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Arbeitnehmer im Main-Kinzig-Kreis Niedrige Löhne in Kreis-Firmen

Hunderte Beschäftigte in Unternehmen, an denen der Main-Kinzig-Kreis beteiligt ist, erhalten einen Stundenlohn unter 12,63 Euro brutto. Die Linke will das nicht hinnehmen.

Von 3356 Beschäftigten in Unternehmen, an denen der Main-Kinzig-Kreis beteiligt ist, erhalten 308 einen Stundenlohn unter 12,63 Euro brutto, 15 unter 10,80 Euro. Besonders weit verbreitet sind diese niedrigen Löhne in einer Tochterfirma der Alten- und Pflegezentren (APZ) gGmbH, der APZ Service GmbH. Hier bekommen 146 von 157 Mitarbeitern, die Heimbewohner unter anderem mit Speisen versorgen oder den Reinigungsdienst übernehmen, weniger als 12,63 Euro. In seinem Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtungen zahlt der Kreis neun von 33 Beschäftigten weniger als 10,80 Euro pro Stunde.

Das geht aus der Antwort des Kreises auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor. Der Mindestlohn liegt aktuell bei 8,84 Euro. Die Linke nimmt die beiden genannten Werte zum Maßstab, weil man laut einer Rechnung des Bundesarbeitsministeriums derzeit einen Stundenlohn von mindestens 12,63 Euro braucht (über 45 Jahre bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden), um Anspruch auf eine Rente über der Grundsicherung zu haben. Und 10,80 Euro pro Stunde muss man nach Berechnungen des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts verdienen, um in Städten wie Frankfurt leben zu können, ohne mit Hartz IV aufstocken zu müssen.

Für die Antwort wurden rund 20 kreiseigene Firmen betrachtet. In der APZ gGmbH, die sich nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) richtet, werden demnach 13,4 Prozent der 823 Beschäftigten mit weniger als 12,63 Euro bezahlt, in den Main-Kinzig-Kliniken gGmbH nur ein Mitarbeiter. In deren Tochter, einer Service GmbH, sind es hingegen 41 von 660. Alle anderen Firmen, etwa der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft, bezahlen stets mehr. 

Zuschläge und Sonderzahlungen hat der Kreis anteilig auf den Brutto-Stundenlohn umgelegt. Geringfügige Beschäftigungen wurden berücksichtigt, nicht aber Praktikanten oder Azubis.

Main-Kinzig-Kreis weist Kritik an Löhne zurück

Die Zahlen zeigten, „dass etwas getan werden muss“, sagt Linken-Fraktionschef Andreas Müller. Insgesamt fast zehn Prozent der Löhne in kreiseigenen Firmen unter 12,63 Euro oder unter 10,80 Euro – das sei ein viel zu hoher Wert. „Jeder Einzelne, der weniger verdient, ist einer zu viel“, kritisiert Müller und fordert deutliche Steigerungen, besonders in den Alten- und Pflegezentren. Eine niedrige Bezahlung ergebe auch auf lange Sicht keinen Sinn, da die Betroffenen später auf Grundsicherung angewiesen sein würden, was der Staat finanzieren müsse. 

Der FR teilt Kreissprecher John Mewes dazu mit: „Der Main-Kinzig-Kreis und seine Gesellschaften zahlen faire Löhne, die im Einzelfall marktüblich unter 12,63 Euro liegen.“ Bei den Kliniken betreffe dies 2,5 Prozent der Beschäftigten. Ihre Löhne sollen in den kommenden drei Jahren stufenweise auf 12,66 Euro angehoben werden, kündigt er an. Der Stundenlohn von 10,88 Euro bei der Service GmbH der APZ liege über den Leistungen der meisten Mitbewerber. „Hier laufen allerdings bereits konkrete Gespräche mit Verdi, um die Beschäftigten wieder in die ,Muttergesellschaft‘ zu überführen und damit eine deutlich bessere Entlohnung zu erreichen.“ Neun betroffene Mitarbeiter des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen sind nach Angaben des Sprechers Aushilfen, Rentner und Studenten, die stundenweise „einfache Tätigkeiten“ erledigen.

Anette Hergl, Verdi-Fachsekretärin für Altenpflegeeinrichtungen, bestätigt, dass es in den APZ bald keine zwei Klassen mehr geben soll; ab Januar 2019 soll für alle der TVöD in der Pflege gelten. Die Verhandlungen seien im Prinzip abgeschlossen. „Es sieht sehr gut aus. Wir begrüßen diese Entwicklung, für die sich auch die Geschäftsführung der APZ eingesetzt hat.“ 

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