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Bahnstrecke durch den Main-Kinzig-Kreis Neues Gutachten zur Mottgers-Spange

Der Bahnausbau durch den hessischen Spessart wird wieder Thema. Die Trassenführung ist aber noch völlig offen. Mit relativ bescheidenen 180 Millionen Euro könnte der Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen viergleisig ausgebaut werden.

12.11.2010 16:34
Jörg Andersson
Über eine neue Bahntrasse durch den Spessart wird wieder diskutiert. Foto: Sascha Rheker

Eine verstärkte Ost-West-Schienenachse im Main-Kinzig-Kreis ist nach einem neuen Projektzuschnitt aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums weiter von zentraler Bedeutung. Das unterstreicht ein „optimiertes“ Gutachten der seit Jahrzehnten diskutierten Aus- und Neubaupläne.

„Mit 2,0“ schneide das Projekt im Vergleich zu anderen Strecken in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit mit am besten ab, sagt Fahrgastverbandssprecher Christian Behrendt. Das erhöhe die Chancen, die Strecke im neuen Bundesverkehrwegeplan von 2015 an so zu verankern, dass auch eine Finanzierung realistischer werde.

Bisher ist der mit grob 3,14 Milliarden Euro veranschlagte Ausbau und Neubau zwischen Hanau-Würzburg-Fulda-Erfurt als „vordinglicher Bedarf“ ausgewiesen, in der Planung jedoch seit Jahren unterbrochen, obgleich das Land, die Städte Frankfurt, Hanau und Fulda sowie die Kreise Main-Kinzig und Fulda eine Vorfinanzierung angeboten haben.

Verkehrsdezernent André Kavai (SPD) drängt seit längerem auf eine ergebnisoffene Variantenuntersuchung. Das neue Gutachten ist „explizit“ auf die Mottgers-Spange fokussiert.

Bisher hatten Bahnplaner die Verbindung durch den hessischen Spessart ausschließlich für den ICE-Verkehr mit Streckengeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern vorgesehen. Nun sollen zur Senkung von Betriebskosten Fahrzeuge bis maximal Tempo 250 und zudem auch Güterzüge dort eingesetzt werden. Elf pro Stunde in jede Richtung, so Behrendt. Die meisten Güter würden mit 80 Zügen pro Richtung weiter über die alte Strecke befördert – mit dem größten Lärmpegel.

Laut Bahn ist der Name „Mottgers-Spange“ nur ein Arbeitstitel. Tatsächlich sei die Trassenführung noch völlig offen. Aschaffenburg fürchtet, durch die Mottgers-Spange die ICE-Direktverbindung nach München zu verlieren. Behrendt: „Das bestätigt die Fahrgastberechnung im neuen Projektzuschnitt.“ Deutlich werde zudem, dass mit relativ bescheidenen 180 Millionen Euro der Abschnitt zwischen Hanau und Gelnhausen viergleisig ausgebaut werden könne, ergänzt er. Andreas Müller von den Linken nennt das Gutachten eine „Farce“. „Die Mottgers-Spange wird von 0,8 auf 2,0 schön gerechnet“, so der Kreistagsfraktionschef. Deren Bau würde mit einem katastrophalen Flächenverbrauch einhergehen, Naturschutzgebiete zerstören und Grundwasserreserven beeinträchtigen. Besser sei das Geld in den Ausbau der Kinzigtal-Strecke und modernen Lärmschutz entlang der Gleiste investiert.

Finanzierung offen

Im Bundesverkehrsministerium nennt Sprecherin Vera Moosmayer die Neubewertung eine „Inventur“, die keine Finanzierungsvorschläge biete. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe und der Kreisbeigeordnete Kavai wollten sich am Donnerstagabend mit dem Verkehrsausschuss-Vorsitzenden Winfried Hermann (Grüne) ein Bild von dem Gutachten machen. „Es ist gut, dass die Bedeutung des Projektes nachhaltig unterstrichen wurde.“ Eine Bevorzugung sei damit leider nicht verbunden, meint Raabe.

„Es muss jetzt darum gehen, die Planungsphase weiterzuführen“, meint CDU-Kollege Peter Tauber. „Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass die Strecke kurzfristig gebaut wird. Es gab nie eine Finanzierung für das Vorhaben, von der Entscheidung der Trassenführung ganz zu schweigen“, meint der Bundestagsabgeordnete.

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