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Stenografenverein Langen Die Kunst des Schnellschreibens

Regine Hoppe aus Langen ist Hessenmeisterin im Steno- und Tastaturschreiben. Doch die Nachfrage nach Lehrgängen beim örtlichen Stenografenverein lässt stark nach. Von Sigrid Aldehoff

Regine Hoppe ist in der Kurzschrift eine der Schnellsten in Deutschland. Foto: FR/Surrey

Vor Gericht geht es bei Regine Hoppe kurz und schnell: Mit geschwungenen Linien, Punkten und Strichen protokolliert sie die Verhandlungen so flott mit, dass sie hessenweit konkurrenzlos ist. Die Vorsitzende des Stenografenvereins 1897 Langen ist amtierende Hessenmeisterin in der Kombination Steno- und Tastaturschreiben (550 Anschläge pro Minute über 30 Minuten Schnellschreiben, 375 Silben in Steno); regelmäßig holen Mitglieder des traditionsreichen Vereins Titel auf Landes- und Bundesebene.

Doch die Nachfrage nach den Lehrgängen im Stenografieren, die der Verein regelmäßig anbietet, wird immer geringer. War noch vor 30 Jahren die Kenntnis der Kurzschrift nahezu unabdingbar für eine Bewerbung um einen Bürojob und jeder Steno-Kurs ein Selbstläufer, kommt heute nur noch alle ein bis zwei Jahre ein solcher Kurs zustande."Wir sind einer der wenigen Vereine, die überhaupt noch Stenografie anbieten", sagt Steno-Trainer Michael Raub, viele Vereine der Umgebung würden die wenigen Interessenten inzwischen an sie weiter verweisen. "Die Mühe, noch einmal neu schreiben zu lernen, will in unserer kurzlebigen Zeit kaum noch einer auf sich nehmen", nennt Hoppe als den Hauptgrund für das langsame Verschwinden der Stenografie.

Denn zunächst gilt es, die Kürzel für jeden Buchstaben zu lernen, bevor man sich langsam an Silben und Wörter herantastet. "Man braucht etwa ein Jahr Übung, bis man mitschreiben kann", sagt Unterrichtsleiterin Christine Fels-Berg, die beim Stenografen-Verein vor allem Kurse im Tastatur-Schreiben gibt. Viermal so schnell wie mit der Langschrift könne man dann protokollieren. Regine Hoppe ist etwa zehn bis zwölfmal so schnell. "Ich muss auch nicht mehr üben, das mache ich ja am Amtsgericht den ganzen Tag."

Wer aber denkt, dass Stenografieren den Schmierfinken entgegenkomme, wird schnell korrigiert. "Bei den Meisterschaften muss man einen Text erst in Kurzschrift schreiben und dann wieder zurückübersetzen", erklärt Michael Raub. Wer einen Strich oder einen Punkt an die falsche Stelle setze, komme da schnell ins Straucheln.

Wirklich gebraucht würden heute nur noch die Stenografen bei Gericht oder in den Parlamenten. Allerdings sei die Fähigkeit zum Stenografieren eine hervorragende Voraussetzung für das Studium oder eine wertvolle Ergänzung für Berufe, bei denen man Notizen machen müsse, werben Hoppe und Fels-Berg.

Aber nicht nur als Trainer, auch als Übersetzer sind die Vereinsmitglieder hin und wieder gefragt: An sie wenden sich häufiger Privatpersonen, wenn es um das Übersetzen von alten Dokumenten aus der Kurzschrift in die Langschrift geht - etwa Kriegstagebücher von verstorbenen Verwandten, alte Kalendereinträge oder Liebesbriefe.

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