Lade Inhalte...

Hanau „Das Herz der Schule“

„Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck“ – so lautet der Titel des Buches, das der Autor und frühere Hanauer Maryanto Fischer geschrieben hat. Es geht darin um die Erfahrungen von Schulsekretärinnen. Am heutigen Donnerstagabend liest Fischer im Kulturforum.

In der Kantine – hier in der Mensa der Karl-Rehbein-Schule – ist Zeit, um über die wirklich wichtigen Dinge zu reden. Foto: Renate Hoyer

Herr Fischer, haben Sie eine gute Erinnerung an Ihre Schulzeit?
Ich habe eine sehr gute Erinnerung an meine Schulzeit, auch wenn das jetzt sehr nach Klischee klingt. Ich war auf der Kreuzburgschule in Großkrotzenburg und die hat ein bisschen den Ruf, dass man dort wie unter einer Käseglocke lebt, das war aber gar nicht schlecht.

Das Buch spielt aus der Sicht einer besonderen Protagonistin, nämlich einer Schulsekretärin. Wie kamen Sie dazu, genau diese Geschichte zu erzählen?
Das Buch war ein konkreter Auftrag. Der Verlag und ich haben uns überlegt, aus wessen Perspektive man ein Buch über Schule noch erzählen könnte – außer aus Sicht von Schülern und Lehrern. Und die Sekretärin ist ja oft das Epizentrum oder das Herz der Schule.

Sie haben mit vielen Sekretärinnen gesprochen, was haben Sie von denen erfahren?
Viel über deren Beweggründe, diese Arbeit zu machen. Eine Frau, die ich kennengelernt habe, war früher Brokerin und hat dann ein behindertes Kind bekommen. Sie musste ihr ganzes Leben umstellen und ist aus der freien Wirtschaft heraus an die Schule gegangen. Das muss für sie am Anfang der Horror gewesen sein, dort an der Schule zu sein, außerdem hat sie nur noch ein Fünftel von dem verdient, was sie früher hatte. Aber heute, 10 Jahre später, kann sie sich gar nicht mehr vorstellen, da wieder rauszugehen.

Und wie war das, speziell aus Sicht einer Frau zu schreiben?
Ich gebe zu, manche Dinge musste ich googeln, zum Beispiel, wann denn die Menopause anfängt. Ansonsten habe ich einfach meine Freundinnen gefragt, zu den speziell weiblichen Themen.

Haben Sie Rückmeldungen bekommen, ob Sie den Schulalltag gut wiedergegeben haben?
Bei Amazon hat eine Leserin geschrieben, dass sie schon viele Jahre im Schuldienst sei und sich in dem Buch wiedererkannt hat. Ich hatte auch so eine „Hauptsekretärin“, die ich zu allem befragt habe und der habe ich immer alles zu lesen gegeben, was ich so angesammelt habe, um herauszufinden, ob es denn authentisch ist oder nicht. Die Geschichten sind ja auch gar nicht so abgefahren, das sind meistens Sachen, die man sich auch wirklich vorstellen kann.

Wie haben Sie die Expertinnen denn gefunden?
Durch meine langjährige Arbeit als Journalist im Main-Kinzig-Kreis kenne ich ganz viele Sekretärinnen, das liegt natürlich näher als jemanden Fremden anzurufen. Diese Frauen haben mir dann auch wieder von ehemaligen Kolleginnen erzählt, die ich anrufen konnte.

Über sich selbst haben Sie geschrieben, dass Sie schon immer gerne ein Buch machen wollten. Hatten Sie eine Vorstellung vom Thema, oder war das zweitrangig?
Ich habe schon immer eine Themenvorstellung gehabt, und das ist jetzt, nachdem ich schon ein Buch gemacht habe, wieder viel realistischer geworden. Wenn man erst mal beim Verlag einen Fuß in der Tür hat, kann man natürlich auch viel leichter mit Vorschlägen kommen.

Was würden Sie vorschlagen?
Ich würde gerne etwas über Online-Dating machen: Die skurrilsten Geschichten, die man da erlebt. Über die ganzen Enttäuschungen und wie sich Menschen im Internet verkaufen.

Nils, Pietro, Dirk-Keanu sind nur drei der Schüler, die in dem Buch vorkommen. Haben Sie sich auch selbst irgendwo im Buch eingebaut?
Nee, es hat ja schon gereicht, dass ich mich in die Sekretärin eingebaut habe. Aber manche Geschichten, gerade die aus der Oberstufe, sind von Freunden von mir und die Figuren haben dann auch deren Namen, zumindest in abgewandelter Form. Eigentlich sind alle Hauptpersonen an Freunde angelehnt.

Heute sind Sie mal wieder in Hanau. Kommen Sie gerne hierher?
Ich freue mich total hier zu sein! In Hanau war ich eigentlich drei Jahre lang nicht mehr. Ich habe in der Innenstadt, unmittelbar am Freiheitsplatz, gewohnt und als ich da weggezogen bin, war der Platz eine riesige Baustelle und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es da jetzt aussehen soll. Ich freue mich drauf, das zu sehen, denn ich habe im Lokaljournalismus die ganze Ausschreibung zum Stadtumbau mitbekommen.

Gibt es etwas in Hanau, das Sie in Hamburg vermissen?
Ich vermisse wirklich meine Friseurin! Ich habe so störrische Haare und in Hamburg habe ich niemanden gefunden, der meine Haare ordentlich frisiert bekommt, deshalb trage ich nur noch einen Militärschnitt und rasiere sie mir selber auf 12 Millimeter runter (lacht).

Maryanto Fischer liest am heutigen Donnerstag, 12. November, um 19.30 Uhr in der Reihe „Wort & Klang“ im Kulturforum Hanau aus seinem Buch „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck?“ Karten für 10 Euro gibt
unter www.frankfurt-ticket.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum