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Kriminalität Sankt-Martins-Fest Polizei schützt Kinder bei Laternenumzug

Nach wüsten Beschimpfungen gegen eine Kita in Bad Homburg werden bewaffnete Polizisten den Laternenumzug von Kindern begleiten. Die Einrichtung ist nach einer Meldung über eine vermeintliche Abkehr von Sankt Martin Opfer eines Shitstorms geworden.

Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne: Am Martinstag ziehen wieder Tausende Kinder singend durch die Straßen. (Symbolbild) Foto: C. Boeckheler

Wenn am heutigen Donnerstag der Laternenumzug der Bad Homburger Kindertagesstätte Leimenkaut startet, werden Beamte von Stadt- und Landespolizei mitlaufen. Sie sollen die Sicherheit gewährleisten. Anlass war ein Bericht in der „Taunus-Zeitung“, die vor einer Woche im Lokalen getitelt hatte: „Mond und Sterne statt St. Martin – Homburger Kita benennt das Martinsfest um“. Die Geschichte legte nahe, dass die Kita nicht zu Sankt Martin einlade, sondern ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ feiere. Mit dieser „Umbenennung“ solle Rücksicht auf die Kinder und Eltern anderer Kulturkreise genommen werden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Eltern.

„Es ist aber falsch“, sagt der Bad Homburger Stadtrat Dieter Kraft (Grüne), in dessen Verantwortungsbereich als Sozialdezernent die städtischen Kitas fallen. Es handele sich eben nicht um einen spontanen Anflug von politischer Korrektheit gegenüber Nicht-Christen. „Das Fest ist nie umbenannt worden, es heißt seit mehr als 25 Jahren dort so“, betont Kraft. Der Titel beziehe sich auf das allseits bekannte Kinderlied: Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne. Es sei außerdem zu einem „Sankt-Martins-Feuer“ nach dem Umzug eingeladen worden. Die Kontroverse ist jedoch längst losgetreten und nimmt dabei hässliche Züge an. Das islamfeindliche Internet-Forum „Politically Incorrect“ hat seine Leser aufgerufen, der Kita ihre Meinung zu sagen.

240 Mails gingen bei dem Kindergarten und der Stadt ein, die meisten enthalten Beschimpfungen und Drohungen. „Wir werden Eure Hütte verbrennen. Wir werden Euch niederschlagen“, zitiert Kraft, den selbst 40 solcher Mails erreichten. Er wird Strafanzeige in mehreren Fällen erstatten. Die Nachricht von der vermeintlichen Umbenennung läuft am Mittwoch über die Nachrichtenagenturen. Fernsehen und Rundfunk berichten.

Angst um Brauchtum

In Wiesbaden meldet sich der Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises in der hessischen CDU (EAK), Staatsminister Axel Wintermeyer, zu Wort. Er betrachte den Vorgang „mit großer Sorge“. Wintermeyer konstatiert bei den Kita-Verantwortlichen „ein zerrüttetes Verhältnis zum Glauben und zur christlichen Tradition“. Wie käme man sonst dazu, einen tief verankerten Brauch wie das Sankt-Martin-Fest ohne Not durch einen solchen Kunstbegriff ersetzen zu wollen? Und dann wolle die Stadt das mit ihren Beteuerungen auch noch herunterspielen. „Das lässt tief blicken“, findet Wintermeyer.

Elke Voitl, Referentin der Stadträtin Sarah Sorge (Grüne) und zuständig für die städtischen Kitas in Frankfurt, sieht keine Tendenzen, dass christliche Brauchtümer gefährdet seien könnten. In Frankfurt gebe es viele verschiedene Kita-Träger, so vielfältig seien auch die Konzepte und Feste der Einrichtungen. „Ich weiß, dass manche ihre Feste wechseln, etwa in einem Jahr St. Martin feiern und das Jahr darauf das Lichterfest.“ An sie sei noch niemand mit Problemen oder Beschwerden herangetreten.

Tags zuvor hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi die vermeintliche Umbenennung als „absoluten Unsinn“ bezeichnet. Er nannte es „höchst gefährlich und schädlich für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, wenn sie ihre Wurzeln leugne, um anderen zu gefallen. Tipi will sich nun selbst ein Bild machen: Er erwägt, der Kita einen Besuch abzustatten.

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