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Prozess in Darmstadt Frau um Lottogewinn betrogen

Der Chef einer Lotto-Annahmestelle in Egelsbach (Kreis Offenbach) zahlt einer Lotto-Gewinnerin 8000 Euro aus, obwohl sie 477 777 Euro gewonnen hatte. Ein Gericht verurteilt ihn zu einer Bewährungsstrafe.

Justizia
Justizia ist wachsam (Symbolbild). Foto: imago

Nach diesem Prozess werden sich viele ihren Lottoschein ganz genau anschauen: Ein 65-jähriger Hanauer, der in Egelsbach eine Lotto-Annahmestelle betrieben hat, ist am Dienstag vom Amtsgericht Darmstadt wegen Betrugs in besonders schwerem Fall verurteilt worden. Er hatte einer Kundin, die im Spiel 77 den Jackpot gewonnen hatte, am 31. März vorigen Jahres 8000 Euro ausgezahlt, doch 477 777 Euro standen ihr zu. Richter Markus Herrlein verhängte eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, sowie eine Geldauflage von 2400 Euro.

Der Hanauer erklärte vor Gericht, er habe nie die Absicht gehabt, die Geschädigte zu betrügen die ihren Gewinn mittlerweile erhalten hat und vor Gericht nicht mit Namen genannt wurde. Er sprach von einem Fehler, den er gemacht habe, sein Verteidiger von einem „merkwürdigen, wenn nicht dämlichen Verhalten“ seines Mandanten. Das Schöffengericht dagegen unterstellte ihm Absicht. Er habe den Gewinn zu einem späteren Zeitpunkt über einen Mittelsmann selbst kassieren wollen.

Der 65-Jährige kannte das Geschäft: 16 Jahre lang betrieb er schon Lotto-Annahmestellen. Am Nachmittag des 31. März filmte ein Fernsehteam in seinem Egelsbacher Laden, weil ein dort anonym abgegebener Spielschein mit Hauptgewinn seit 8. Februar nicht eingelöst worden war. „Die Fernsehaufnahmen haben mich durcheinander gebracht“, sagte der Angeklagte.

Es war purer Zufall, dass die gesuchte Gewinnerin dann eine halbe Stunde später mit dem Lottoschein in seinem Laden auftauchte. Seine Mitarbeiterin las den Schein der Kundin ein – und sofort leuchtete „Zentralgewinn“ auf dem Terminal auf. Davon spreche man ab 8000 Euro, erklärte der als Zeuge geladene Bezirksleiter von Lotto Hessen vor Gericht. Bei einem Zentralgewinn erscheine keine Gewinnsumme auf dem Display des Terminals – weder für den Betreiber noch für den Kunden.

Die Mitarbeiterin rief ihrem Chef zu, die Kundin habe den „Maxigewinn“ gewonnen, und drückte ihm den Lottoschein in die Hand. Er ging mit der Kundin in sein Büro und übergab ihr einen Umschlag mit 8000 Euro. Die Geschädigte wollte die glücksbringenden Zahlen daraufhin nochmals spielen. Der Computer ließ ein Duplizieren aber nicht zu, erklärte der Angeklagte vor Gericht, stets habe stattdessen der Hinweis „Zentralgewinn“ aufgeleuchtet. Deshalb habe er die Losnummer manuell geändert. Die Kundin erhielt den neuen Lottoschein mit den geänderten Zahlen, das anonyme Original behielt der Angeklagte.

Lotto Hessen kündigt fristlos

Es war quasi sein Pech, dass der Geschädigten am Abend die geänderten Endziffern ihres Scheines beim Spiel 77 auffielen. „Meine letzte Zahl beim Spiel 77 ist immer die 18, das ist meine Glückszahl. Aber auf dem Schein stand die 88“, erinnerte sich die Frau, die aus Angst, erkannt zu werden, mit einem grauen Tuch verhüllt vor Gericht aussagte.

Am nächsten Morgen erschien sie dann mit zwei uniformierten Polizeibeamten in der Lottoannahmestelle. „Wie gut, dass Sie kommen. Gestern habe ich Mist gebaut“, soll ihr der Angeklagte dann gleich entgegengerufen haben. „Das klang für mich wenig glaubwürdig“, erinnerte sich der Polizist als Zeuge.

Erst am Nachmittag rief der Angeklagte dann bei dem Bezirksleiter von Lotto Hessen an und schilderte den Vorfall – obwohl er ihn schon tags zuvor hätte erreichen können. „Wenn ich so einen Fehler gemacht hätte, würde ich doch alle Hebel sofort in Bewegung setzen“, rügte ihn die Staatsanwältin, die 20 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung und 3600 Euro Zahlungsauflage forderte.

Lotto Hessen hatte dem Angeklagten einige Tage nach dem Vorfall fristlos gekündigt. Sein Verteidiger erklärte nach dem Urteil, man werde wahrscheinlich in Berufung gehen.

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