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Hanau Diskriminierung entgegenwirken

Die Aids-Hilfe Hanau und Main-Kinzig besteht seit 20 Jahren. Heute sind neben drei Hauptamtlichen 18 Ehrenamtliche in der Präventions- und Beratungsarbeit in der Beratungsstelle aktiv. Zur Feier des Jubiläums wird ein Ökumenischer Gottesdienst abgehalten.

Auf den Fotos der Ausstellung steht der Mensch im Mittelpunkt – und nicht die Krankheit. Foto: Rolf Oeser

Kino- und Fernsehspots, Postkarten, Beratungsbroschüren – seit 1987 läuft die bundesweite Kampagne „Gib Aids keine Chance“. „Wer jetzt denkt, dass seitdem alle Menschen aufgeklärt sind und wir nichts zu tun haben, irrt“, sagt Burkhard Huwe, Vorstandsvorsitzender der Aids-Hilfe Hanau und Main-Kinzig. Das Interesse an Aufklärung und Beratung sei unverändert hoch.

Vor 20 Jahren gründete sich die Beratungsstelle, heute sind neben drei Hauptamtlichen 18 Ehrenamtliche in der Präventions- und Beratungsarbeit aktiv. Etwa mit Aufklärungskampagnen für Schüler, aber auch bei persönlichen Beratungsgesprächen oder beim Angebot eines anonymen HIV-Schnelltests.

Betroffene wurden von Ärzten diskriminiert

Zum 20-jährigen Bestehen hat die Aids-Hilfe eine Ausstellung konzipiert, die noch bis Sonntag im Steinheimer Familien- und Generationenzentrum zu sehen ist. „HIV hat viele Gesichter“, heißt diese und stellt Menschen aus dem Main-Kinzig-Kreis sowie der Ukraine vor. Dabei soll aber der Mensch, nicht die Krankheit im Mittelpunkt stehen. „Es geht uns darum, nicht nur die Schattenseiten zu zeigen“, sagt Susanne Kühn, die bei der Aids-Hilfe als Sozialpädagogin tätig ist, „die Lebensfreude steht im Mittelpunkt.“ Fotograf Christian Werner hat Menschen in der Ukraine porträtiert, Sozialarbeiterin Sibylle Schneider Menschen aus Hanau und Umgebung.

Wie sich die Arbeit der Beratungsstelle in den vergangenen Jahren verändert hat, ist Thema des ökumenischen Gottesdienstes zum Weltaidstag in der evangelischen Kirche Steinheim. „Die ganze Präventionsarbeit musste damals erst entwickelt werden“, sagt Huwe. Dominierten vor den 80er-Jahren eher die allgemeine Gesundheitaufklärung, so rückte mit Aids das Individuum und das Handeln jedes Einzelnen in den Fokus der Kampagnen.

Das individuelle Schicksal steht auch heute noch im Mittelpunkt der Arbeit der Beratungsstelle. „Ein wichtiges Thema ist etwa der Schutz vor Diskriminierung“, sagt Kühn. Zum Beispiel im Gesundheitswesen: So sind der Aids-Hilfe Fälle aus dem Kreis bekannt, in der Ärzte HIV-Infizierte nicht behandeln wollten oder „HIV“ in großen Lettern auf der Krankenakte oder dem Röntgenbild vermerkt war.

„Diskriminierung kann sich auch dadurch äußern, dass der Arzt bei der Untersuchung zwei Handschuhe übereinander trägt oder man den letzten Termin am Tag bekommt, um eben nicht mit den anderen Patienten zusammen zu treffen“, sagt Schneider. Die Folge sei, dass mancher Betroffene beim Gang zum Zahnarzt seine Krankheit oder seine regelmäßigen Medikamente verschweige.

„Dass es ausgerechnet Ärzte sind, bei denen heute noch HIV-Infizierte als Mensch diskriminiert werden, verwundert“, sagt Kühn. Natürlich treffe dies längst nicht auf alle Ärzte zu, betont Huwe, es gebe auch viele, die mit der Aids-Hilfe zusammenarbeiten.

Dennoch sei es erschreckend, sagt Schneider, dass HIV noch immer nicht Bestandteil der Ausbildung, auch bei Pflegeschulen, sei. Von der Deutschen Aidshilfe gebe es zwar Angebote für Mediziner zur Fortbildung, doch würden sich viele lieber bei Fachvorträgen der Pharmaindustrie informieren. „An HIV verdient eben die Pharmaindustrie“, sagt Huwe.

Dabei sei belegt, dass beispielsweise im ländlichen Bereich Betroffene erst sehr spät von ihrer Infizierung erfahren. „Auch weil Ärzte nicht auf die Idee kommen, dem Patienten einen Test nahezulegen“, sagt Huwe. Es werde also auch in den kommenden 20 Jahren noch viel Aufklärungsarbeit zu erledigen sein.

Der ökumenische Gottesdienst zum Weltaidstag beginnt am Sonntag, 29. November, um 18 Uhr in der evangelischen Kirche Steinheim, Ludwigstraße 29. Anschließend beginnt um 19 Uhr im benachbarten Generationen- und Familienzentrum die Finissage der Fotoausstellung.

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