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Stadt und Kreis Offenbach Die Waldbrandgefahr steigt

Das Forstamt sehnt Regen herbei. Denn mit jedem Tag steigt die Waldbrandgefahr. Gebraucht werde ein Landregen über mehrere Stunden. Gewitter bringen wenig.

Staubtrockenes Unterholz im Wald bei Neu-Isenburg: Noch „brandgefährlicher“ als Laubwald ist Nadelholz. Foto: Monika Müller

Rund vier Wochen lang kein Regen. „Es wird langsam kritisch“, sagt Michael Löber. Ihm geht es nicht um Roggen, Weizen oder Hafer, sondern um „seinen“ Wald. Der stellvertretende Leiter des Forstamts Langen, das für die Stadt und den Kreis Offenbach zuständig ist, spricht von der Waldbrandgefahr, die mit jedem Tag ohne Regen steigt. Starke Sonneneinstrahlung und permanenter Wind trocknen aus, der Boden ist mit dürrem Reisig und Nadeln übersät. Ein kleiner Funke reicht aus.

Zwar sind für die nächsten Tage Niederschläge vorhergesagt, doch laut Wetterbericht hätte es in letzter Zeit schon öfter regnen sollen. Hat es aber nicht. „Die Wolken regnen sich am Taunus oder Odenwald ab, und bei uns bleibt es trocken“, sagt Löber. Ein paar Tage lang „einen ordentlichen Landregen über mehrere Stunden“ wünscht er sich. Gewitter bringen, so erklärt er, da wenig: Ein Großteil des Wassers kann nicht in den Boden eindringen, der Platzregen fließt oberflächlich ab. Darüber hinaus verdunstet viel in den Baumkronen.

Im Moment hat das Hessische Umweltministerium, das die Waldbrandgefährdung festlegt, noch keine offizielle Alarmstufe ausgerufen. „Wenn sich die Witterung so weiterentwickelt, ist das aber nur noch eine Frage der Zeit“, macht Löber klar. Für Süd- und Mittelhessen besteht jedenfalls schon eine fortgesetzt hohe Waldbrandgefahr.

Gefahrenlage im Nadelwald größer

Besonders kritisch ist es in Beständen, in denen überwiegend Nadelholz steht – vor allem rund um Langen, Rodgau, Rödermark, Heusenstamm und Mühlheim. „In den Nadeln und dem feinen Reisig am Boden sind Harze und ätherische Öle gebunden“, begründet er, warum die Gefahrenlage im Nadelwald größer ist als im Misch- oder Laubwald.

Wenn Alarm ausgelöst wird, verstärkt das Forstamt Langen die regelmäßigen Kontrollen und erhöht den Bereitschaftsgrad. Die Mitarbeiter sind dann auch am Wochenende stets über Handy erreichbar, die örtlichen Feuerwehren werden über die angespannte Lage informiert. Das Grillen an Grillplätzen und offenen Freizeitanlagen ist dann untersagt. Die Hinweisschilder auf Waldbrandgefahr, die mancherorts zu finden sind, werden aber nicht extra angebracht. Sie stehen ganzjährig an frequentierten Stellen.

Zwölf bis 15 kleinere Feuer von 100 bis 2000 Quadratmetern Fläche zählt das Forstamt Langen laut Löber in jeder Sommersaison. „Ein großer Teil ist vorsätzlich gelegt, wenn einer zündelt“, sagt Löber. Bäume werden aber auch durch brennende Zigaretten oder noch glühende Grillkohle ein Raub der Flammen. Feuer durch Blitzschlag ist ihm selbst noch nicht untergekommen. „Die Bäume werden zwar vom Blitz oft gespalten, sind aber nicht so trocken, dass sie sich entzünden.“

Feuer schnell registriert

Immer wieder mal brennt es seiner Aussage nach im Langener Stadtwald rund um den Waldsee. „Einen richtigen Waldbrand hatten wir aber schon lange nicht mehr“, stellt er fest. Das ist schnellem Eingreifen zu verdanken. „Die Feuer sind schnell registriert, weil der Wald bei uns im Rhein-Main-Gebiet stark frequentiert ist und auch die Piloten der Flugzeuge die Rauchsäulen sehen und melden.“

Nur die wenigsten wissen, dass lange Trockenheit nicht nur für Landwirte, sondern auch für Forstleute Ernteausfall bedeutet. „Durch lange Trockenheit kann das Laub vertrocknen, die Blätter rollen sich ein, die Photosynthese fällt aus“, sagt Löber. Folge: Der Zuwachs an Holz ist deutlich geringer.

Auch die Schädlinge werden durch eine solche Witterung begünstigt. „Borkenkäfern, Frostspannern und Kiefernspannern gefällt’s, wenn es lange warm ist“, sagt der Mann von Hessen Forst. Im Moment sei die Situation aber noch nicht besorgniserregend – auch wenn sich die Frostspanner schon an den Waldrändern über das Laub der Eichen hergemacht haben. Die Borkenkäferpopulation werde jedenfalls größer werden, wenn weiter fleißig die Sonne scheint.

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