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Hanau Es darf etwas mehr kosten

Hochwertiges Wohnen in Hanau ist gefragt. Im einstigen Westkarré der städtischen Baugesellschaft entstehen nun Eigentumswohnungen für den gehobenen Anspruch.

Auf dem Holz-Müller-Gelände an der Philippsruher Allee entsteht der „Wohnhof“. Die historische Villa bleibt von dem Vorhaben unberührt. Foto: Monika Müller

Hanau macht sich schick – besonders im Zentrum. Das zeigt sich nicht nur an dem weitgehend abgeschlossenen Stadtumbau mit seinen Großprojekten Einkaufszentrum und Bibliothek auf dem Freiheitsplatz. Zum Stadtumbau und dem damit vorgeschalteten Wettbewerblichen Dialog zählt auch die Erneuerung des Wohnquartiers an der Französischen Allee. Im einstigen Westkarré der städtischen Baugesellschaft entstehen nun Eigentumswohnungen für den gehobenen Anspruch. Entsprechend wird dort auch das Straßenumfeld baulich aufgewertet. So wird etwa der Parkplatz um die Wallonisch-Niederländische-Kirche zu einer Grünfläche umgestaltet. Vor zehn Jahren hatten Baugesellschaft und Stadt die Einbeziehung des Umfeldes unterlassen und mussten die neuen Reihenhäuser in der Gärtnerstraße im gleichen Viertel nach vier Jahren Leerstand nach einem Mietkaufmodell solchen Interessenten anbieten, die sich eigentlich keine eigene Immobilie leisten konnten.

Ein gutes Umfeld besteht hingegen bei dem neuen zentrumsnahen Baugebiet, das dieser Tage bekanntgegeben worden ist. Ein Hauch von Wohnluxus wird bis Ende 2017 auf dem Gelände der ehemaligen Firma Holz Müller an der Philippsruher Allee wehen – wenngleich mit dem profanen Namen „Wohnhof“. Das Familienunternehmen Holz Müller schloss im Februar nach 250 Jahren. Im kommenden Sommer sollen dort die Bagger auffahren, damit auf dem Gelände, wo in Schuppen und in Freiregalen Holz für verschiedene Nutzungen lagerte, Wohnhäuser hochgezogen werden können. Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) bewirbt das Vorhaben als „attraktives Wohnprojekt“.

Investor ist Frank Kleespies. Seine Firma hat ihren Sitz in Jossgrund. In Hanau hat der Bauunternehmer sich jedoch schon einen Namen mit Immobilien im Lehrhöfer Park und mit dem Mehrfamilienhaus in Passivbauweise im Neubaugebiet Venussee bekannt machen können. Auf dem Areal von Holz Müller will Kleespies 15 Millionen Euro verbauen. Mit dem Geld sollen vier Doppelhäuser, ein Einzelhaus und vier Stadtvillen mit fünf bis elf Wohneinheiten mit zwei, drei und vier Zimmern entstehen. Die Villen sollen drei Geschosse in die Höhe gehen. Ganz oben sollen penthouseartige Wohnungen entstehen, sagt Thomas Müller von der projektbetreuenden Deutschen Gesellschaft für Innenentwicklung (DGI). Die historische Villa an der Ecke zu Philippsruher Allee / Konrad-Adenauer-Straße wird von dem Bauvorhaben nicht tangiert, heißt es. Der Verwaltungsbau, dessen Obergeschoss als Wohnraum vermietet war, wird abgerissen.

Der „Wohnhof“ ist als geschlossene Einheit mit einem kleinen Platz in der Mitte konzipiert. Zugang von der Philippsruher Allee gibt es nur über Fußwege. Autos erreichen das Quartier über die Konrad-Adenauer-Straße. Alle Wohnungen und Häuser werden verkauft. Die Architektur gibt Bauträger Kleespies vor – vermutlich mit großen Fenstern bis zum Boden und Flachdach, wenn sich im „Wohnhof“ der bisherige Baustil von Kleespies durchsetzt.

Ab dem Frühjahr sollen die Immobilien vermarktet werden. Der Quadratmeterpreis soll mehr als 3000 Euro betragen. Um den Absatz muss der Investor wohl nicht bangen, wenn im Stadtgebiet und auf den Konversionsflächen große Bauaktivitäten im leicht gehobenen Preissegment herrschen. „Die Nachfrage ist schon jetzt überwältigend“, sagt Thomas Müller über den „Wohnhof“. Die Lage am schicken Kinzdorf sowie die Nähe zur Innenstadt und dem Westbahnhof mögen hierzu beitragen.

„Hanau profitiert von der Entwicklung im Frankfurter Osten mit der Europäischen Zentralbank. Doch an Wohnraum fehlt es im Osten“, heißt es aus der Immobilienabteilung eines Geldinstituts, das ungenannt bleiben möchte. In den vergangenen fünf Jahren seien die Preise in Hanau um durchschnittlich 20 Prozent bei den Kaufimmobilien gestiegen, ohne dass die Nachfrage darunter leide, sagt der Berater.

Der Bedarf an hochwertigen Objekten zeige sich auch mit den vielen Baugebieten in der Stadt, von EAM-Gelände, Opel-Schäfer-Areal bis hin zu den Argonnerwiesen. „In guten Lagen ist eine Preissteigerung von bis zu 30 Prozent zu erkennen.“ Mit der Inbetriebnahme der Nordmainischen S-Bahn werden in Hanau die Immobilienpreise noch einmal einen ordentlichen Schub erhalten, meint der Berater.

Frank Alexander, Geschäftsführer von Hermann Immobilien: „Hanau hat preislich deutlich zugelegt.“ Wegen des Zinstiefs sei viel Geld unterwegs. Kaufen sei da oft die bessere Option als Mieten. Der Mittelpreis liege in der Stadt bei 2800 Euro pro Quadratmeter, „in Speziallagen bei bis zu 3400 Euro“. Dieser Preis wird derzeit bei Wohnungen im Gebiet Venussee aufgerufen. Jedoch sei bei diesem Preisniveau die Käuferschar schon kleiner, berichtet Alexander.

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