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Hanau Hohe Ehrung für Ilse Werder

Die ehemalige FR-Redakteurin erhält zum 85. Geburtstag die August-Gaul-Plakette - die höchste Auszeichnung der Stadt. Mitgegründet hat sie den Kulturverein, das Archiv Frauenleben, den Verein Frauen helfen Frauen, das Frauenhaus, die Verbraucherberatung und pro familia.

19.10.2010 10:33
Ute Vetter
Ilse Werder vor dem Elisabeth-Selbert-Saal im Rathaus. Zu ihrem 85. Geburtstag am Donnerstag ist die Hanauer Pazifistin und Feministin jetzt ausgezeichnet worden. Foto: Rolf Oeser

Streitbar und arbeitswütig, neugierig und forschend war sie schon immer, die ehemalige Journalistin und bekannte Publizistin Ilse Werder. Und dabei bescheiden. Die Feministin und Pazifistin feiert am kommenden Donnerstag ihren 85. Geburtstag. Und erhält am Samstag im Schloss Philippsruhe aus den Händen von Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) mit der August-Gaul-Plakette die höchste kulturelle Auszeichnung der Brüder-Grimm-Stadt. Diese soll ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement für Kultur- und Frauenvereine in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis würdigen.

Sie erhielt bereits den Kreis-Kulturpreis, die Medaille für Heimatpflege und Geschichtsforschung, die Hanauer Bürgerplakette und das Bundesverdienstkreuz. Sie war unter anderem Mitbegründerin des Hanauer Kulturvereins, des „Archivs Frauenleben im Main-Kinzig-Kreis“, des Vereins „Frauen helfen Frauen“ und damit des ersten Frauenhauses in Hanau. Auch die einstige Verbraucherberatung und die Beratungsstelle pro familia gründete sie mit.

Was hat die ehemalige Redakteurin der „Frankfurter Rundschau“ nicht schon alles an Preisen erhalten! Zum Abschluss der Ausstellung „20 Jahre Archiv Frauenleben im Main-Kinzig-Kreis“ in diesem Jahr verlieh Landrat Erich Pipa (SPD) der gebürtigen Kasselanerin den Ehrenbrief des Main-Kinzig-Kreises. „Sie ist eine kämpferische Frauenrechtlerin, die sich in der Friedens- und Kulturpolitik einen Namen gemacht hat“, lobte er.

20 Jahre lang prägte sie die Frankfurter Rundschau in Hanau

Ilse Werder, 1925 in Kassel geboren, startet ihre journalistische Arbeit 1947 bei den „Hessischen Nachrichten“. 1958 zieht sie mit ihrem Mann nach Frankfurt und arbeitet in dessen Anwaltspraxis mit. Nach einem familiären Unglück zieht sie allein mit den vier Kindern nach Hanau. Hier begründet sie 1967 die Lokalredaktion der Frankfurter Rundschau. Sie wird 20 Jahre lang diese Zeitung prägen. Schon 1951 SPD-Mitglied geworden, engagiert sie sich für Sozialpolitik, Frauenfragen, die Friedensbewegung, Kulturpolitik und Umweltthemen.

1987 zieht sie in ein Bauernhaus im 250-Seelen-Dörfchen Katholisch-Willenroth. Doch Ruhe ist nicht ihre Sache: 1991 eröffnet sie auf dem Hof „Werder’s Kulturscheune“, organisiert neben allerlei Kulturevents auch Bauern- und Kunsthandwerkmärkte. 15 Jahre lang bietet sie Lehrwanderungen zu Pilzen und Kräutern an. Vor zwei Jahren zog sie zurück nach Hanau, ihr Bauernhaus steht zum Verkauf. „Ich schätze das Leben in Hanau, die gute Versorgung und die kurzen Wege – man wird älter“, sagt sie einmal lächelnd.

Die Frauen sollten in den Hexenturm

Dass sie einmal ein Buch über die Hexenverfolgung im Main-Kinzig-Kreis schreiben würde, wusste sie schon früh. Doch dass ihr der ehemalige Gelnhäuser CDU-Stadtrat Jürgen Degenhardt vor vielen Jahren bei der Suche nach Räumen für das Archiv Frauenleben im Main-Kinzig-Kreis in einem amtlichen Brief vorschlug, „wir möchten uns doch in den Gelnhäuser Hexenturm als den geeigneten Ort begeben“, erschütterte Werder doch. „Er hat damit ein klassisches Beispiel für die Ignoranz und den jahrhundertelang verächtlichen Umgang mit Fraueninteressen geliefert“.

Genauso gut erinnert sie sich gemeinsam mit ihrer langjährigen „Kampfgefährtin“ Rotraud Schäfer , der Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Archiv Frauenleben im Main-Kinzig-Kreis“ an 20 Jahre mühsame Arbeit, unterstützt nur von etwa 15 Vertreterinnen der Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre. „Wir wollten Geschichte und Politik aus der Perspektive weiblichen Erlebens beurteilen können“. Ein vollständiges Geschichtsbild müsse gerecht sein, der Anteil der Frauen an der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung einer Region dürfe nicht verschwiegen werden.

Ilse Werder und ihre Mitstreiterinnen schrieben bisher zehn Bücher, das jüngste etwa über das harte Los der Tabakarbeiterinnen im Main-Kinzig-Kreis. Hinzu kommen etliche Ausstellungen, darunter die jüngste „30 Jahre Hanauer Land im Elsass“ im Schloss Philippsruhe . Zwar brach sie sich kurz vor der Vernissage zu Hause eine Schulter – aber ein Ende ihres Engagements ist noch nicht abzusehen. Wie schön!

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