Lade Inhalte...

Hanau Ein märchenhaftes Käthchen

Premiere des Heinrich-von-Kleist-Stücks bei den Brüder-Grimm-Festspielen. Erstmals kommt mit Kleist ein Zeitgenosse der Brüder Grimm auf die Bühne.

Und am Schluss finden sie zueinander: Patrick Dollmann als Graf Wetter vom Strahl und Katarina Schmidt als Käthchen. Foto: ROLF OESER

Ganz große Liebe, Gefühle, Leidenschaft, Kampf, Intrige, personifizierte Bösartig- wie Lieblichkeit: Wahrlich dramatisch und märchenhaft kommt Heinrich von Kleists „Käthchen von Heilbronn“ daher, das am Samstag bei den Brüder-Grimm-Festspielen im Amphitheater Premiere hatte. Und dass es dem Premierenpublikum angesichts der empfindlich frischen Abendtemperaturen im Rund unter dem Zeltdach märchenhaft warm ums Herz wurde, war durchaus kein Nachteil.

Erstmals ein Zeitgenosse der Brüder Grimm

Erstmals kommt mit Kleist ein Grimmscher Autoren-Zeitgenosse bei den Festspielen auf die Bühne, und zumindest von Wilhelm Grimm ist überliefert, dass er viel von Kleist gehalten hatte, weil „alles aus einem Guss“ sei. Gerade beim „Käthchen“. Grund für Regisseur Frank-Lorenz Engel, das „Kätchen von Heilbronn“ des Großmeisters der Romantik auf der Hanauer Festspiel-Bühne einmal in Szene zu setzen.

Das gar lieblich-zierliche Mädchen liebt den Grafen Wetter vom Strahl, nachdem er ihr im Traum erschien. Sie folgt ihm überall hin, wirft sich ihm zu Füßen. Dem schneidig von Patrick Dollmann dargestellten Ritter ist das nicht ganz geheuer, er weist sie immer wieder ab.

In Kunigunde von Thurneck, eindrucksvoll Gift und Galle sprühend personifiziert von Madeleine Niesche, glaubt der schöne Rittersmann die Kaisertochter zu erkennen, die ihm wiederum im Traum als Ehefrau verheißen wurde und verlobt sich mit ihr. Das reizende Käthchen erfährt jedoch von einem geplanten Anschlag auf das Paar und geht zur Burg Thurneck, um es zu warnen. Doch die Burg wird in Brand gesteckt, stürzt krachend und effektvoll ein.

Die fiese Kunigunde, die ein ränkisches Spiel treibt und in Käthchen die Nebenbuhlerin sieht, schickt es in die Flammen, um ein angeblich wertvolles Futteral zu holen. Wie durch ein Wunder wird Käthchen von einem leibhaftigen Engel gerettet. „Wirklich märchenhaft, das passt. Den Engel fand ich sehr witzig“, so eine Publikumsstimme, die die Inszenierung ansonsten „bemerkenswert“ findet.

Zum Schluss siegt die wahrhaftige Liebe

Der Graf, inzwischen beeindruckt von Käthchens Anhänglichkeit und Hingabe, ist neugierig geworden und versucht, dem schlafenden Käthchen das Geheimnis ihrer Liebe zu entlocken. Was er von der Träumenden erfährt, bereitet ihm Seelenpein. Er lässt Käthchen erst einmal in die Obhut seiner Mutter bringen und reitet zum Kaiser. Die bösartige Kunigunde schmiedet derweil den Plan, die Kleine zu vergiften. Indessen nimmt sich der sympathisch-väterliche Kaiser alias Hartmut Volle höchstselbst der Sache an. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Nach Kampfszenen, Dramatik und viel Action geht natürlich alles gut aus...

Ein wahrhaftiges Märchen über die Kraft kompromissloser Hingabe, über Intrigen, Lügen und Täuschungen. Wer es opulent, aktionsreich und sehr schön kostümiert mag, ist beim „Käthchen“ der diesjährigen Festspiele jedenfalls gut aufgehoben.

Weitere Aufführungen des „Käthchens“ sind am Freitag, 20., und 27. Juni, Freitag, 4. Juli, jeweils um 20.30 Uhr, Mittwoch und Donnerstag, 9./10. Juli, 19.30 Uhr, Samstag, 12. Juli, 20.30 Uhr, Donnerstag, 17. Juli 19.30 Uhr, Samstag, 19. Juli, 20.30 Uhr sowie am Freitag, 25. Juli, 16 Uhr und 20.30 Uhr.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen