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Rodgau Nahrung für zwei Euro

Der „Tante Emma“-Laden im Rodgauer Stadtteil Jügesheim bietet sozial Schwachen Lebensmittel und Beratung an.

07.01.2011 11:14
Dirk Rüsing
Vor dem Laden muss niemand warten. Foto: Renate Hoyer

Für zwei Euro hat Nicole Gehrke gestern Morgen Lebensmittel eingekauft. Dafür hat sie Brot, Gemüse, Obst und andere Nahrungsmittel für fünf Personen bekommen. „Das reicht uns eine ganze Woche lang“, sagt die dreifache Mutter. Weil ihr Mann nur wenig verdient und sie selbst wegen der Kinder nicht arbeitet, kommt Gehrke regelmäßig zum Einkauf in den Jügesheimer „Tante-Emma“-Laden.

Hier bekommen Hartz-IV-Empfänger und Menschen mit kleinem Einkommen gute Lebensmittel, die Supermärkte sonst wegwerfen würden – etwa Backwaren und Gemüse vom Vortag oder Milchprodukte und Konserven, deren Haltbarkeitsdatum knapp abgelaufen ist. Täglich holen ehrenamtliche Fahrer die Waren bei Discountern, Bäckern und auch bei Landwirten aus der Region ab, ohne dafür zahlen zu müssen.

Nicole Gehrke ist eine von 845 bedürftigen Menschen aus Rodgau, die in dem Laden an der Hintergasse zu Minipreisen mit Lebensmitteln versorgt werden. „Damit erreichen wir etwa ein Drittel der tatsächlich bedürftigen Menschen im Stadtgebiet“, sagt Lothar Mark. Er ist Mitinitiator des Vereins „Tante Emma“. Seit Juni 2010 betreibt dieser den Laden vis-à-vis des Jügesheimer Bürgerbüros.

Lebenshilfe im Angebot

In seinen Räumen will der Verein sozial schwachen Menschen laut Mark neben billigen Nahrungsmitteln vor allem Lebenshilfe bieten. Die Möglichkeit, sich günstig zu versorgen, helfe den Menschen, Vertrauen zu fassen, sagt er. „Wenn sie sich uns öffnen, können wir helfen, ihre Probleme zu lösen.“

Die Klientel bekommt etwa Hilfe bei Behördengängen, Unterstützung bei Bewerbungen oder niedrigschwellige Schuldenberatung. Zudem gibt es Kurse zum Thema Ernährung. „Die Leute lernen hier, wie sie nahrhaft, gesund und vor allem günstig kochen können“, sagt Lothar Mark.

Zu diesem Zweck ist der „Tante-Emma“-Laden zweigeteilt. Im hinteren Raum erfolgt der Lebensmittelverkauf. Davor gibt es ein Zimmer, das als Treffpunkt dient und in dem die Kurse und Gespräche stattfinden. Hier können die Kunden an Tischen sitzen und sich unterhalten oder mit Leuten aus dem „Tante-Emma“-Beratungsteam ihre Sorgen besprechen. In diesem Raum stehen zudem eine Spielecke für Kinder sowie ein kostenloser Internetanschluss zur Verfügung.

Das Vorzimmer habe auch den Vorteil, dass die Bedürftigen nicht auf der Straße warten müssen, bis sie ihre Lebensmittel kaufen können, sagt Mark. So sind sie nicht den Blicken der Öffentlichkeit ausgesetzt.“

Für den Hilfsverein „Tante Emma“ haben die Initiatoren neben der Stadt elf Organisationen ins Boot geholt, etwa das Rote Kreuz, die Caritas, den Lions- und Rotary-Club sowie Kirchengemeinden, die bis 2012 den Etat von jährlich 30 000 Euro sicherstellen sollen. Danach soll sich das Sozialprojekt, an dem 110 ehrenamtliche Helfer mitwirken, aus Verkaufseinnahmen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden selbst tragen.

Lothar Mark sagt, es gehe darum, in Rodgau eine Struktur des Zusammenhaltens zu schaffen. Nicole Gehrke sagt: „Bei Tante Emma ist es wie in einer Familie.“

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