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Funksignale vom Kraterrand

Ober-Mörlen Wo der Fernmeldeturm Steinkopf steht, soll ein Meteorit eingeschlagen sein

Der 105 Meter hohe Fernmeldeturm auf dem Steinkopf. Foto: Renate Hoyer

Bei einer solchen Begrüßung möchte man am liebsten gleich auf dem Absatz kehrt machen. „Danger High Voltage“, warnen Schilder am Weg gut 100 Meter vor der Kuppe. Wo sich die Hochspannung, hier mitten im Wald, befinden soll, ist nirgends ersichtlich. Offenbar ist die Gefahr mit den Abzug der US-Armee aus dem Gebiet verschwunden, die beiden Schilder am Wegesrand wurden wohl vergessen.

Der mächtige Funkturm markiert inzwischen allein den Gipfel des 518 Meter hoch liegenden Steinkopfes. Und der Berg hat es in sich. Er soll nämlich, behauptete ein Geologe in den 90er Jahren, Teil eines Kraterrandes sein, der sich nach einem gewaltigen Meteoriteneinschlag bildete. Doch davon später.

Der Funkturm, ein Betonspargel mit einem stattlichen Ringbau im oberen Drittel, soll laut der Besitzerin, der Deutschen Funkturm, exakt 105,35 Meter in den Himmel hineinreichen. Eine architektonische Schönheit sieht anders aus. Aber der Konstrukteur und seine Auftraggeberin, die damalige Post, haben sich wohl das Motto des US-amerikanischen Stararchitekten Louis Sullivan zu eigen gemacht: „Form follows function“, die Form folgt der Funktion.

Am 30. Juni 1972 nahm der Nutzbau seinen Sendebetrieb auf. Einst versorgte der Turm die östliche Wetterau mit Fernsehen und leitete Telefonate per Richtfunk weiter. Die Antennen auf den beiden Plattformen senden nach der Darstellung eines Sprechers der Postnachfolgerin heute nur noch Mobil-, Richt- und Behördenfunk.

Für den Normalbürger ist der Funkturm geschlossen. Die Technikkanzel böte ausreichend Platz, um Publikum aufzunehmen. Die einst raumfüllende Empfangs- und Sendetechnik sei ob der allgemeinen Miniaturisierung in der Sparte s geschrumpft, heißt es.

Die Entscheidung, das Publikum draußen zu lassen, ist aus Sicherheitsgründen verständlich, aber wegen der Sichtverhältnisse bedauerlich. Wenn der Ferngucker vom ein Kilometer gegenüberliegenden Winterstein (482 Meter) bei klarem Wetter vom dortigen knapp 17 Meter Aussichtturm gen Südwest schaut, dann reicht der Blick bis zum 180 Kilometer entfernten Schwarzwald.

Wie weit kann man dann erst vom Steinkopf-Turm schauen? Diese Frage können nur die Techniker der Deutschen Funkturm beantworten – sofern man dort überhaupt mal einen antrifft. Denn weder auf dem Turm noch in dem Flachbau im eingezäunten Gelände hält sich für gewöhnlich Personal auf. Die Überwachung der Technik geschieht via Datenleitung an anderer Stelle.

Ganz ohne Weitblick gibt sich das bewaldete Plateau nicht, besonders in Richtung Osten und Großer Feldberg. Die Kuppe des Steinkopfes ist von einem märchenhaft anmutenden Eichenforst umgeben. Die rauen Wetterbedingungen der exponierten Lage haben die Stämme krumm, schief und geduckt wachsen lassen. Der Wanderer kann an diesen romantisch wirkenden Ort bequem Rast machen, Tische und Bänke sind vorhanden – natürlich mit Ausblick.

Wenn der Besucher dort oben so schön sitzt und schaut, dann sollte er auch einmal den Blick in die Tiefe in Richtung Autobahn A5 senken. Was sich dort vor 50 bis 300 Millionen Jahren ereignet haben soll, wird mutmaßlich mehr als die Taunus- und Wetterauregion erschüttert haben. Ein Friedberger Geologe kam Ende der 90er Jahre nach der Auswertung von Landschaftsrelieffotos nach einem neuartigen Aufnahmeverfahren zu dem Schluss, dass der Steinkopf und die benachbarten Berge der Kraterrand sind, der sich nach einem gewaltigen Meteoriteneinschlag bildete.

Eindeutige mineralogische Beweise haben sich offenbar bis heute für diese Behauptung nicht gefunden. Doch manch ein Experte meinte, wenn dort ein etwa 100 Meter großer Brocken aus dem All mit enormer Geschwindigkeit niederging, dann war der „Impact“, also der Einschlag, mit Sicherheit dort, wo die Kasseler Autobahn südlich der Anschlussstelle Friedberg/Rosbach durch eine Mulde führt.

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