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Fliegenplage in Gründau Gift gegen Fliegenplage

Bewohner des Gründauer Ortsteils Lieblos werden von einer Fliegenplage heimgesucht. Brutstätte der Insekten ist die Kompostierungsanlage am Ortsrand. Fallen und Kontaktgift zeigen bereits Wirkung.

Insekten in Hessen
Eine Fliege in der Natur. Im Haus ist sie nicht gern gesehen. Foto: Michael Schick

Für die Bewohner des Ortsteils Lieblos besteht nunmehr Hoffnung, dass sie etwa beim Nachmittagskaffee mit Kuchen im Garten von Fliegenschwärmen nicht mehr heimgesucht werden. Die am Ortsrand liegende Kompostieranlage ist als mutmaßliche Brutstätte der Plagegeister ausgemacht worden.

Die Veolia-Umweltservice West als Betreiberin und das Landratsamt als zuständige Behörde haben dieser Tage auf dem Gelände Vorkehrungen getroffen, um die dortige Fliegenpopulation zu bekämpfen. Bereits seit Jahren sollen die Bürger in Lieblos ab Frühling immer wieder von Fliegenplagen betroffen sein. Der rasche Temperaturanstieg im April nach Regentagen hatte die Situation diesmal so drastisch verschärft, dass ein Betroffener eine Onlinepetition wegen der Untätigkeit im Rathaus eröffnete.

Es wurden jetzt Fliegenfallen aufgestellt und „ausgewählte metallische Oberflächen außerhalb der Reichweite von Besuchern der Anlage mit einem Fliegen-Kontakt-Präparat behandelt“, berichtet der Main-Kinzig-Kreis in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Veolia. Zudem habe sich das Unternehmen bei anderen Betreibern von Kompostierwerken über Methoden zur biologischen Fliegenbekämpfung informiert, die weder zum Schaden für den Kompost, der in Gärten und auf Äckern ausgebracht wird, noch für die Natur seien, heißt es.

Ursachenforschung ist noch nicht abgeschlossen

Wie der massenhaften Ausbreitung der „Gemeinen Stubenfliege“ dauerhaft Einhalt geboten werden kann, wollen Kompostierer, Kreis und Gemeinde unter Hinzuziehung von Schädlingsbekämpfern und Biologen beraten. Es soll ein Katalog mit möglichen Maßnahmen erstellt werden, die vor allem kurzfristig realisiert werden können. Bis dahin erhofft man sich von den „Sofortmaßnahmen“ nicht nur Ruhe für die betroffenen Bürger, sondern auch „belastbare Ergebnisse“ für ein weiteres Vorgehen.

Das Kompostierwerk wurde zunächst nicht als Quelle der Fliegenplage gesehen. Der Kreis beauftragte einen Diptera-Experten für ein Gutachten, um die Herkunft zu lokalisieren. Verschiedene andere Orte wurden als Brutstätte in Betracht gezogen, darunter auch ein großer Bauernhof und ein Reitstall. Auf Nachfrage sagte Kreispressesprecher John Karsten Mewes, dass diese Betriebe von den Sofortmaßnahmen ausgenommen worden seien, aber bei der Ursachenforschung – wie der landwirtschaftliche Betrieb – weiterhin einbezogen würden.

Die Kompostieranlage in westlicher Ortslage besteht seit rund 20 Jahren. Wegen der Fliegenplage habe das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt auf Bitten des Kreises eine außerordentliche Betriebsprüfung vorgenommen, heißt es. Die Genehmigungsbehörde habe nach der Kontrolle keine Auflagen ausgesprochen. Die Anlage werde damit unverändert genehmigungskonform betrieben, berichtet der Kreis.

Laut Mewes steht somit auch nicht zur Diskussion, dass in Gründau künftig nur noch Grünschnitt zu Kompost vergärt wird, wie anderorts das Fliegenproblem gelöst worden ist. Eine Auslagerung der Küchenabfälle aus der braunen Tonne würde den sogenannten Mülltourismus fördern, was der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft vermeiden wolle.

Fallen und Kontaktgift scheinen bereits ihre Wirkung zu entfalten. „Den Fliegen in Lieblos geht es derzeit sehr schlecht“, berichtet Bürgermeister Gerald Helfrich (parteilos). Am Sonntag ist er zu einem Geburtstag in Lieblos eingeladen worden. „Wir konnten alle das Fest ungestört draußen erleben“, sagt er. Vor vier Wochen wäre es dort nicht möglich gewesen. Allerdings droht nun im Ortsteil Rothenbergen angeblich eine Fliegeninvasion. Bewohner hätten ein vermehrtes Auftreten der Insekten gemeldet, so Helfrich. Die Meldungen würden bereits geprüft, sagt er.

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