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Hanau Fahren ohne Abgase

Das Projekt für Brennstoffzellen-Autos hat begonnen. Das Land unterstützt die Kommunen beim Kauf von Elektrobussen.

Wenn das mal kein ungünstiges Omen ist: Zuerst wusste der hessische Umwelt- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nicht, in welchen der sieben Renault Kangoos er einsteigen sollte. Als diese Frage geklärt war, fehlte der Autoschlüssel. Auf dem Gelände des Industrieparks Wolfgang bei Hanau begann gestern das Projekt „H2anau – Wasserstoff bewegt“.

 Beteiligt sind fünf Unternehmen und die IHK. Das Projekt zur Erprobung der Brennstoffzellen in Elektrofahrzeugen wird mit 700 000 Euro über drei Jahre von der EU und dem Land Hessen gefördert. Der Anteil des Landes beträgt 274 000 Euro. Aus dem Gesamtbetrag wird die Anschaffung der sieben umgebauten Lieferwagen und der Bau einer Wasserstofftankstelle im Industriepark finanziert.

Al-Wazir bezeichnete es als wichtig, alle Alternativen zum Verbrennungsmotor auszuloten und kein Technologie vorzeitig abzuschreiben. „Die Zukunft der Mobilität wird elektrisch sein“, steht für ihn allerdings fest. Hierbei dürfe auch das Argument Arbeitsplätze nicht im Wege stehen, weil ein E-Auto im Antrieb aus erheblich weniger Komponenten bestehe.

 Hessen will Vorreiter in der E-Mobilität werden. Als erstes Bundesland werde es Kommunen beim Kauf von Elektrobussen finanziell unterstützen, sagte Al-Wazir. In einem anderen Projekt mit Rheinland-Pfalz werden bis Ende 2018 elf BrennstoffzellenBusse gekauft, die in Frankfurt, Wiesbaden und Mainz in den Linienverkehr aufgenommen werden. Al-Wazir weist aber auch darauf hin: Wie sauber das an sich abgasfreie Brennstoffzellen-Auto fahre, hänge davon ab, wie der Strom zur Wasserstoffherstellung erzeugt werde.

„Es ist noch eine Menge Arbeit für eine saubere, zukunftsträchtige Mobilität zu leisten“, sagt Bernd Vendt, Standortleiter bei Evonik, die die Projektführung inne hat. Der Wasserstoff werde hierbei nur einen Teil ausmachen. Allerdings scheint es um die Kenntnis über diese Technik nicht gut bestellt sei. Die „öffentliche Wahrnehmung von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen liegt noch weit hinter dem Elektroauto“, so Vendt. Dies werde sich mit der projektbezogenen Kooperation ändern, bei der eine „neue Plattform“ entstehe. Mit „H2anau – Wasserstoff bewegt“ werde es zudem zu einer Stärkung der Materialforschung am Standort Hanau kommen.

Die sieben Elektro-Kangoos, die von Symbio FCell mit einer Brennstoffzelle als zusätzlichem Energielieferant zur Batterie ausgerüstet worden sind, werden im Lieferbetrieb der Projektpartner genutzt. Hinter dem Fahrersitz ist ein Tank installiert, in dem Wasserstoff bei 350 Bar Druck lagert. Die Brennstoffzelle liegt unter der Ladefläche und lädt die Akkus. Die Reichweite wird so von 100 auf 350 Kilometer verlängert. Mit dieser Hybridtechnik werde der Vorteil eines Elektrofahrzeugs mit der Reichweite eines Benzin- oder Dieselautos kombiniert. Zudem sei der Tank binnen weniger Minuten mit H2 gefüllt, hieß es weiter.

Laut Ralf Zuber von der Evonik-Forschungsabteilung liegt eine Schwierigkeit in der Nutzung von Brennstoffzellen in Fahrzeugen in der ungleichmäßigen Stromabgabe, die das chemische Kraftwerk gar nicht mag. Mit der Pufferung über Akkus sei ein Lösungsweg gefunden. Asiatische Autobauer wie Hyundai oder Toyota sind in Sachen Brennstoffzelle weiter. Sie haben bereits Serienfahrzeuge in ihrem Programm. Für Zuber geht jedoch damit der Sinn des Hanauer Projektes nicht verloren. Die beteiligten Industriebetriebe arbeiteten mit der Autobranche zusammen und könnten die gewonnen Erkenntnisse somit einließen lassen, sagte er.

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