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Hanau Büros in den Wasserturm

Architekt hofft nach 20 Jahren endlich auf eine Genehmigung zum Umbau des Wasserturms. Dort könnten Büros, eine Wohnung und ein Ausstellungsraum entstehen.

Der Wasserturm. Foto: Renate Hoyer

Peter Michels nimmt die Stufen etwas schleppend. Das wäre ihm vor 20 Jahren sicherlich nicht so ergangen. Rund 17 Meter führt die Holztreppe um dicke gusseiserne Rohre hoch, die von kleinen Podesten immer wieder unterbrochen wird. Vor mehr als zwei Jahrzehnten stellte Michels einen Bauantrag, um in den Wasserturm an der Bundesstraße 8 bei Wolfgang sieben Etagen für Büros, einer Wohnung und für einen Ausstellungsraum einzuziehen. Nun wägt sich der Architekt in der Hoffnung, dass er sein Vorhaben doch noch verwirklichen kann.

„Wäre die Bauanfrage nicht positiv beschieden worden, hätte ich den Wasserturm 1993 nie gekauft“, sagt der Mann. Über den Kaufpreis schweigt er, ebenso wie über sein Alter, das er mit „über 70 Jahr‘“ angibt. Michels suchte damals nach einer Dependance zu einem Büro in Babenhausen. „Ein richtige Kreativwerkstatt sollte es werden“, sagt er mit dem Unterton der Verärgerung über die Hanauer Baubehörde. Das Denkmalamt habe in Vorgesprächen bereits grünes Licht für eine Umnutzung des bis dahin schon knapp 30 Jahre stillgelegten Turms gegeben.

Wohnen im siebten Stock

Im offenen Turmkeller, wo immer noch der gusseiserne Ofen steht, damit weder Leitungen noch die rund 250 000 Liter Wasser in rund 20 Meter Höhe einfrieren konnten, sollte ein Raum für Archiv, Besprechungen und Vorträge entstehen. Ab dem ersten Obergeschoss sollte sich auf fünf Etagen das Architekturbüro verteilen. Jedes Stockwerk sollte einen Arbeitsbereich aufnehmen wie Bauleitung, Zeichenbüro und EDV. Im sechsten Stock sollte ein Atelier eingerichtet werden und unterm Dach ein Appartement.

Im Parterre war der Empfang vorgesehen und eine Ausstellung zu Hanauer Wassertürmen. Der Zugang zu den Etagen sollte barrierefrei über einen Aufzugturm erfolgen. Die Investition taxierte Michels damals auf 400 000 Mark, rund 200 000 Euro. „Der Bauantrag konnte nie genehmigt werden“, sagt Hans-Ulrich Weicker, Leiter Stadtplanungsamt. Es habe immer und allein an der Erschließung des 400 Quadratmeter großen Turmareals gelegen, sagt er. Für eine direkte Zufahrt von der B8 gebe es keine Genehmigung von den übergeordneten Verkehrsbehörden. Eine Zufahrt vom angrenzenden Gelände sei an der US-Armee gescheitert, die dort unter anderem ihren PX Shop und ihr Bowlingcenter stehen hatte. Das 38 Hektar große Areal soll nunmehr zum Teil als Gewerbegebiet genutzt werden. „Herr Michels kann somit jetzt ein Wegerecht für sein Grundstück erhalten“, sagt Weicker.

Wohnen wird nicht erlaubt

Laut Weicker lassen sich die Pläne von Michels mit einer Ausnahme noch heute verwirklichen. Mit dem Wohnen unter Spitzdach wird es jedoch nichts werden. „Wegen der bestehenden und der künftigen Industrieansiedlung ist Wohnen im Turm nicht möglich.“ Der Bewohner könnte die Unternehmen einschränken. Ohnehin sei ein Achtungsabstand wegen der Seveso-II-Richtlinie nötig.

Der 1890 in Betrieb genommene Wasserturm gehörte zur Königlichen Pulverfabrik. Der vier Meter hohe und 250 Kubikmeter fassende Behälter soll nach einer neuartigen Konstruktion des Bauingenieurs Otto Intze erstellt worden sein. Der aus Eisenplatten zusammengenietete Tank besitzt einen besonderen Stützboden zur besseren Druckentlastung.

Nicht nur außen, sondern auch innen scheint die Zeit für den Turm stehengeblieben zu sein. Eingestaubt steht ein Zeiger an einer Meter-Messlatte auf der Wasserhöhe Null. Auf der Innenwand ranken sich nur von Porzellanisolatoren auf Abstand gehaltene, blanke Stromleitungen empor. Peter Michels äußert sich über die damalige Bauweise immer wieder begeistert. Selbst will er den Turm nach dem Umbau nicht mehr nutzen. Voraussichtlich werde eine seiner Töchter, auch Architektin, dort ihr Büro betreiben.

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