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Hanau Busse in der Nacht

Die Hanauer Straßenbahn stellt die Buslinien neu auf. Einen Fokus auf E-Mobilität wird es allerdings nicht geben.

Neuerer Dieselbus von  HSB
Von 56 HSB-Bussen erfüllten 17 nur die Euro-3-Norm. Euro-6-Busse wie dieser ersetzen sie. Foto: Monika Müller

Am 15. Juni 1908, als die erste Tram vom Hauptbahnhof zur Rosenau fuhr, begann auf der gut drei Kilometer langen Strecke die Geschichte der Hanauer Straßenbahn (HSB). Seitdem ist viel passiert. Auf dem negativen Höhepunkt der Geldentwertung 1922 wurde der Betrieb für eineinhalb Jahre eingestellt. Und seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es in Hanau keine Straßenbahn mehr, nur Busse. Den Namen hat die städtische Gesellschaft dennoch behalten, aus Gründen der Tradition.

Im kommenden Jahr feiert die HSB ihr 111-jähriges Bestehen. Ein richtiges Jubiläum ist das nicht. Der Verkehrsbetrieb will mit den geplanten Aktionen natürlich um Fahrgäste werben. Doch der Zeitraum, um zurück und nach vorne zu schauen, ist nicht schlecht gewählt, weil die HSB vor einem Umbruch steht und mehrere größere Pläne verfolgt, wie Verkehrsdezernent Thomas Morlock (FDP) und HSB-Geschäftsführer Thomas Schulte ankündigen.

So wird die HSB in der Silvesternacht drei Nachtbuslinien bis 4 Uhr anbieten. Es soll ein Test für ein geregeltes Busangebot sein, damit künftig nicht nur die S-Bahnen bis in die Morgenstunden fahren, sondern in Hanau auch ein ÖPNV-Anschluss an die aus Frankfurt kommenden Verbindungen bestehe, so Schulte. Die Voraussetzung ist allerdings, dass das Angebot auch angenommen wird. Bislang kann man Anruf-Sammeltaxis nutzen, doch die Resonanz wird statistisch nicht erfasst.

Darüber hinaus will die HSB dem starken Zuzug Rechnung tragen und sein Linienangebot um insgesamt etwa zehn Prozent ausbauen. In der 98 000-Einwohner-Stadt Hanau entsteht derzeit im Stadtteil Wolfgang der „Pioneer Park“, ein ganzes Viertel für rund 5000 Bewohner, das nach Fertigstellung zwei Linien ansteuern sollen. Ein verbessertes Angebot ist unter anderem auch für den Stadtteil Mittelbuchen vorgesehen, wo ebenfalls eine neue Siedlung entstehen soll – und die Anbindung schon lange kritisiert wird. Im Gegenzug sollen schwächer genutzte Busse seltener fahren. Welche, sei noch unklar. 

Der Ausbau ist notwendig. Morlock beobachtet, dass die Autostaus in den Spitzenzeiten in den vergangenen Jahren zugenommen haben, etwa an der Steinheimer Brücke. Dem soll mit mehr Bussen entgegengewirkt werden, aber auch dadurch, dass die verschiedenen Möglichkeiten, sich umweltfreundlicher fortzubewegen – zu Fuß, per Rad, Bus und Bahn – verzahnt werden, etwa durch besser abgestimmte Fahrpläne und mehr Abstellmöglichkeiten für Räder.

Morlock spricht von weiteren wichtigen Beiträgen zur Verkehrswende, Schulte davon, dass der Nahverkehrsplan nicht einfach nur fortgeschrieben werden, sondern um neue, passgenaue Angebote ergänzt werden solle.

Etwa 12,15 Millionen Fahrgäste haben die 13 Linien der HSB 2017 genutzt, in den vergangenen beiden Jahren verzeichnete das Unternehmen ein Plus von jeweils mehr als 500 000 Nutzern. Um den steigenden Bedarf bedienen zu können, braucht es neue Busse, etwa drei bis fünf. Ob es E-Busse sein werden, ist fraglich. Die HSB testet derzeit zwar mehrere Modelle, prüft aber auch andere Optionen: ein Hybrid-Modell und nachgerüstete Euro-5-Diesel-Fahrzeuge. Gleichzeitig ersetzt die HSB bis 2020 zunächst 17 alte Euro-3-Dieselbusse durch Euro-6-Fahrzeuge.

Die Zurückhaltung bei den E-Bussen, die die Hanauer Grünen kritisiert hatten, begründet Morlock vor allem damit, dass sich die Stickoxid-Bilanz mit den neuen Dieselbussen schneller verbessern lasse. Und mit Lieferschwierigkeiten bei den Elektrofahrzeugen sowie der Frage, ob sich letzten Endes nicht doch der Wasserstoff- oder der Hybridantrieb durchsetze.

Die ersten Tests mit den E-Bussen sind derweil gut verlaufen. Abgesehen von zwei Linien soll kein Zwischenladen notwendig gewesen sein. Demnächst soll ein Elektrofahrzeug unter winterlichen Bedingungen geprüft werden.

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