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Friedwald Gelnhausen Beerdigt zu Füßen eines Baums

Der Gelnhäuser Friedwald ist beliebt. Seit er im November 2007 eröffnet wurde, fanden hier rund 1650 Menschen ihre letzte Ruhestätte. Mehr als 3700 Menschen haben sich schon zu Lebzeiten einen Platz reserviert.

Friedwald-Leiter Dirk Nabert (links) und Förster Patrick Hüpeden an einem der Bäume. Foto: Uta Grossmann

Spaziergänger mit Hunden streifen an dem trüben Morgen durch den Friedwald bei Gelnhausen-Hailer. Zwei Frauen mit Walkingstöcken marschieren flott vorbei und grüßen freundlich. Trotz winterlicher Kälte zwitschern Vögel in den kahlen Bäumen. Es ist kein gewöhnlicher Wald. An manchem prachtvollen Stamm hängen Schilder, die darauf hinweisen, dass hier Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ein kleiner Erdhügel und ein mit einer Baumscheibe abgedecktes Loch sind Vorboten einer Bestattung. Dirk Nabert ist Baumpfleger und von der Stadt damit beauftragt, den Friedwald zu leiten. Er wählt mit Interessierten Bäume aus und führt die Bestattungen im Wechsel mit vier Mitarbeitern durch.

Förster Patrick Hüpeden vom Forstamt Hanau-Wolfgang ist für die Forstarbeiten zuständig. Im Friedwald wird kein Holz geerntet. Hüpeden rückt an, wenn ein Baum aus Sicherheitsgründen gefällt werden oder ein Spazierweg in Ordnung gebracht werden muss. „Normalerweise beurteilen wir Förster einen Baum nach wirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten“, sagt Hüpeden. „Hier gelten für die Auswahl ästhetische Kriterien.“

Eine knorrige Eiche, eine verwachsene Buche mit ausladender Krone – Laubbäume sind bei den Menschen, die sich einen Bestattungsbaum aussuchen, eindeutig beliebter als Nadelbäume, obwohl hier zum Beispiel auch eindrucksvolle Douglasien stehen. „Frauen haben meist eine genaue Vorstellung von ihrem Baum, Männern ist das eher egal“, ist Naberts Erfahrung.

Gelnhäuser Friedwald ist beliebt

Der Gelnhäuser Friedwald ist beliebt. Seit er im November 2007 eröffnet wurde, fanden hier rund 1650 Menschen ihre letzte Ruhestätte. Mehr als 3700 Menschen haben sich schon zu Lebzeiten einen Platz reserviert. Unter einem Baum bestattet zu werden, die eigene Asche in den Kreislauf der Natur zurückzugeben, ist für immer mehr Menschen eine tröstliche Vorstellung.

Die Fläche für Bestattungen in dem 50 Hektar großen Waldstück wurde bereits erweitert, nachdem im alten Teil bei Hailer alle 850 Bäume verkauft waren. Am Dreieckstein entstand eine zweite Zufahrt. Jede Woche werden sechs bis sieben Menschen im Friedwald beigesetzt, so Nabert. 15 Prozent der Bestatteten sind Gelnhäuser, sagt Günther Kauder, der das städtische Bauamt leitet. Das sei ein vergleichsweise hoher Anteil. Bevor es den Friedwald gab, zählte die Stadt jährlich 220 Beisetzungen auf den Friedhöfen, inzwischen sind es nur noch 170.

Der Wald gehört der Stadt, die ihn an die Betreiberfirma Friedwald verpachtet hat. Die Firma aus Griesheim bei Darmstadt eröffnete mit dem Friedwald Reinhardswald bei Kassel 2001 den ersten Bestattungswald in Deutschland. Inzwischen betreibt sie an 56 Standorten von Rügen bis zum Bodensee Friedwälder.

Bestatter, Steinmetze, Floristen und andere Branchen, die von der traditionellen Friedhofskultur profitieren, lehnen Bestattungswälder erwartungsgemäß ab. Denn dort sind Grabsteine, Blumen, Kerzen und anderer Schmuck verboten. Die biologisch abbaubaren Urnen setzen Dirk Nabert oder seine Kollegen in ein zuvor ausgehobenes Loch. Nur Schilder mit Namen und Daten, manchmal auch einem Spruch zeigen an, dass unter dem Baum Menschen bestattet wurden.

Manche lassen selbst das weg. Das Trauerzeremoniell gestalten die Hinterbliebenen nach ihren eigenen Vorstellungen. Es muss mit einer kirchlichen Trauerfeier nichts gemein haben – obwohl in Gelnhausen ein Drittel der Beisetzungen von einem Pfarrer begleitet werden. Angehörige können aber auch einen Trauerredner engagieren oder selbst etwas über den Verstorbenen sagen.

Mancher Trauergast ist überrascht, wenn er im feinen Zwirn erscheint und dann auf schmalen, oft steilen Pfaden durch den Wald stapfen muss. Für Trauergäste, die etwa auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, kann es richtig schwierig werden, die Grabstelle zu erreichen. Deshalb liegen die beiden Andachtsplätze nah an den Parkplätzen.

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