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Erlensee Angebot an den Oligarchen

Auf dem Gelände des Ex-Fliegerhorst soll eine wettkampftaugliche Reitanlage mit Stallungen, Hotel und Parkplätzen entstehen. Die ursprünglichen Pläne, eine Klassik-Auto-Stadt für Oldtimer entstehen zu lassen waren vor kurzem geplatzt.

Mit sechs zu vier Stimmen hat der Zweckverband Fliegerhorst Langendiebach zugestimmt, der Firma Retro Klassik aus Erlensee weitere 73 000 Quadratmeter Fläche auf dem ehemaligen US-Airfield zum Verkauf anzubieten. Hier soll nun auf knapp 170 000 Quadratmetern im zentralen Dreieck der ehemaligen Airfield-Anlage eine wettkampftaugliche Reitanlage mit Stallungen, Hotel und Parkplätzen entstehen. 93000 Quadratmeter hatte das Unternehmen bereits 2014 erworben.

Spätestens 2017 muss das Unternehmen eine Baugenehmigung vorlegen, erst dann komme das Verkaufsangebot zum Tragen, erklärt Erlensees Bürgermeister Stefan Erb (SPD). Der Zweckverband habe den Beschluss gezielt vor seiner Neukonstituierung gefasst. Denn auch die steht nach der Kommunalwahl an.

„Wir können dabei eigentlich nur gewinnen“, sagt er. Damit habe sich auch das bis 2024 geltende Vorkaufsrecht des Unternehmens erledigt. „Wird keine Baugenehmigung geliefert, dann kein Vorkaufsrecht.“ Und der Investor sei mit der Klausel zur Absicherung des Zweckverbands und damit der Kommunen einverstanden.

Die ursprünglichen Pläne, eine Klassik-Auto-Stadt für Oldtimer entstehen zu lassen waren vor kurzem geplatzt. Der Investor dahinter und Vertraute von Retro Klassik-Chef Viktor Martin, der milliardenschwere russische Oligarch und Pharmaunternehmer Viktor Charitonin hat inzwischen den Nürburgring gekauft und will die Oldtimer-Stadt nun offenbar dort bauen – wo das Thema Auto bereits etabliert ist. Martin und Charitonin teilen sich die Leidenschaft für alte, wertvolle Autos. Dem öffentlichkeitsscheuen Russen werden enge Kontakte zum Kreml nachgesagt. Nach Recherchen der „Rhein-Zeitung“ ist Martin offenbar Charitonins Mittelsmann, der für ihn in Deutschland die Deals einfädelt. Der 43-jährige Charitonin tritt selbst nicht auf und ist nicht zu sprechen.

Nicht ohne Baugenehmigung

Der Zweckverband ist nun fein raus. „Wir haben nichts zu verlieren. Ich bin da sehr guter Dinge“, sagt Erb. „So lange es ein schlüssiges Konzept gibt, und das wurde vorgelegt, habe ich gegen keinen Investor etwas einzuwenden“, stimmt Bruchköbels Bürgermeister Günter Maibach (CDU) zu. „Und das ist eine richtige Hausnummer.“

Maibach und Erb sind dem reichen Russen persönlich begegnet und können nichts Negatives sagen: Seriös, zurückhaltend, glaubwürdig. Kein Oligarch, kein Geldwäscher also oder gar eine Heuschrecke, wie man es auch in Rheinland-Pfalz befürchtete.

Die Gegner des Verkaufsangebots aus Kreisen des Bürgerbunds Bruchköbel (BBB), der Erlenseer CDU und Bruchköbeler FDP haben Bedenken, der Investor erwerbe die Flächen nur zu Spekulationszwecken und man liefere sich ihm aus.

Dem hält die Zweckverbandsspitze aus den beiden Bürgermeistern entgegen, dass niemand die Kosten für die Baugenehmigung, die Erb auf mindestens zwei Millionen Euro beziffert, auf sich nehmen würde, wenn er nicht von seinem Projekt überzeugt wäre. „Wenn ich spekulieren wollte, würde ich jedes Grundstück nehmen, nur nicht das“, sagt Erb mit Blick auf die Kosten für die Altlasten- und Kampfmittelbeseitigung oder Denkmalschutzauflagen mit denen das Areal nur so gespickt sei.

Von Retro Klassik war keine Stellungnahme zu bekommen.

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