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Schulen in Hessen Lehrer beklagen Überlastung

Immer mehr Lehrer des Landkreises Offenbach haben in den letzten Jahren Überlastungsanzeigen verschickt - nun steht Kultusminister Alexander Lorz in der Kritik, sich nicht genügend darum zu kümmern.

Alexander Lorz
Kultusminister Alexander Lorz bei einer Plenarsitzung des hessischen Landtags im Juli 2014. Foto: imago stock&people (imago stock&people)

„Ich sehe Müdigkeit in den Gesichtern der Kollegen“, sagt Birte Krenz, die an der Neu-Isenburger Goetheschule als Gymnasiallehrerin arbeitet. Dann erzählt sie von ihrer 50-Stunden-Woche, von emotionalen Belastungen, von der Unmöglichkeit, ihre vielen Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern und von stetig neuen Anforderungen, mit denen sich die Lehrkräfte verschiedener Schulformen konfrontiert sehen.

Krenz ist Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Lehrkräfte beim Staatlichen Schulamt für Stadt und Kreis Offenbach – und hat nun über den Weg der Pressemitteilung wieder einmal Alarm geschlagen: Ihr zufolge haben alleine in der Stadt und im Landkreis Offenbach in den letzten Jahren Kollegien von mehr als 30 Schulen kollektive Überlastungsanzeigen an das Kultusministerium übermittelt – also Informationen darüber, dass das Personal der jeweiligen Schule überlastet ist. Diese Anzeigen gibt es vielerorts. Der Offenbacher Gesamtpersonalrat fordert unter anderem eine Verringerung der Arbeitszeit und mehr Lehrkräfte.

„Überlastungsanzeigen sind ein verzweifelter Hilferuf“, sagt Krenz. Kritik übt sie vor allem an Kultusminister Alexander Lorz (CDU): Der habe persönlich bislang weder auf die Überlastungsanzeigen, noch auf ein Schreiben des Gesamtpersonalrats aus Offenbach vom November geantwortet. In der Lehrerschaft stoße das „auf Befremden und Unverständnis“ – man wünsche sich ein „Signal vom Kultusministerium“, dass diese Probleme ernst genommen werden, sagt Krenz.

Nach Angaben von Stefan Löwer, dem Sprecher des hessischen Kultusministeriums, habe Lorz „alle Schreiben, die an ihn gerichtet waren, persönlich gelesen und zur Kenntnis genommen“. Auch nehme das Ministerium „den Inhalt der Schreiben sehr wohl ernst“. Überlastungs-Mitteilungen leite man an die jeweiligen Staatlichen Schulämter weiter, da man sich vor Ort besser mit den Gegebenheiten auskenne.

Susanne Meißner, die das Staatliche Schulamt in Offenbach leitet, bezeichnet diese Entscheidung als „nachvollziehbar“. Meißner führt regelmäßig mit Vertretern der Kollegien, die Überlastung angezeigt haben, persönliche Gespräche. So ließe sich etwa herausfinden, ob die jeweilige Schule die ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen bereits so effizient wie möglich nutze, erläutert Meißner. Krenz lobt die Amtsleiterin für diese Gespräche – ist aber der Meinung, dass die Schulämter „nicht viel ändern“ könnten. Kritik kommt auch von der SPD: Dass Überlastungsanzeigen in Hessen „an der Tagesordnung“ seien, zeige, dass „eine individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern nicht mehr möglich ist“, lässt sich die Landtagskandidatin der Offenbacher SPD, Nadine Gersberg, in einer Pressenotiz zitieren.

Das Kultusministerium verweist auf eine lange Liste laufender Maßnahmen, mit denen Lehrkräfte entlastet werden sollen. Ein Beispiel aus dieser Liste sind zusätzliche Stellenzuweisungen für Schulen, die in einem „besonders schwierigen sozialen Umfeld“ arbeiten. Gerade Offenbach profitiere davon, heißt es.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

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