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Rodgau Preisgekrönte Drachenbändiger

Aiolos-Mitglieder trainieren nahe des Badesees / Weltmeister in den Reihen.

Hoch hinaus wollen die Mitglieder des Vereins Aiolos auf einer Wiese am Badesee in Nieder-Roden. Foto: Renate Hoyer

Dieser Krake ist ein wahres Monstrum: Satte 28 Meter misst er von der Spitze der Fangarme bis zum Kopf. Zum Glück zeigt sich der orangene Riese gutmütig. Er ist ja auch nicht im Wasser, sondern am Himmel zu finden: An schönen Tagen flattert er im Wind am Feld des Badesees Nieder-Roden. „Der Krake ist nicht nur Vereinsmaskottchen, sondern auch unser größter Drache“, sagt Jan Machacek, Vorsitzender des Drachenclubs Aiolos Rodgau. Bei gutem Wind sind die Drachen des Vereins schon von Weiten zu sehen: fantasievolle Figuren wie riesige Kugelfische, Bienen oder eine bunte Rinderherde.

Wobei die bunte Rinderschar, die nur wenige Meter über den Boden abheben kann, genau genommen keine Drachen sind: Es sind Windspiele, die nicht lenkbar sind und die an die Flugleine der Drachen gehängt werden. Bis zu einer Höhe von 100 Metern dürfen die Drachen fliegen. „Für alles andere muss man beim Luftfahrtbundesamt eine Genehmigung beantragen“, sagt Machacek. Doch im Rhein-Main-Gebiet erhält man diese wegen des Flugverkehrs nicht.

Bastelladen statt Discounter

Ein guter Drache für Einsteiger koste rund 20 bis 30 Euro, sagt das Vereinsmitglied Tim Diederich. Von den billigen aus dem Discounter sollte man seiner Meinung nach besser die Finger lassen. „Die sind zu schwer, haben den falschen Schnitt und wollen nicht recht fliegen“, sagt er. Im Bastelladen gebe es aber gute Einsteigermodelle.

Oder man fertigt sie gleich selbst, wie es seine Frau Kathrin macht. „Schwer ist das eigentlich nicht“, sagt sie, „man muss nur darauf achten, dass der Stoff gerade und symmetrisch wird, sonst bekommt der Drache später einen Drall in eine Richtung.“ Als Stoff ist Spinnaker üblich, ein wind- und wasserundurchlässiges Material, das auch Segler nutzen.

Ein leichter Wind ist am Boden zu spüren, hoch über den Köpfen der Mitglieder flattern deren Drachen im Wind. „Was wir hier im Binnenland kennen, ist doch gar kein richtiger Wind“, sagt Arthur Pawletko. „Kein Vergleich zu dem Wind, der an der Nord- oder Ostsee herrscht.“ Dort gebe es viele gute „Windspots“, die bei Drachenfreunden beliebt sind.

„Auf Sylt hat mich mein kleiner Lenkdrache mal zwei Meter in die Luft gehoben“, sagt Karl-Heinz Moritz und deutet auf einen weißen Drachen von zwei Quadratmetern Fläche. Welche Kräfte in rund 30 Metern Höhe über Rodgau wirken, ist zu sehen, als er den Drachen startet: Nach einem kräftigem Ruck hebt sich der Drache und gewinnt rasch an Höhe. Die Armmuskeln des 71-Jährigen sind angespannt, als er den Drachen über die beiden Leinen im Wind lenkt.

Frisch gebackene Weltmeister

„Drachenfliegen ist richtiger Sport“, sagt Machacek. Einige Vereinsmitglieder aus Flörsheim waren erst kürzlich bei der Drachen-Weltmeisterschaft in China und gewannen in der Kategorie Synchronflug. „Bei Wettbewerben wird darauf geachtet, wie der Drache verarbeitet und wie er gestaltet ist“, sagt Machacek, „außerdem kommt es auf das Flugbild an.“ Ansonsten sei es ein ruhiger Sport, um die Seele baumeln zu lassen. „Den Drachen im Wind zuzuschauen, ist herrlich entspannend.“

Bei einem Wettbewerb möchte auch der achtjährige Fynn mitmachen. Mit seinem Zwei-Leiner-Lenkdrachen übt er fleißig. Andere befestigen eine Kamera an ihrem Drachen und machen Bilder aus rund 80 Metern Höhe. Kite Aerial Photography (Kap) nennt sich das. „Ich mache damit viel Landschaftsfotografie“, sagt Antonio Pereira aus Mainz, „solche Perspektiven fängt man sonst nicht ein.“ Angst um seine Kameras hat er dabei nicht. „Die kommen ja wieder runter“, bemerkt er trocken.

www.drachenclub-aiolos.de

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