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Hanau Dampfende Geschichte

Beim Großauheimer Maschinentag werden im Rahmen der Tage der Industriekultur Rhein-Main beeindruckende Geräte gezeigt.

Eine Drechselmaschine. Foto: Rolf Oeser

Es dampft, zischt und pfeift. Rauch steigt auf über dem Gelände des Museums Großauheim und Wasserdampf über dem Dach des ehemaligen Elektrizitätswerkes, das die Ausstellungen über Kunst- und Industriegeschichte beherbergt. Kleine schnucklige Bähnchen und Traktoren in schwarz mit filigranen goldenen Ornamenten zuckeln über die Wiese hinter dem Museum, große Maschinen wie der Dampftraktor aus 1890 schnaufen und fauchen wie alte Drachen – beim Großauheimer Maschinentag am Sonntag drehte sich alles um historische Dampfmaschinen, die der Förderverein Dampfmaschinenmuseum Hanau-Großauheim (FDM) mit viel Liebe hegt und pflegt und denen die Mitglieder rund um den Vorstandsvorsitzenden Werner Dörich regelmäßig Leben einhauchen.

Im Rahmen der Tage der Industriekultur Rhein-Main war der Maschinentag einer der Hanauer Programmpunkte am Wochenende. Bei schönstem Sommerwetter kamen zahlreiche Besucher in den Hanauer Stadtteil und ließen sich von Dampfmaschinen und alten Bauer-Fahrrädern, die der Heimat- und Geschichtsverein Klein-Auheim mitgebracht hatte, in frühere Zeit zurückkatapultieren.

Auch der Technikpark des FDM hinter der Museum, der die Maschinensammlung des Vereins beheimatet, war zur Feier des Tages am Sonntag geöffnet, sonst müssen extra Führungstermine beim Verein vereinbart werden. Und selbst im Museum arbeiteten die lauten, dreckigen Maschinen am Sonntag ausnahmsweise. In einer großen Halle drehen sich Räder und Bänder einer riesigen Dampfmaschine, zwischen den wenig zierlichen Geräten hängt eine bunte Raum-Installationen der finnischen Konzeptkünstlerin Merja Herzog-Hellstén, gefertigt aus bunten Plastikrohren, von der Decke.

In Kombination mit der Klang-Installation von Erwin Stache wird der Raum dann komplett zum Highlight, denn mit der Installation können Besucher per Knopfdruck über Lautsprecher die Geräusche der einzelnen Maschinen hinzuschalten; dank der vorherigen Bearbeitung der Geräusche durch Staches knüpft sich so ein Klangteppich, der fast ein bisschen klingt wie ein von einem DJ gemixter Elektro-Sound. Aus der Verbindung von modernen Kunst mit der unermüdlichen Arbeit der Maschinen entsteht so ein Gesamtkunstwerk aus Alt und Neu, das den Dampfmaschinen und ihrer Bedeutung für die Industriekultur würdig scheint.

Martin Hoppe, Leiter des städtischen Fachbereichs Kultur, freut sich über das große Engagement des Fördervereins. „Die Mitglieder haben immer sehr viel Arbeit mit den Dampftagen, da muss ja viel geschraubt und geprüft werden, denn alle Maschinen müssen vom TÜV abgenommen werden“, sagt Hoppe. Für das städtische Museum biete der Tag auch die Möglichkeit, neue Besucher nach Großauheim zu locken und sie – neben der Ausstellung zur Industriegeschichte – auch für die Dauerausstellungen zu den beiden Großauheimer Künstlern, dem Bildhauer August Gaul und dem Maler und Farbglasgestalter August Peukert, zu begeistern.

Neben dem Maschinentag veranstaltet der Förderverein alle vier Jahr auch die sogenannten „Dampftage“, an denen noch mehr Maschinen gezeigt werden, das nächste Mal sollen diese im September 2018 stattfinden. Die Tage machen ihm viel Spaß, trotz der vielen Arbeit, sagt Dörich, und er freue sich über das Interesse der Besucher. Doch leider, fügt er hinzu, sei unter den jungen Besuchern, die sich interessiert zeigten, eigentlich nie jemand dabei, der bereit wäre, den Nachwuchs des Vereins zu bilden und so dazu beizutragen, die alten Maschinen weiterhin am Leben zu erhalten.

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