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Hanau Ausstellung Kunst trotz(t) Demenz

In der Hanauer Marienkirche will eine hochkarätige Ausstellung gegen die Angst vor Demenz wirken. Sie zeigt Bilder von Demenzkranken und ihren Angehörigen und dokumentiert Krankheitsverläufe.

28.06.2013 09:31
Anne Lorenc
Bewegende Kunstwerke zeigen das Drama, aber auch die Freude Demenzkranker. Foto: Renate Hoyer

In der Hanauer Marienkirche will eine hochkarätige Ausstellung gegen die Angst vor Demenz wirken. Sie zeigt Bilder von Demenzkranken und ihren Angehörigen und dokumentiert Krankheitsverläufe.

In eine Galerie der besonderen Art hat sich dieser Tage die Marienkirche gewandelt. Unter dem Titel „Kunst trotz(t) Demenz“ werden rund 100 Bilder und Fotografien, Objekte und Grafiken sowie Installationen gezeigt, die entweder von Dementen, ihren Angehörigen oder von Künstlern stammen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und Werke kostenlos für die Wanderausstellung der Diakonie Hessen zur Verfügung gestellt haben. Eine Miró-Lithografie als Leihgabe aus Privatbesitz gehört ebenso dazu wie zwei Werke von Jörg Immendorf.

Der Hanauer Propst Bernd Böttner für die Marienkirchengemeinde und Friedrich Trapp, Geschäftsführer der Martin-Luther-Stiftung (MLS) haben sich dafür engagiert, dass die Ausstellung auf ihrem Weg von der Kunsthalle Basel aus nach Hanau kam. „Demenz ist ein dramatisch wachsendes Thema“, erklärte Trapp gestern bei einem Rundgang. Es sei negativ besetzt und erzeuge Angst. Dabei zeige die Ausstellung, dass „Betroffene großartige Dinge hervorbringen können“.

Auf einer Seite des Altarraums finden sich lebensgroße Fotoaufnahmen von Betroffenen. Betagte Menschen, die mal einzeln oder in Grüppchen fröhlich, nachdenklich oder ausgesprochen pfiffig die Betrachter ansehen. Ihnen ist die Lebensfreude anzusehen - ein Punkt, den Propst Böttner besonders hervorhebt: „Wir sollten diese Menschen ins Leben holen und sie nicht als Kranke isolieren!“ Demenz sei mehr als eine persönliche Krankheit. Sie habe eine gesellschaftliche Komponente. „Wir wollen alle älter werden.“ Daher sei es Zeit, die Betroffenen als Teil der Gesellschaft anzuerkennen.

Einige Ausstellungsstücke dokumentieren Krankheitsverläufe. So fotografierte eine Frau über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Mutter. Besonders anrührend stellte ein an Demenz erkrankter Jurist seine Befindlichkeit dar. Im Abstand von 50 Jahren fertigte er zwei kleine Büsten von sich.

Eine zeigt ihn als unauffällig Erscheinung. Die andere schreit förmlich die Verzweiflung hinaus, über das Wegbrechen der Persönlichkeit, die allmähliche Auflösung der rationalen Welt. „Die kognitiven Fähigkeiten gehen verloren“, erklärte Trapp. „Dafür werden emotionale Fähigkeiten frei.“

Bilder mit wilden Strichen und kühnen Schwüngen wechseln mit Collagen und detaillierten Wiedergaben. Berührend sind die Portätaufnahmen betroffener Menschen: mit Lebensspuren erfüllte Gesichter. Als berühmtester der beteiligten Profi-Künstler hat Jörg Immendorf einen Siebdruck mit dem Titel „Gebt mir mein Gesicht wieder“ und eine Blumen-Skulptur gestiftet.

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