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Nicht nur Hosen und Gemüse

Rodgau/Dreieich Tante-Emma-Projekt und Klamotten-Forum haben weit mehr Zulauf als erwartet

Auch Gardinen und Stoffe gibt es manchmal im Forum. Foto: Hartung

Der Erfolg des vor gut einem Jahr eröffneten Tante-Emma-Ladens macht Lothar Mark nicht glücklich. „Es sind deutlich mehr Kunden gekommen, als wir befürchtet haben“, sagt das Vorstandsmitglied des Vereins sogar. In der Weihnachtszeit hätten 300 Familien aus Rodgau regelmäßig die Möglichkeit genutzt, für nur zwei Euro einen Korb mit frischem Obst, Gemüse, Brot und anderen Lebensmitteln in dem in Jügesheim eingerichteten Laden zu kaufen – und das in einer vergleichsweise reichen Gegend.

Inzwischen spüre man aber den wirtschaftlichen Aufschwung. Derzeit seien 228 Familien, hinter denen 600 Menschen stehen, als Kunden des Hilfsprojekts registriert, berichtet Mark. Manchen der mit Lebensmitteln und Beratung unterstützen Menschen sei es gelungen, wieder eine Anstellung zu finden, berichtet er. Vom großen Ziel des Projekts – zu erreichen, dass das Hilfsangebot nicht mehr benötigt wird – sei man freilich noch sehr weit entfernt.

110 ehrenamtliche Helfer sind inzwischen für Tante Emma im Einsatz, holen pro Tag zehn Zentner Lebensmittel von Märkten oder auch Bauern in der Umgebung ab, sortieren die Waren und geben sie an vier Öffnungstagen an die Kunden ab. Andere gehören zum Beratungsteam des Vereins.

Diese Beratung sei der eigentliche Schwerpunkt der Arbeit, betont Mark. Frühere Lehrer, Manager und andere Rodgauer geben ihre Erfahrungen weiter, helfen ihren Nachbarn bei Schulden, Erziehungsfragen, geben Tipps zur gesunden und günstigen Ernährung oder der Bewerbung für einen Job.

Auch selbst Erwerbslose engagierten sich – und lernten, etwa im Büro des Projekts, auch Dinge, die ihnen vielleicht auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt helfen. Hilfe zur Selbsthilfe ist ein Motto von Tante Emma. Besonders Älteren diene der Laden direkt am Rathaus auch als Treffpunkt, etwa bei einem Seniorenfrühstück, berichtet Mark. Ziel sei es schließlich auch, der Vereinsamung im Ort entgegenzuwirken.

Der Nachbarschaftsgedanke, die gegenseitige Hilfe, steht auch beim Klamotten-Forum im Sprendlinger Norden im Vordergrund, das am 30. Juli, 11 bis 14 Uhr, sein einjähriges Bestehen feiert. Spender können in dem als Laden eingerichteten Container am Berliner Ring Kleidung, die sie nicht mehr anziehen, abgeben, statt sie in eine Altkleidersammlung zu geben. Das neunköpfige ehrenamtliche Team des Klamotten-Forums sortiert die Second-Hand-Ware und bietet sie an drei Tagen pro Woche zum Verkauf an.

Jedes Kleidungsstück kostet nur 50 Cent, Schuhe, Taschen und Koffer gibt es für einen Euro. 3200 Euro hat das Forum bisher in diesem Jahr mit den Verkäufen eingenommen, Geld, das es, wie Christine Wenzke sagt, für andere Projekte des Nachbarschaftstreffs im Sprendlinger Norden verwendet.

Engpässe gab es bisher nicht. „Wir hatten nicht mit so einer Flut an Spenden gerechnet“, sagt Ilona Klein, die wie Wenzke dem Helferteam des Klamotten-Forums angehört.

Anders als bei Tante Emma, wo die Kunden ihren Hilfsbedarf nachweisen müssen, darf jeder im Klamotten-Forum einkaufen. Nicht nur Sozialhilfeempfänger, kinderreiche Familien und Senioren nutzten das Angebot, sagt Wenzke. Mancher zahle auch freiwillig mehr als die 50 Cent pro Hemd, Hose oder Jacke, berichtet sie. Nur eines macht dem Team zu schaffen. Der Boden des ihnen von der Nassauischen Heimstätte zur Verfügung gestellten Containers ist kaputt.

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