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Gelnhausen Glöckner fordert Stolz erneut

Die Bürgermeisterwahl in Gelnhausen verläuft unter veränderten Vorzeichen. Wenn die 17.000 Einwohner der Stadt am Sonntag zur Wahl gehen, stellt die zerrissene CDU diesmal keinen eigenen Kandidaten.

01.11.2012 09:40
Jörg Andersson
Tourismusziele wie die Altstadt will Glöckner vermarkten. Foto: Privat

Die Kontrahenten kennen sich aus dem Effeff. Als gebürtige Gelnhäuser einer Generation haben sie sich bereits bei der Bürgermeisterwahl 2006 gegenübergestanden. Das Ergebnis war relativ eindeutig. Mit 22,1 Prozent durfte sich Daniel Glöckner (FDP) nur über einen Achtungserfolg freuen, derweil Thorsten Stolz (SPD) nach 40 Prozent im ersten Durchgang schließlich in der Stichwahl mit 62,3 Prozent über den CDU-Kandidaten Thilo Allwardt triumphierte.

Seither hat sich die Ausgangslage auf den ersten Blick eher noch zuungunsten von Glöckner (35) verschoben. Wenn am Sonntag, 4. November, mehr als 17.000 Einwohner der Main-Kinzig-Kreisstadt zur Bürgermeisterdirektwahl aufgerufen sind, kann Bürgermeister Stolz (33) eine noch stärkere Hausmacht in die Waagschale werfen. Zum Amtsbonus kommt der Höhenflug seiner Partei, die bei der Kommunalwahl 2011 fast zehn Punkte auf 42,8 Prozent zulegte.

Doch der Herausforderer bleibt selbstbewusst. Gelnhausen schöpfe sein Potenzial nicht aus und müsse „neue Wege“ beschreiten, sagt der Diplom-Betriebswirt, der vielfach Nachholbedarf sieht. Als „Vision“ strebt Glöckner eine Berufsakademie auf Grundlage der „Fachschule für Kunststoff- und Kautschuk-Technik“ an den Beruflichen Schulen an, deren Abschluss zum FH-Studium berechtige. Mit den vielen Unternehmen der Automobilzulieferung in der Region biete sich eine „duale Ausbildung“ geradezu an.

Generell sieht Glöckner, der die Unternehmenskommunikation bei Veritas leitet, Gelnhausen auch bei der Firmenansiedlung im Hintertreffen. Der Zuwachs einiger Hundert Arbeitsplätze in Stolz’ Amtszeit sei alleine konjunkturbedingt und drohe durch die Autoabsatzkrise schon bald wieder aufgezehrt zu werden. Schließlich sieht Stadtführer Glöckner den Tourismusbereich nicht ausgeschöpft. Die „schönste Stadt zwischen Frankfurt und Fulda“ müsse als östliches Tor zum Rhein-Main-Gebiet besser vermarktet werden. Konkret kritisiert Glöckner jetzt den neu eröffneten Einkaufsmarktring um den Coleman-Park als „unansehnliche Geschäftsansammlung“, deren Randlage den Geschäften in der Südstadt die letzte Laufkundschaft zu entziehen drohe.

Der Bürgermeister derweil ist gerade stolz auf dieses Kapitel Stadtentwicklung. Die Entscheidung, das ehemalige US-Wohnareal für 3,5 Millionen Euro zu kaufen und nach eigenen Vorstellungen zu entwickeln, sei lange als „riskantes Wagnis“ bezeichnet worden. Unter dem Strich sei ein attraktives und lebendiges Wohn- und Einzelhandelsgebiet erwachsen und der Stadt sogar noch 900.000 Euro Plus verblieben.

Die Innenstadtentwicklung sei damit nicht gefährdet, wie die Erweiterung des Ärztezentrums Triangulum sowie die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes zeige.
Hunderte Neubürger durch den Coleman-Park und Baulückenschlüsse, 140 neue Kinderbetreuungsplätze sowie der Ausbau beim barrierefreien und betreuten Wohnungsbau zeugten von der Attraktivität Gelnhausens, das seine gute Infrastruktur vom Freibad über das Hallenbad, dem Stadtbus bis hin zu Bücherei und Museum erhalten wolle.

Einen Teil des Preises dafür müssten die Bürger über höhere Steuern finanzieren, sagt Stolz offen. Auch weil die Stadt unter dem kommunalen Rettungsschirm eine Entschuldung um 17 Millionen Euro anstrebt, müssten die Hebesätze steigen, bei der für Hausbesitzer und Mieter relevanten Grundsteuer B etwa um 100 auf dann 380 Punkte.

Stolz, der bei seinem Triumph 2006 den 30 Jahre amtierenden CDU-Bürgermeister Jürgen Miachaelis ablöste, geht mit einer Wahlempfehlung der Wählergemeinschaft Bürger für Gelnhausen (BG) ins Rennen, die seither mit der SPD im Verbund stehen.

Der FDP-Stadtverordnete Glöckner zieht diesmal nicht für die Liberalen, sondern als unabhängiger Kandidat ins Rennen. Ihn zu unterstützen, ist zudem die Botschaft der Union, die früher satte Mehrheiten in der Stadt einfuhr und im Zuge ihrer Zerrissenheit nicht mal mehr einen Bewerber stellte, obgleich der Stadtverbandsvorsitzende die Polit-Größe der Union im Main-Kinzig-Kreis schlechthin ist: der Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Peter Tauber. Man werde keinen Zählkandidaten ins Rennen schicken, kommentierte Tauber die Lage.

Die Grünen haben weder einen Kandidaten noch eine Wahlempfehlung. Als dritter Name auf dem Wahlzettel steht für die NPD Pierre Levien (38).

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