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Friedensbewegung in Hanau Kämpfer gegen Krieg und Hetze

In einer Zeit mit vielen Konflikten will die Hanauer Friedensplattform ihr Engagement wieder ausbauen.

Hanauer Friedensplattform
Bei den Treffen der Friedensplattform wird viel über internationale und lokale Politik diskutiert. Foto: Rolf Oeser

Als Otto Dols bei Luftangriffen auf Hanau um sein Leben rannte, war er noch ein Kind. Er hatte genau verinnerlichen müssen, wie sich die Jagdbomber anhören und wo der nächste Luftschutzkeller ist. Sah, wie sogar auf eine Frau mit Kinderwagen gezielt wurde. Und lernte diese Schockstarre nach den heftigen Einschlägen und Druckwellen kennen, bei der „man nicht weiß, ob noch alles an einem dran ist“, sagt er.

Die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg haben sich bei Dols, Jahrgang 1933, eingebrannt – und den Ingenieur zu einem überzeugten Friedensaktivisten gemacht. Nach seinen Erfahrungen betrachtet er es als Pflicht, über die verheerenden Folgen und Ursachen von Krieg aufzuklären. Dols engagiert sich in der Hanauer Friedensplattform. Er und die anderen Mitglieder setzen sich auf vielfältige Weise ein: Sie sammeln zum Beispiel Unterschriften für die Kampagne „Abrüsten statt aufrüsten“, beteiligen sich an Demonstrationen, etwa am Ostermarsch in Bruchköbel, verteilen Flugblätter oder organisieren Infoveranstaltungen. Kürzlich berichtete Clemens Ronnefeldt, Referent des Internationalen Versöhnungsbunds, über die Konflikte in Syrien und die dortigen geopolitischen Interessen.

Die Plattform arbeitet eng mit anderen Bündnissen zusammen, beispielsweise mit der Hanauer Initiative „Solidarität statt Spaltung“ oder dem DGB. Sie fordert unter anderem, die Rüstungsexporte zu verbieten und die Auslandseinsätze der Bundeswehr zu beenden, genauso wie deren Werbung in Schulen.

Gegründet wurde die Friedensplattform nach den Anschlägen am 11. September 2001, als der sogenannte Krieg gegen den Terror ausgerufen wurde und kurz darauf Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak folgten. Damals schlossen sich auch viele junge Leute den Aufrufen der Plattform an. Später ging der Zuspruch zurück. Heute besteht der Kern aus etwa 40 Leuten. Dazu gehören der langjährige DGB-Sekretär Horst Koch-Panzner und Baki Kaplan, der türkische Wurzeln hat und in der Plattform sowohl die Föderation der demokratischen Arbeitervereine (DIDF) als auch die Naturfreunde Hanau-Rodenbach vertritt. Als Migrant sei es ihm besonders wichtig, sich zu beteiligen und anderen eine Stimme zu geben, sagt Kaplan und fügt hinzu: „Krieg führt immer zu Elend und muss verhindert werden.“

Doris Werder engagierte sich schon in den 80er Jahren in der Friedensbewegung. Bei ihr liegt das Engagement ebenso „in der Familie“ wie bei Erich Ehmes. Schon seine Großeltern, Eltern und sein Onkel hatten sich gegen Krieg und Faschismus eingesetzt und wurden deswegen teilweise verfolgt. Seine ersten Flugblätter gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik verteilte Ehmes im Kindergartenalter.

Sie haben unterschiedliche Biografien; was sie eint, ist die Überzeugung, dass Militär die Probleme der Menschheit nicht löst, im Gegenteil. Die Gruppe will ihr Engagement wieder ausbauen und sucht weitere Mitstreiter. Angesichts der vielen aktuellen Konflikte sei es derzeit besonders wichtig, sich für Frieden und Solidarität starkzumachen, sagt Werder – auch um der AfD, einer „Aufrüstungspartei“, und den rechtsextremen Tendenzen entgegenzutreten. Damit die Gesellschaft nicht weiter gespalten werde, brauche es eine soziale Politik und Investitionen in Bildung statt riesiger Rüstungsausgaben, fordert Koch-Panzner.

Sie wollen von Hanau aus immer weiter gegen Krieg und für eine solidarische Gesellschaft kämpfen – auch wenn sie wissen, dass es ein langer und oft zäher Kampf ist. Die Resonanz schwanke, so Ehmes. Bei manchen stoßen sie mit ihren Aktionen auf absolute Gleichgültigkeit. Doch in letzter Zeit beobachten sie bei vielen eine erhöhte Sensibilität für ihr Thema, für „Abrüsten statt aufrüsten“ sind bundesweit etwa 100 000 Unterschriften zusammengekommen. „Jeder Mensch hat Einfluss und sollte seine Stimme erheben“, sagt Werder.

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