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Freiheitsplatz Hanau Gewaltige Mauern und ein Grab

Seit gut zwei Monaten wird am Freiheitsplatz gegraben. Auch wenn es keine Sensationsfunde bisher gab: Der Geschichtsverein sieht in den Ausgrabungen einen hohen Erkenntniswert

Manche Spekulationen waren abenteuerlich bis absurd: Die Ausgrabungen auf der Baustelle für das künftige Forum Hanau am Freiheitsplatz würden ein Wikingerschiff oder ein Römerkastell zutage fördern, oder sogar das Bernsteinzimmer. Seit gut zwei Monaten wird gegraben, nichts davon ist eingetreten. Martin Hoppe, Vorsitzender des Hanauer Geschichtsvereins, ist trotzdem zufrieden: „Die Ausgrabungen sind zwar keine Sensation, haben aber einen hohen Erkenntniswert. Wir können jetzt ein großes Stück Stadtgeschichte gut rekonstruieren“, sagt er. Archäologe Frank Lorscheider, der das Projekt leitet, stimmt Hoppe zu: „Wir haben nicht mit Ausgrabungen in einem solchen Umfang gerechnet. Einige der Mauern, die wir gefunden haben, sind vier bis fünf Meter hoch“, sagt der Wiesbadener.

Unter anderem haben die Forscher Pflaster einer Handelsstraße, Mauer- und Grabenreste der Hanauer Altstadtbastion aus dem 16. und 17. Jahrhundert, eine Schießscharte sowie Quader mit Steinmetzzeichen freigelegt – und ein Grab, in dem der Stifter einer Kapelle gelegen haben könnte. Der Leichnam wurde womöglich umgebettet, als das Zeughaus errichtet wurde.

Das Landesamt für Denkmalpflege hat am Mittwoch den nördlichen Teil des Platzes freigegeben. Die Bauarbeiten können nun weitergehen, und das sogenannte „Hanauer U-Boot“, ein Kanalsystem aus dem 19. Jahrhundert, kann abgebrochen werden.

Jetzt gelte es, die Funde gut aufzubereiten und zu präsentieren, um den Hanauern die Geschichte ihrer Stadt näherbringen zu können, sagt Hoppe. Die Fundstücke werden von der Meisterklasse Landschafts- und Gartenbau der Eugen-Kaiser-Schule ausgebaut und gelagert. Wegen des winterlichen Wetters muss die Arbeit derzeit ruhen. Eigentlich ist keine Grabungssaison. Vier Monate waren für die archäologischen Untersuchungen angesetzt, bei Bedarf könnten sie aber verlängert werden.

Ausgewählte Funde sollen auf dem neu gestalteten Freiheitsplatz in archäologischen Fenstern gezeigt werden. Darüber hinaus haben die Forscher großformatige Luftaufnahmen machen lassen, und 2015 soll ein Buch über die Ausgrabungen erscheinen. Dokumentiert wird aber auch mit Hilfe modernster Technik: Um die ausgegrabene Anlage für Ausstellungen oder für den Modellbau visualisieren zu können, haben die Archäologen sie mit Hilfe eines 3D-Scannings aufgezeichnet.

Am kommenden Sonntag, 16. Dezember, bietet Martin Hoppe vom Geschichtsverein drei Führungen auf der Baustelle an: um 14.30 Uhr, 15 Uhr und 15.30 Uhr.

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