Lade Inhalte...

Gnadenhof Wo Hund und Pony alt werden dürfen

Es sind Tiere, die keiner mehr haben wollte, mit denen ihre Besitzer überfordert waren oder die schwer krank sind. Sie haben auf dem Gnadenhof des Vereins Tierrefugium in Hanau ein Zuhause gefunden.

Zuwendung: Tierschützer John Kraft und eine Mitarbeiterin mit Hunden. Foto: Monika Müller

Julchen liegt am Zaun und genießt die warmen Sonnenstrahlen. Buddy ist unüberhörbar: Schnaubend kommt er gelaufen und freut sich über jede Streicheleinheit. Tommy dagegen büxt schon einmal aus seiner Koppel aus. So unterschiedlich die Drei auch sind, eins haben sie gemeinsam: Sie dürfen ihren Lebensabend im Hanauer Tierrefugium verbringen.

Es sind Tiere, die keiner mehr haben wollte, mit denen ihre Besitzer überfordert waren oder die schwer krank sind. Sie haben auf dem Gnadenhof des Vereins Tierrefugium ein Zuhause gefunden. Mini-Schwein Julchen etwa wurde unbedacht angeschafft: Echte Modetiere seien sie, sagt Giovanna Pepaj, Kassenwartin des Vereins: „Die Leute sehen nur das kleine Schweinchen und vergessen, dass sie auch größer werden.“ Inzwischen bringt Julchen mehr als 40 Kilo auf die Waage. „Dann wissen die Leute nicht weiter und geben sie ab“, sagt Pepaj.

Ähnlich erging es den Shetland-Ponys Tommy und Moritz, ihr Koppel-Gefährte, Reitpferd Samson, ist ein Scheidungsopfer. „Als die Besitzer sich scheiden ließen, sollte Samson zum Schlachter gebracht werden“, sagt Pepaj. Andere Pferdebesitzer aus dem Reitstall sorgten aber dafür, dass Samson zum Gnadenhof kam.

Im Juli 2004 gründete John David Kraft mit seiner Frau Drane den Trägerverein, drei Mitglieder zählten sie zu Beginn. Im folgenden Jahr eröffnete Kraft das Tierrefugium am Neuwirtshaus in Hanau, auf 21 Mitglieder war der Verein gewachsen. Das rund ein Hektar große Grundstück samt Haus wurde zum Gnadenhof umgebaut. Knapp 80 Tiere, darunter 22 Hunde, drei Lamas, mehrere Ziegen und Schafe und viele Kleintiere sind hier untergebracht. „Im Februar waren es noch 31 Hunde, aber wir konnten einige gut vermitteln“, sagt Kraft.

Vor der Schlachtbank gerettet

Die Arbeit des Vereins finanziert sich aus Beiträgen und Spenden der Mitglieder, 662 zählt der Verein. „Wir haben weltweit Mitglieder und Paten für unsere Tiere, einige sogar in Kanada oder Singapur“, sagt Kraft. Eine Tierpatenschaft koste mindestens zwei Euro im Monat, sagt Pepaj, man könne aber auch mehr geben. „Wir wollen die Hürde aber niedrig halten“, sagt sie.

Auch Hartz-IV-Empfänger seien Paten. Zwei Tierpfleger sind vom Verein fest angestellt, ansonsten versorgen Kraft und ehrenamtliche Helfer die Tiere. Zwei Hundetrainer üben regelmäßig mit den Hunden, um ihre Vermittlungschancen zu erhöhen. Kraft und seine Frau haben ihr ganzes Leben dem Tierschutz gewidmet: „Wir wohnen unterm Dach, Erdgeschoss und erster Stock gehören den Hunden“, sagt der 47-Jährige.

Die sind in Zimmern untergebracht, für behinderte Hunde haben Kraft und seine Mitstreiter die Zimmer barrierefrei,eingerichtet. Andere müssen aufwendig versorgt werden, etwa Bulldogge Buddy, der ein teures Medikament braucht. Wenn gerade solche Hunde vermittelt werden, freut es Kraft besonders. „Wir haben sogar schon zweibeinige Hunde vermittelt, der Sänger Friedel Geratsch von Geier Sturzflug nahm einen dreibeinigen bei sich auf“, sagt Kraft.

Dass Tiere, wie zuletzt eine junge Katze, einfach in einem Karton oder Käfig vor der Tür abgestellt werden, ärgert Kraft. „Jeder sollte genug Schneid haben, einfach zu klingeln und uns auch etwas zu den Tieren zu erklären“, sagt er. Denn eine Aufnahmegebühr verlange der Verein nicht.
Freude mache es dagegen umso mehr, wenn ein Tier vermittelt oder die Vermittlungschancen gesteigert werden können. So konnte Renaud, ein aus Kroatien stammender Pekinese, der als querschnittsgelähmt galt, nach einer Operation wieder laufen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen