Lade Inhalte...

Costa Concordia "Plötzlich ging das Licht aus"

Die Karbener Margaretha und Johann Dermann haben die Havarie der „Costa Concordia“ überlebt. Sie berichten von dramatischen Szenen, die sich an Bord des sinkenden Kreuzfahrtschiffes abgespielt haben.

19.01.2012 22:46
Monica Bielesch
Es hätte eine schöne Reise werden sollen... Foto: Rolf Oeser

Ihrem Mann Johann zuliebe hatte sich Margaretha Dermann zu der Kreuzfahrt überreden lassen. Nun ist die 74-jährige aus Karben froh, dass sie mit dem Leben davon gekommen ist. Denn das Ehepaar Dermann war bei der tragischen Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ mit an Bord und konnte sich retten.

„Wir sind seit Sonntagabend wieder zu Hause“, erzählt der 77-jährige Johann Dermann. Minuziös weiß der Rentner von den Vorkommnissen zu berichten, als das Riesenschiff vor der italienischen Insel Giglio auf Grund lief und kenterte. Elf Tote wurden seither gefunden, 21 Menschen am Mittwoch noch vermisst.

„Ich wollte schon immer mal eine Kreuzfahrt machen“, erzählt Johann Dermann. Aber schon vor der Katastrophe wurde er enttäuscht. „Das Schiff war einfach zu groß.“ Und tatsächlich: Der 290 Meter lange Luxusliner bietet in 1.500 Kabinen Platz für 3.780 Passagiere. 1.100 Besatzungsmitglieder kümmern sich um die Gäste. „Wir haben auf der einwöchigen Reise Barcelona angelaufen, Palma de Mallorca, Sardinien, Palermo und schließlich Civitavecchia.“ Pünktlich um 19 Uhr sei die Costa am vergangenen Freitag, dem letzten Abend der Reise, dort ausgelaufen, erinnert er sich. „Wir waren gerade beim Essen.“ Gegen 20.15 Uhr gingen sie in die Bar, um noch einen Cocktail zu trinken. „Gegen 21.30 Uhr sind wir zurück in unsere Kabine im 2. Stock.“ Plötzlich sei das Licht aus- und wieder angegangen. „Nach einigen Minuten gab es einen Ruck nach links, und es tat einen Schlag und das Licht ging aus.“ Danach ging das Licht nicht wieder an.

Ein Blick aus dem Fenster verrät ihm, dass sie ganz dicht am Hafen sind. „Dann sind die Türen aufgeflogen und alles ist vom Tisch runtergefallen.“ Immer mehr neigt sich das Schiff, die Menschen rennen auf den Gang. „Das Schiff lag immer schräger, im Gang musste man mit dem Rücken an der Wand laufen.“ Eine Schiffs-Durchsage habe nur von einer „technischen Panne“ gesprochen, die behoben werde. „Im Endeffekt sind wir auf eigene Faust an Deck gegangen und haben Schwimmwesten angezogen.“ Weil der Kabinentresor kaputt war, hatte Margaretha Dermann alle Ausweispapiere und Wertsachen in ihrer Handtasche dabei. „Sonst hätten wir das auch alles verloren.“

Vor den Rettungsbooten sammelten sich die Menschen, erzählen die beiden. „Die Gitter wurden nur geöffnet, weil alle so gedrängelt haben, ansonsten gab es kein Kommando dazu.“ Beim Ablassen ihres Rettungsbootes sei es zu dramatischen Szenen gekommen. Die Hydraulik habe nicht mehr funktioniert. „Mit einem Beil wurde etwas abgehackt. Mit dem Boot sind wir aufs Wasser aufgeklatscht und noch gegen das Schiff geprallt.“

Als sie endlich wieder Land unter den Füßen hatten, mussten sie warten. „Das Allerschlimmste war, dass wir zu keinem Zeitpunkt Informationen erhalten haben.“ Auf der Insel habe Chaos geherrscht. Rettungswagen kamen, nach einigen Stunden brachte ein Bus ihre Gruppe zu einer eiskalten Bergkirche, sagt Johann Dermann. „Die Leute haben sich in die Altar-Teppiche eingewickelt.“ Dann fuhr ein Bus die Menschen wieder an den Hafen. „Überall flogen Hubschrauber hin und her“, erinnert er sich. Ihre Gruppe wurde auf ein anderes Schiff gebracht, um 7 Uhr am Samstagmorgen sei es, langsam an der „Costa Concordia“ vorbei, ausgelaufen. „Als wir im Hafen von St. Stefano ankamen, sind mir endlich die Tränen gekommen.“

Mit dem Bus kamen sie nach einer Nacht im Hotel am Sonntag zurück nach Deutschland.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen