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Hanau Camp David im Forum ist „grotesk“

Die ALF und die Gewerkschaft kritisieren die Ansiedlung des Modehändlers Clinton im Forum. Immerhin hatte Clinton das alteingesessene Hanauer Bekleidungsunternehmen J. Philipp mit seinen rund 130 Mitarbeitern 2013 übernommen und schon wenig später weiterverkauft. Anfang 2015 wurden Mitarbeiter freigestellt.

Der Modehändler Clinton wird im Forum Hanau seine saloppe Männerbekleidung verkaufen, die unter dem Label Camp David bekannt ist. Die Filiale befindet sich im Erdgeschoss des Einkaufszentrums, das am Donnerstag, 10. September, eröffnet wird. Dass ausgerechnet das Brandenburger Unternehmen in Hanau einen Laden eröffnet, stößt nicht nur bei der Alternative Linke Fraktion (ALF) auf Kritik, sondern auch bei der Gewerkschaft. Robert Weißenbrunner von der IG Metall sprach gestern „von einem Schlag ins Gesicht“ der ehemaligen Philipp-Beschäftigten, die wegen der Firma Clinton ihre Arbeitsplätze verloren hätten.

Wie mehrfach berichtet, hatte Clinton das alteingesessene Hanauer Bekleidungsunternehmen J. Philipp mit seinen rund 130 Mitarbeitern 2013 übernommen und schon wenig später weiterverkauft. Anfang 2015 wurden Mitarbeiter freigestellt, Maschinen und Inventar abtransportiert, so dass eine Weiterproduktion nicht mehr möglich war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit der Insolvenz der Firma J. Philipp. Gegen wen das Verfahren läuft, sagt die Staatsanwaltschaft nicht - Verantwortliche der Firma Clinton seien nicht betroffen.

Die Politik reagierte damals empört. In einer aktuellen Stunde im März dieses Jahres sprachen die Stadtverordneten von Raubtierkapitalismus und menschenverachtendem Geschäftsgebaren.

Vor diesem Hintergrund ist die Kritik an einer Clinton-Filiale in Hanau zu sehen. Weißenbrunner äußerte Unverständnis, dass ausgerechnet dieses Unternehmen im „Herzen der Stadt“ Einzug halte. Ob die IG Metall zu Protesten aufrufen wird, war gestern noch unklar.

Die ALF nannte es „grotesk“, dass die Modefirma Clinton, die die Schließung von Philipp mit verursacht habe, jetzt einen Laden im Forum eröffnen dürfe. Die Fraktion will wissen, ob dies dem Magistrat und Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) bekannt gewesen sei und ob der OB seinen Einfluss geltend gemacht habe, „um diese Ohrfeige für die ehemaligen Philipp-Beschäftigten zu verhindern“.

Stadtentwickler Martin Bieberle warf der ALF vor, ihre Fragen zeigten in „erschreckendem Maße“, dass sie die Grundprinzipien der freien Marktwirtschaft nicht durchschaue. Nach seinen Worten ist Vermieter im Forum die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft, die bestimme, wer dort einziehe. „Das können wir nicht beeinflussen. Und das wollen wir auch nicht“, sagte er. Bieberle betonte, es sei schon sehr lange bekannt, dass Clinton einer der potentiellen Mieter im Forum sei. Auch die Stadtverordneten seien regelmäßig darüber informiert worden. Im Übrigen meinte er, es stehe jedem frei, dort einzukaufen oder nicht.

Hinweis der Redaktion: Diese aktualisierte Textversion stellt klar, dass offen ist, gegen wen derzeit ermittelt wird.

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