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Rödermark Bürostühle mit Ökoanspruch

Der Firmenchef des Sitzmöbelherstellers Köhl in Rödermark hält es mit der Nachhaltigkeit und produziert Bürostühle mit Ökoanspruch.

Firmenchef Thomas Köhl (hinten) lässt die Mitarbeiter die Bürostühle schon beim Zusammenbau immer wieder testen. Foto: Annette Schlegl

Büro- und Konferenzstühle sind der Broterwerb, dem sich Thomas Köhl aus Rödermark seit 1992 verschrieben hat. Sein Steckenpferd aber ist anderes: Umweltschutz und Nachhaltigkeit. In seinem Familienunternehmen, der Sitzmöbelmanufaktur Köhl, hat der 50-Jährige Pflicht und Kür unter einen Hut gebracht – und ist damit beispielgebend: Der Betrieb in Ober-Roden bezieht keinerlei fossile Brennstoffe, versorgt sich komplett selbst aus erneuerbaren Energien – und speist sogar Strom ins Netz ein. Auch im Herstellungsprozess ist die „Ökobegeisterung“ des Firmenchefs immer und überall zu spüren.

Findige Köpfe sitzen in der Entwicklungswerkstatt des Sitzmöbelherstellers. Sie haben Anfang der 90er Jahre die Bandscheibenstütze für Bürostühle entwickelt, die im Stecksystem serienmäßig eingebaut werden kann. Seitdem ist bei Köhl für die vielen „Schreibtischtäter“ in Deutschland und Europa ergonomisch viel passiert: Taschenfederkerne wurden in die Sitzflächen der Bürostühle eingebaut, Bauteile aus der Autoindustrie, wie etwa Kopfstützen und Verstellhebel fanden Verwendung, ein Zweikammer-Luftkissen für bewegtes Sitzen, das selbst nach Belieben justiert werden kann, wurde ins Sitzpolster integriert.

Letzteres ist ein Alleinstellungsmerkmal, auf das Thomas Köhl besonders stolz ist. Der „Air-Seat“, der bei der Kölner Messe Orgatec im Jahr 2014 erstmals vorgestellt wurde, ist ein Verkaufsschlager. Die Interessengemeinschaft der Rückenschullehrer ist von dem System, das die Rückenmuskulatur beim Sitzen trainiert, genauso begeistert wie die Kunden. Rund 10 000 Auftragseingänge erwartet der Unternehmer in diesem Jahr allein für den Air-Seat. Deshalb findet sich diese Innovation bald nicht nur in Büro-, sondern auch in Konferenzstühlen. Im Oktober sollen diese Modelle erstmals auf der Orgatec vorgestellt werden.

Eine halbe Million Euro hat Köhl im Vorjahr in die Entwicklung von Prototypen investiert. In den Klimaschutz fließen ebenfalls große Summen: Allein die Öko-Energiequellen, mit denen Produktionshallen und Verwaltungsbau versorgt werden, haben mehr als eine Million Euro verschlungen. „Ich kann nicht ein Produkt herstellen, das gesundheitsfördernd ist, und dann nicht nachhaltig wirtschaften“, sagt er. Der Opa sei Landwirt gewesen, erzählt er, da habe die Ökologie für ihn schon von klein auf eine große Rolle gespielt.

Die ressourcenschonende Firmenphilosophie des Unternehmers begegnet dem Besucher an allen Ecken und Enden. Die Display-Wände im Showroom sind umgebaute ehemalige Messestände, die Köhl vor der Entsorgung „rettete“, bedrucktes Papier wird noch von der anderen Seite beschrieben, die Bürostühle werden mit Ökodecken in Container verladen, zerlegbare Mehrzweckgitterboxen kommen im Lager zum Einsatz, in den Fertigungshallen sind die Leuchtstoffröhren durch LED-Lampen ersetzt. „2012 eine große Investition, die sich aber innerhalb von vier Jahren amortisiert“, sagt Köhl.

Über der gesamten Fertigung sitzt ein isoliertes Thermodach, das eine Klimaanlage überflüssig macht. Eine 3700 Quadratmeter große Photovoltaikanlage auf dem Gebäude kann jährlich rund 100 000 Kilowattstunden Ökostrom erzeugen. „Wir haben im vergangenen Jahr mehr Ökostrom an unseren Energieversorger geliefert als wir abgenommen haben“, sagt Köhl stolz. Zwei Drittel des Gebäudes sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet, die mit Luft-Wasser-Wärmepumpen betrieben wird. Eine Pelletheizung erwärmt den alten Betriebsbereich. Das Dach des Showrooms ist begrünt.

Der 50-Jährige macht kein großes Aufhebens davon, dass unter den Zulieferern für das Unternehmen neben Alu-, Kunststoff-, Leder- und Schaumherstellern auch 20 Behinderte sind. Seit rund fünf Jahren lässt er in der Rödermärker Außenstelle der Werkstätten Hainbachtal Komponenten vormontieren – wie etwa die Rollen der Drehstuhlfüße.

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