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Hanau Geld für das Künstlerhaus

Das Atelier der renommierten Steinheimer Bildhauerfamilie Busch in Hanau wird zwei Jahre nach dem Tod des letzten Künstlers Peter Paul Busch saniert.

Klara Busch, Tochter des Bildhauers Peter Georg Busch, schaut sich die sanierungsbedürftige Werkstatt an. Foto: Monika Müller

Der Mann von Hessen-Lotto ließ seine Begeisterung ungebremsten Lauf, sprach von einem „Schmuckstück“ und einem „Schätzchen“, nachdem er durch die Werkstatt der einstigen renommierten Bildhauerfamilie Busch gegangen war. In Episoden ist dort die Zeit stehen geblieben, die letzte Episode endete 1999 mit dem Tod von Peter Paul Busch, dem letzten Künstler aus der bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Bildhauerlinie, die sich besonders in der Kirchenkunst hervorgetan hatte.

Klaus Peter Möller, Bezirksleiter bei Hessen-Lotto, war jedoch nicht nur zum Staunen gekommen. Er und Hans Dohm, vom Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) überbrachten Klara Busch, Mitglied der Busch-Platz-Stiftung, einen symbolischen Scheck in Höhe von 80 000 Euro, zur Sanierung des Künstlerhauses. Das Geld stammt aus einem Teil des staatlichen Glücksspiels, das die DSD verteilt.

600 000 Euro Kosten

Dicke Staub- und Holzmehlschichten umgeben die Putti, Engel oder Kirchengelehrte aus Gips und Ton. Die Werktische zeigen sich überbeladen mit alten Werkzeugen, Hölzern und anderen Materialien oder mutmaßlich halbfertigen Arbeiten. Hier und dort türmen sich Kisten und Kartons. Ein Werkstattstillleben, das in den nächsten Jahren zumindest in dieser chaotischen Form verschwinden soll. Nachdem im Jahr 2014 mit der Sanierung des anschließenden Wohnhauses der Bildhauerfamilie Busch begonnen worden ist, sollen nun die ersten Arbeiten am 1893 an das ehemalige Wirtshaus gebaute Atelier erfolgen. Mit der Förderung durch die DSD sollen Maler- Putz- und Lehmarbeiten finanziert werden. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte bereits einen Zuschuss in Höhe von 60 000 Euro zugesagt.

Nach einer zwei Jahre zurückliegenden Schätzung werden sich die Instandsetzungskosten für das denkmalgeschützte Künstlerhaus auf 600 000 Euro (für das Wohnhaus in gleicher Höhe) belaufen. Bis zu 20 Bildhauer, Schreiner und Kunsthandwerker wie Vergolder arbeiteten zu Hochzeiten in dem Atelier, an dem noch eine Holzwerkstatt und ein Maschinenraum steht, wo einst eine Dampfmaschine Sägen und anderes Gerät antrieb.

Das aus Ziegelsteinen gebaute Künstlerhaus, dessen hohe Bogenfenster aus der Steinheimer St. Nicolaus stammen, die 1892 abgerissen wurde, soll nach der Sanierung wieder einen Teil seiner ursprünglichen Funktion zurückerhalten. Zum einen als Ausstellungsraum, zudem als Arbeitsstätte für Bildhauer- und Restauratorennachwuchs, sagt Klara Busch. Eine Museumswerkstatt sei wichtig, „damit das aussterbende Restauratorenhandwerk möglichst lange erhalten bleibt“, so Busch.

Vier Künstlergenerationen

Unzählige Kirchen wurden von den vier Busch-Generation von 1862 bis 1999 ausgestattet. Allein Gründer Georg Busch (1862–1943) werden sieben Bischofsdenkmäler und rund 25 Altäre zugewiesen. Aus einer späteren Zeit stammt etwa der Hochaltar der Bad Homburger Marienkirche, der 1910 von Jakob und Joseph Busch geschaffen wurde. Für eine Kirchenkanzel aus Keramik erhielten die Buschs bei der Weltausstellung in Paris (1900) eine Goldmedaille.

Das ehemalige Wohnhaus der Buschs in der Steinheimer Vorstadt zeigt sich nach zwei Jahren Sanierung hingegen wieder in einem sehr guten Zustand, mit frischem Blassgrün auf dem Putz und neuen Schindeln auf dem Dach. Lediglich an der Fassade über dem Schaufenster des Ladens, wo die Buschs kleinere Kirchendevotionalien verkauften, klaffen noch Wunden im Putz. Laut der baubegleitenden Architektin Alexander Vydra seien dort problematische Wärmebrücken zu bearbeiten.

Noch viel zu tun gibt es im Gebäude. Installations-, Schreiner und Renovierungarbeiten zählt Vydra auf. Vermutlich Mitte nächsten Jahres kann das Haus wieder bezogen werden. Dort sollen bis dahin zwei Wohnungen und Räume für die Busch-Platz-Stiftung entstehen sowie das Ladengeschäft nutzbar gemacht werden. Wer dort einziehen wird, ist bislang noch unklar, heißt es.

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