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lehnte diesen jedoch ab, die Klage dagegen vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt scheiterte ebenfalls. Das Gericht folgt im Wesentlichen dem Bamf und schreibt, „dass es zwar eine soziale Ausgrenzung Homosexueller in Pakistan gibt und Homosexualität zudem unter Strafe steht, homosexuelle Handlungen aber vom Staat tatsächlich praktisch nicht verfolgt werden“.

Als Beleg wird ein Bericht des Auswärtigen Amtes genannt. Zudem habe der Kläger keinen Kontakt mit staatlichen Behörden gehabt, sondern „lediglich Schwierigkeiten mit seiner Familie und radikalen Muslimen“, heißt es in der Begründung. Den Problemen könne er „durch Verlagerung des Wohnsitzes“ entgehen. Insbesondere in den pakistanischen Millionenstädten sei es möglich, homosexuell zu leben, besonders „wenn er dies nicht offen zur Schau trägt“.

Adnan war über einen Flyer auf das Beratungsangebot von Queer Hanau aufmerksam geworden. Jetzt kämpfen sie gemeinsam dafür, dass die Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts zugelassen wird. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie dankbar ich für diese Hilfe bin“, sagt der Mann, der in einem Restaurant arbeitet.

Der Geflüchtete und seine Mitstreiter kritisieren, dass das Gericht „völlig einseitig“ die Sicht des Bamf übernommen, andere Quellen ignoriert habe und die Anhörung nur fünf Minuten gedauert habe. Anders als das Bundesverwaltungsgericht in einer Leitentscheidung fordere, habe der Richter den Sachverhalt „allenfalls holzschnittartig“ gewürdigt. Hätte er das „persönliche Verfolgungsschicksal“ und die Situation der Homosexuellen in Pakistan angemessen betrachtet, hätte Adnan Flüchtlingsschutz bekommen, erklärt Adnans Anwalt.

Adnans Seite argumentiert mit Dossiers des britischen Innenministeriums und der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Diese berichten von gewalttätigen Übergriffen - auch in Metropolen - und Morden an Homosexuellen, welche durch mediale Aufrufe zu Gewalt gefördert worden seien. Außerdem, so David Faubel von Queer Hanau, werde die Strafbarkeit von Homosexualität in Pakistan benutzt, um zu drohen und zu erpressen, auch von Polizisten. Homosexuelle würden Übergriffe deshalb meistens nicht anzeigen. Und in einigen Fällen seien tatsächlich Freiheitsstrafen für homosexuelle Handlungen verhängt worden. Staatliche Verfolgung existiere also tatsächlich.

Adnan und seine Unterstützer wollen „alle Rechtsmittel ausschöpfen“, damit er bleibt, sagt Faubel. Der Fall habe Präzedenzcharakter und eine „grundsätzliche Bedeutung“ für viele homosexuelle Asylsuchende.

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