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Hanau Abstraktem eine Gestalt geben

Renommierte Konzeptkünstlerin Merja Herzog-Hellstén erhielt den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises. Die gebürtige Finnin lebt seit 17 Jahren in Hanau.

Mit der Installation „Circuit 2016“ im Großauheimer Museum erzeugte Merja Herzog-Hellstén großes Interesse. Aber nicht nur deswegen bekam sie jüngst den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises. Die Künstlerin beeindruckt seit Jahren national wie international mit „Perfektion, Brillanz und Artistik“ in ihren Werken, heißt es in der Laudatio zur Preisverleihung. Herzog-Hellstén setzt Themen in konzeptbasierende Kunst um. Mit „Circuit“ greift sie im historischen E-Werk die heutige verwirrende Vielfalt der Stromanbieter mit Tentakel behafteten Knäulgebilden aus Elektroschläuchen auf.

Im südfinnischen Lohja kommt sie 1969 zur Welt und wächst dort auf. Dort entstand wahrscheinlich auch das Fundament für ihr späteres kreatives Schaffen. „Es gab einfach viele Reize aus verschiedenen Richtungen“, sagt sie mit finnischen Akzent und rollenden R. „Vielleicht waren es auch die Stunden und Tagen im Wald“, sagt sie, der das Gefühl für Räumlichkeit, Farben und grafische Elemente bildete.

Nach der Schule wollte sie Ingenieurwissenschaft studieren. Ob der Leidenschaft für Musik und Gestalten nahm sie sich dennoch vor, „testweise in Jahr Kunst zu studieren“. So lange benötigte Herzog-Hellstén jedoch nicht für ihre Entscheidung. „Schon nach zwei Monaten wusste ich, dass ich Kunst machen will“, sagt sie. Die Ausbildung führte sie schon bald in die USA, wo sie den Master of Arts ablegte und danach als freischaffende Künstlerin und Dozentin arbeitete. Die existenzielle Frage sei Anfangs nie ausgeblendet gewesen. „In der ersten Zeit konnte ich ausreichend testen, ob meine Tätigkeit eine Berufung ist. Nach einer Weile wusste ich, es ist meine Berufung“, sagt sie. In den USA lernte sie ihren heutigen Mann kennen, einen Deutschen. Seit 17 Jahren lebten beide in Hanau.

„Plötzlich war ich eine Einzelgängerin“

Der Wohnortwechsel kam ihr wie ein Neuanfang vor. „Plötzlich war ich eine Einzelgängerin“, sagt sie. Ein gut funktionierendes Netzwerk, ohne das ein freischaffender Künstler schwerlich auskommt, musste sie aufgegeben, ein neues aufbauen. „Letztlich habe ich auch hier tolle Leute gefunden, die mein Schaffen und meine Ziele schätzen“, sagt Merja Herzog-Hellstén.

Am Anfang steht bei ihr das Thema, aus dem sie ein Konzept entwickelt, dass ist der Moment, in dem sie über das Material entscheidet. Abstraktes visualisieren, könnte eine Überschrift für ihre Werke lauten etwa für „Biogramme“ (2011). Darin gibt sie Rhythmen Gestalt in Form von Tuschezeichnungen und raumgreifenden Installationen aus organisch anmutenden Arcylelementen. „Ich geben meinen Arbeiten immer ein kleines ästhetische Etwas, das den Betrachter fängt. Lässt er sich dann auf mehr ein, gelangt er in andere Sphären“, sagt sie.

Zurzeit arbeitet Herzog-Hellstén am Projekt „Touch down“, für das Goethe Institut in Dakar, Senegal. In den großen abstrakten Zeichnungen aus Kohle und Tusche wird der Moment dargestellt, in dem ein Flugzeug auf den Boden aufsetzt, der Gummiabrieb der Räder auf dem Beton. „Die Landung eines Europäers in Afrika, dass ist monumental, wenn man bedenkt, dass die Menschen auf dem Kontinent zumeist die andere Richtung nehmen“, erläutert sie. Nicht nur die Umsetzung eines Themas ist bei der Finnin beachtenswert, sondern auch wie sie ein Thema angeht – aus einen unerwarteten Blickwinkel.

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