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Rodgau Rad statt Rollstuhl

Andreas Beseler hat MS, braucht Gehhilfen und fährt 3000 Kilometer in Kanada

14.08.2012 22:14
Claudia Wenhardt
Per Rad durch Kanada – trotz Krankheit: Andreas Beseler. Foto: Oeser

Rad statt Rollstuhl“ ist Andreas Beselers Mission, sein Leben, seine Chance. Denn der 46-Jährige ist seit 20 Jahren an Multipler Sklerose (MS) erkrankt, aber auf dem Fahrrad kämpft er seit Jahren gegen die zunehmende Versteifung an, die die unheilbare Krankheit mit sich bringt.

Bis dahin war es ein langer Weg für den Jügesheimer. Denn schon kurz nach der Diagnose 1992 war an ein normales Leben kaum mehr zu denken: Das Laufen fiel Andreas Beseler, der von seinen Freunden einfach nur Besi genannt wird, immer schwerer. Muskeltonus (Verspannung) und Spasmus wurden immer schlimmer. „Für 50 Meter habe ich eine halbe Stunde gebraucht, ich wurde immer steifer und oft habe ich durch den Muskeltonus unkontrolliert irgendwas umgehauen.“

Durch viel Training auf dem Rad, im Schwimmbad und Fitnessstudio, mit regelmäßigen Rehas und durch seinen eisernen Willen schaffte Beseler es, dem Schicksal Rollstuhl dennoch zu entgehen. „Und jetzt will ich mit meinem Projekt „Rad statt Rollstuhl“ anderen MS-Erkrankten Mut und Hoffnung geben“, sagt er. „Ich möchte zeigen, dass man trotz einer schweren Erkrankung die Lebensfreude erhalten kann.“

Das jahrelange harte Training hatte positive Folgen: Seit 2006 nimmt Beseler wieder regelmäßig an großen Radtouren teil, wie etwa dem Gerolsteiner Tour-Festival oder der Jeantex Transalp. 2011 holte er den ersten Platz bei der Mallorca M312 mit einem neuen Streckenrekord und erreichte bei der Ironman 70.3 European Championship Mixed Staffel den zweiten Platz.

Aber ihn täuschen die Erfolge nicht über die schlimmen Seiten der Krankheit hinweg. Sobald sein Körper sich entspannt, etwa beim Einschlafen, setzt der Muskeltonus ein. Langes Sitzes oder Liegen führt zur Versteifung und durch die Gehhilfen, die er auf längeren Strecken braucht, hat er Arthrose in den Schultern.

Von all dem will Beseler sich nicht schrecken lassen. Er hat sein Ziel für 2013 gesteckt: Seine Geschichte erzählen und anderen Betroffenen Mut machen – und zwar auf eine ganz besondere Art. Denn Beseler wird 3000 Kilometer mit dem Rennrad durch die kanadischen Rocky Mountains fahren, von Whitehorse nach Vancouver. Ein Freund wird ihn mit einem Wohnmobil begleiten.

„Kanada ist neben dem Radfahren meine zweite Therapie“, sagt Beseler. Durch seine Aufenthalte im kanadischen Kitimat habe er neue Kraft und Lebensmut getankt. „Beim Lachsfischen und der Bewegung in der Natur – wenn auch mit Gehhilfe – habe ich automatisch die Übungen wie in der Reha-Klinik gemacht.“

Erste Sponsoren für die große Tour hat er bereits gefunden, Storck Bicycle stellen ihm zwei Profi-Räder und die Ausrüstung zur Verfügung, von zwei kanadi-schen Reiseanbietern bekam er das Wohnmobil vergünstigt. Dennoch hofft er auf weitere Unterstützung. Denn alle Erlöse, die sich aus seinem Projekt „Rad statt Rollstuhl“ ergeben, will er der Nathalie Todenhoefer Stiftung widmen, die sich für MS-Kranke einsetzt.

Beseler will sich dem Schicksal MS nicht ergeben, im Gegenteil: „Ich will mich so lange wie möglich durch den Sport fit halten.“

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