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Hanau Fair und nachhaltig

Seit zehn Jahren trägt der Weltladen in der Hanauer Innenstadt zu einem gerechteren Handel bei, und die Stadt strebt das Fair-Trade-Siegel an

Hanau. Weltladen. TAGESHONORAR
Die Weltladen-Mitarbeiter Christel Nolte, Wolfram Krause und Rita Lukosch achten auch auf eine schöne Präsentation der Produkte. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

Warum es so wichtig ist, sich für faire wirtschaftliche Bedingungen und Preise stark zu machen, erkannte Wolfram Krause spätestens bei seinem ersten von zwölf Besuchen in Nicaragua: „Ich sah, wie Menschen in einem eigentlich gut ausgestatteten Land hungern und leiden müssen, weil sie ausgebeutet werden. Wir müssen unseren Beitrag leisten, um dem entgegenzuwirken“, sagt der 74-Jährige. Als früherer Lehrer der Bruchköbeler Heinrich-Böll-Schule engagierte er sich früh in der dortigen Nicaragua AG. Und seit achteinhalb Jahren arbeitet er mit derzeit 25 Kolleginnen ehrenamtlich im Hanauer Weltladen.

In diesem Jahr feiert das Geschäft – das mit den Weltläden in Großauheim und Gelnhausen in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammenarbeitet – sein zehnjähriges Bestehen. Der rund 50 Quadratmeter große, wenige Schritte vom Marktplatz entfernte Laden bezieht die meisten seiner Waren von den großen Fair-Handelsunternehmen, darunter Gepa, El Puente, dwp. Diese schulen die Mitarbeiter auch. „Wir sind im Laufe der Jahre professioneller geworden“, so Krause. Zudem wurde das Sortiment erweitert. „So gab es früher nur ein bis zwei Sorten Kaffee aus Nicaragua, heute sind es fast zehnmal so viele.“ Auch wenn schon zu Beginn neben Lebensmitteln vieles andere verkauft wurde, ist die Auswahl größer geworden, etwa bei Schmuck, Kleidung, Taschen oder Haushaltswaren. Zum Angebot gehört auch Außergewöhnliches, etwa Schmuck aus Papier. Die Mitarbeiter würden gerne noch mehr anbieten, aber dafür fehlt es an Ladenfläche. Und ein Umzug in größere Räumlichkeiten ließe sich schwer finanzieren.

Die Qualität der fairen Produkte, die ansprechend präsentiert werden, ist hoch; die Stammkunden schätzen die Auswahl und Beratung. Doch leicht hat es der Weltladen nicht. Zuletzt ist der Umsatz zurückgegangen. Krause führt dies zum einen darauf zurück, dass das Forum Hanau den Kundenstrom anders lenkt, so dass der Weltladen weniger Laufkundschaft hat. Zum anderen hätten mittlerweile mehr Geschäfte Fair-Trade-Ware – allerdings nicht in diesem Umfang.

Krause und seine Mitstreiter, die sich über weitere, jüngere Ehrenamtliche freuen würden, lassen sich von den schwierigeren Rahmenbedingungen nicht schrecken. Sie sind nicht nur im Geschäft präsent, sondern auch mit Ständen bei Veranstaltungen und informieren in Schulen. Jugendliche „für das Thema sensibilisiert zu haben“, zählt Krause zu den wichtigsten Erfolgen.

„Wir sind immer auf der Suche nach Kooperationen.“ Diese sollen in Zukunft verstärkt werden. Kürzlich hat der Weltladen die jungen Betreiber von „Ellis Café & Bistro“ am Johanneskirchplatz als Partner gewonnen, die jetzt Produkte abnehmen.

Der Laden wird für die Stadt Hanau, die hier auch einkauft, ein Argument sein, wenn sie sich auf den Weg macht, Fair-Trade-Stadt zu werden. Dies will Anja Zeller (Grüne), Leiterin der Stabsstelle für nachhaltige Strategien, vorantreiben. Erlensee und Rodenbach sind zertifiziert, der Main-Kinzig-Kreis, Maintal, Großkrotzenburg, Nidderau bemühen sich. Damit Hanau das Siegel erhält, benötigt es unter anderem 20 Geschäfte, zehn Gastronomen und einen Sportverein, die mindestens zwei Fairtrade-Produkte im Angebot haben. Darüber hinaus braucht es einen parlamentarischen Beschluss, fairen Handel zu fördern, und eine Steuerungsgruppe für die Aktivitäten. Nicht zuletzt müssen öffentliche Einrichtungen entsprechende Waren anbieten. Hanau erfüllt einen Teil dieser Kriterien bereits. So wird etwa im Rathaus fairer Kaffee ausgeschenkt, zudem verbietet die Friedhofssatzung Grabsteine aus Kinderarbeit. Doch es ist noch einiges zu tun. Die Stadt hatte vor einigen Jahren erste Schritte zur Fair-Trade-Stadt unternommen, doch die Pläne für die Zertifizierung versandeten zunächst, auch wegen des Stadtumbaus.

Zeller hält das Engagement auf kommunaler Ebene für besonders wichtig: „Die UN oder die EU können viel beschließen, aber umsetzen müssen es die Städte und Gemeinden“, sagt Zeller und fügt hinzu: „Neben den Anforderungen für das Siegel möchten wir weitere Fairtrade-Projekte anstoßen. Jeder Einkauf ist eine politische Entscheidung, die Nachhaltigkeit fördern kann.“

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