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Hanau Attacke bei AfD-Kundgebung

Bei einer Kundgebung gegen die AfD in Hanau soll ein Ordner von AfD-Anhängern angegriffen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt worden sein.

AfD-Parteitag
Auf einer Demonstration gegen die AfD, hier eine Abstimmung vom Landesparteitag in Gießen, wurde ein Ordner attackiert. Foto: dpa

Während einer Kundgebung gegen eine AfD-Veranstaltung am Freitag in Hanau soll ein Gewerkschafter von zwei AfD-Anhängern attackiert und bewusstlos gewürgt worden sein. Der Mann, der für den DGB als Ordner im Einsatz war, habe ein Schädel-Hirn-Trauma, Prellungen sowie eine kurzzeitige Amnesie erlitten und sei mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht worden. Mittlerweile hat er Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet. 

Diese Vorwürfe hat der DGB Südosthessen am Montag erhoben. Er hatte zum Protest gegen den AfD-Abend mit dem Thema Widerstand aufgerufen. Auch Beatrix von Storch sprach in der Steinheimer Kulturhalle, ausgerechnet am 20. Juli, dem Tag des gescheiterten Hitler-Attentats – für den DGB und die etwa 400 Demonstranten eine weitere Provokation der AfD. Nach Angaben des DGB haben sich zwei AfD-Sympathisanten wohl gezielt unter die Protestierenden gemischt. Einer von ihnen habe DGB-Geschäftsführerin Ulrike Eifler bedrängt und versucht, ihr das Mikrofon wegzunehmen. Der Ordner forderte ihn daraufhin auf, den Platz zu verlassen. Das habe der Mann zunächst getan, sei aber am Rande stehengeblieben, wo ein zweiter Mann gewartet habe. Dann hätten sie den Ordner, der ihnen schon den Rücken zugedreht habe, angegriffen. Sie hätten ihn noch gewürgt, als er bewusstlos am Boden gelegen habe. Dass andere Teilnehmer dazwischengingen, habe ihm „vielleicht das Leben gerettet“. 

Der Vorfall unterstreiche, dass die AfD „hochgefährlich“ sei, sagt Eifler. „Wir haben friedlich demonstriert.“ Die „Skrupellosigkeit der Tat“ erschrecke sie: „am helllichten Tag, mitten in unserer Kundgebung, unter den Augen der Polizei“, so Eifler. 

Solidarisch erklärt sich unter anderem die IG Metall Hanau-Fulda. Deren erster Bevollmächtigter Robert Weißenbrunner sagt: „Der Angriff zeigt, dass die verbalen Entgleisungen der AfD, wie wir sie in der letzten Woche gegen Ulrike Eifler und ihren Kollegen Tobias Huth erlebt haben, in offene Gewalt umschlagen können.“

Klaus Dippel. Sprecher der AfD Hanau/Großkrotzenburg, weist die Vorwürfe zurück. Er habe als Leiter des Abends in der vollbesetzten Halle nur Folgendes mitbekommen: Vor Beginn sei ein „älterer, mir unbekannter Herr“ zu ihm gekommen und habe aufgeregt eine beschädigte Brille und eine offene Platzwunde über dem Auge gezeigt. 

Er habe angegeben, von Demonstranten geschlagen worden zu sein, und dies bei der Polizei angezeigt. „Ich hatte und habe keinen Anhaltspunkt, dass die Geschichte, die der Rentner der Polizei erzählte, nicht stimmen sollte“, so Dippel. Der Mann habe weder aggressiv noch sonst wie auffällig ausgesehen. Dippel wirft den Demonstranten etwa vor, sie hätten Teilnehmer der AfD-Veranstaltung grob beleidigt. 

Ein Zeuge, der an der Demo teilnahm und in der Nähe des Tatorts gestanden haben soll, bestätigt hingegen die Darstellung des DGB: Einer der Männer habe versucht, Eiflers Rede zu stören. Der Ordner „forderte ihn auf wegzugehen“, doch er habe dies letzten Endes verweigert, sei aggressiv aufgetreten. 

Kurz darauf sei ein zweiter AfD-Sympathisant hinzugekommen. Der Gewerkschafter sei dann von hinten angegriffen, umgerissen und gewürgt worden. Als der Ordner am Boden gelegen habe, habe der Angreifer weitergemacht und erst losgelassen, als ein Demonstrant eingeschritten sei. Dabei sei der AfD-Anhänger offenbar verletzt worden. Von diesem sei die Attacke aber ausgegangen. Später hätten die beiden Männer an der Veranstaltung der AfD teilgenommen.

Die Ermittlungen stünden am Anfang, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Beamte nahmen demnach zwei Anzeigen wegen des Verdachts der Körperverletzung auf; es werde gegen alle Beteiligten ermittelt. Nach bisherigen Erkenntnissen habe es zwischen 18.30 und 19 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen zwei 74 und 71 Jahre alten Männern und einem 43-Jährigen gegeben, mit „wechselseitigen Handgreiflichkeiten“. 

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