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Grabsteine aus fairem Handel Kaum zu kontrollieren

Ob Pflaster- oder Grabstein - die Herkunft sorgt in Hanau für Diskussionen. Die Steinmetze wissen nicht, wie sie indische Grabsteine ohne Kinderarbeit bekommen sollen.

Europa, Indien oder gar China – woher diese Steine wohl stammen, und wer sie bearbeitet hat? Foto: Hoyer

Auf den Friedhöfen in Hanau dürfen in Zukunft nur noch Grabsteine aufgestellt werden, die „aus fairem Handel stammen und ohne ausbeuterische Kinderarbeit im Sinne der ILO-Konvention 182 hergestellt worden sind“. Das gilt auch für Grabeinfassungen. Diese Änderung der Friedhofs- und Bestattungsordnung haben die Stadtverordneten im Dezember beschlossen.

Mit dem Übereinkommen über das Verbot der Kinderarbeit hatte die Internationale Arbeitsorganisation ILO im Jahr 1999 Standards gegen die Ausbeutung von Kindern festgelegt, auch Deutschland hat die Konvention im Jahr 2002 unterschrieben.

Dennoch gibt es immer wieder Berichte darüber, dass in indischen Steinbrüchen Kinder das Rohmaterial für Grabsteine abbauen, die später nach Europa exportiert werden. Grabsteine aus Indien oder China sind bei deutschen Kunden aber beliebt, weil sie oft billiger sind als Steine aus Deutschland oder Europa. Doch es ist für Kunden und Steinmetze schwierig, solche Grabsteine zu finden, die garantiert ohne die Arbeit von Kindern hergestellt wurden.

„Wie sollen wir das denn kontrollieren?“, fragt denn auch Magnus Scheler. Er betreibt eine Steinmanufaktur in Bad Orb und ist Landesinnungsmeister der hessischen Steinmetze. Grundsätzlich renne die Stadt Hanau mit dieser Aktion gegen Kinderarbeit „offene Türen ein“. Doch die Umsetzung sei schwierig, sagt Scheler, der Steinmetz vor Ort können eine „lückenlose Dokumentation“ kaum leisten. So habe er schon schon ganz unterschiedliche Zertifikate gesehen, manche Bescheinigungen seien sogar in einer indischen Sprache verfasst. Aus seiner Sicht wäre es gut, „wenn sich Importeure und Lieferanten einigen könnten“ über ein einheitliches Zertifikat.

Auch der Hanauer Steinmetz Adrian Urban, der demnächst in der Friedhofskommission der Stadt sitzen wird, hält den Nachweis für schwierig. Und ein anderer Betrieb im Main-Kinzig-Kreis findet das Thema so heikel, dass er sich öffentlich dazu gar nicht äußern will.

Auch die Stadt Hanau räumt auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau ein, dass sie den Verzicht auf Kinderarbeit „nicht im Einzelfall selbst kontrollieren“ könne. Dennoch biete die neue Regelung die Möglichkeit, „den Ausschluss von Steinmetzen von der Arbeit auf dem Friedhof zu betreiben, wenn wir Kenntnis über Verstöße gegen diese Vorschrift erhalten“.

Stefan Weiß (Grüne) wies in der Stadtverordnetenversammlung darauf hin, dass es Organisationen wie Xertifix in Freiburg gebe, die entsprechende Siegel für Steine ausstellten (siehe Interview unten). Da aber auch er sieht, dass die Informationslage unübersichtlich ist, rät Weiß zu einer Infobroschüre über fair gehandelte Grabsteine. Diese könnten die Friedhofsleute zusammen mit Steinmetzen und anderen Interessierten erarbeiten.

Und er hat einen weiteren Vorschlag: Auch beim Stadtumbau sollten nur Pflaster- und andere Steine verwendet werden, die ohne Kinderarbeit abgebaut worden seien.

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