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Archäologie Neue Pläne bringen Altes zutage

Archäologen finden am Hanauer Salisweg Gefäße und Urnen aus der Römerzeit. Was für die Forscher wahre Schätze sind, war für die Römer Abfall.

03.10.2014 17:30
Rebecca Röhrich
Ein Nasenbügel war Teil des römischen Pferdezaumzeugs. Foto: Renate Hoyer

Der Archäologe Frank Lorscheider dreht einen mehr als 1000 Jahre alten Flaschenhals aus dickem Glas in den Händen. „Bei den Funden handelt es sich um hochwertige Qualität“, sagt er und zeigt auch auf die anderen Keramik-Überreste, die auf dem Tisch angeordnet sind. Auch ein Teil von einem Pferdegeschirr ist unter den Exponaten. Allerdings aus Messing und nicht aus Kupfer, das damals normalerweise verwendet wurde. „Dieses Geschirr hat damals wie Gold in der Sonne geglänzt“, sagt Lorscheider und freut sich offensichtlich über seinen Grabungserfolg.

Zwei Jahre lang hatte er mit seiner Firma unter der Leitung der Landesbehörde Hessen-Archäologie dort gegraben, wo in ein paar Jahren die Verkehrsunterführung Salisweg den flüssigen Autoverkehr zwischen Hanau-Stadtmitte und dem Stadtteil Kesselstadt gewährleisten soll. Dort befindet sich aktuell lediglich ein ebenerdiger Bahnübergang, der mit einer Schranke gesichert ist. Aufgrund der Pläne der Deutschen Bahn, eine nordmainische S-Bahn-Strecke zu bauen, muss die Gleistrasse um zwei weitere Gleise erweitert werden. Eine Unterführung der Bahnübergänge wird deshalb laut Bahn und Stadt Hanau sinnvoll und vor allem notwendig.

Hanau ist reich an Artefakten

Bevor aber überhaupt gebaut werden kann, musste die geplante Baufläche archäologisch untersucht werden. Gerade im Stadtgebiet Hanau eine lohnende Tätigkeit, wie auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) betont: „Seit 150 Jahren ist Hanau für seine römischen Relikte bekannt. 1996 wurde beispielsweise bei Grabungen des Hanauer Geschichtsvereins ein Münzschatz geborgen. 1997 dann die älteste römische Quittung Deutschlands. Das Holztäfelchen, das auf den April 130 nach Christus datiert ist, wurde auch bei Grabungen in Kesselstadt gefunden“. Die aktuellen Funde sind jüngeren Datums und gehen vermutlich auf das Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus zurück. Was für die Forscher wahre Schätze sind, war für die Römer Abfall, mit dem sie ihre Gräben nach Aufgabe der Siedlung wieder auffüllten.

„Es handelt sich dort um eine interessantes topologische Gebiet“, so Lorscheider. In der Nähe der aktuellen Fundstelle ist bereits ein Kastell des ausgehenden 1. Jahrhunderts nach Christus mit Badeanlage dokumentiert. Der Spitzgraben, in dem die vermeintlichen Abfälle aus Keramik, Glas und Metall gefunden wurden, gibt den Forschern einige Rätsel auf. „Wir haben leider keine Ecken der Gräben finden können. Da stehen uns die Straßen und Bahngleise im Weg“, so Lorscheider. Wenn die Ecken einen 90-Grad-Winkel haben, handelte es sich wahrscheinlich um ein militärisches Lager. Ansonsten könnte es auch eine zivile Siedlung gewesen sein.

Ein Paradies für Jungforscher

Die Exponate und Dokumentationen werden jetzt archiviert. Martin Hoppe, Leiter des Fachbereichs Kultur der Stadt Hanau, hofft, dass sich angehende Doktoranden finden, die ihre Promotion diesen besonderen Funden widmen möchten. „Das ist auf jeden Fall Material für mehrere Doktorarbeiten“, fügt Bezirksarchäologe Guntram Schwitalla von Hessen-Archäologie hinzu.

Die archäologischen Untersuchungen sind jetzt abgeschlossen. Wann mit den Bauarbeiten für die Unterführung begonnen werden kann, ist noch offen. „Die Deutsche Bahn muss jetzt erst mal auf den Planfeststellungsbeschluss für die Trassenerweiterung warten“, so Peter Preis, Leiter der Abteilung für Verkehr und Straßenbewirtschaftung der Stadt Hanau. Und das kann dauern. Denn die Pläne für den Ausbau der S-Bahn-Strecke müssen noch für alle betroffenen Eigentümer bis Ende Oktober zur Einsicht offen liegen. Bis dann alle eventuellen Einwände geprüft sind, können viele Jahre vergehen. Beim Bahnübergang Burgallee in Kesselstadt hat der Prozess vier Jahre gedauert.

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